«Ich verteidige nie eine Tat, nur den Menschen dahinter»

Anwälte sind gewissenlose und geldgeile Wesen, die hauptberuflich über Leichen gehen und mit dem Teufel im Bunde stehen. «Alles Quatsch», sagt Valentin Landmann (66), Anwalt von Randgruppen aus Überzeugung.

Valentin Landmann ist kein unbeschriebenes Blatt. Sein Name ist vielen Schweizern geläufig – nicht nur den Juristen unter uns. Als Anwalt der Hells Angels, des Rotlichtmilieus und anderen Randgruppen gab es über den 66-Jährigen nämlich schon einige Schlagzeilen in den Medien. «Natürlich versuchen gewisse Leute, mir daraus einen Strick zu drehen. Aber jeder hat das Recht auf einen Anwalt und fast jede Tat wird erklärbar, wenn man genau hinschaut.» Ausserdem habe er vor Gericht schon viele Freisprüche erreicht, denn: «Nicht alle meine Klienten sind schuldig.»

Hells Angels und Prostituierte

Aus der Tatsache, dass viele seiner Klienten enge Freunde von ihm sind, macht Landmann keinen Hehl. Einige seiner ehemaligen Partnerinnen kommen beispielsweise aus dem Rotlicht-Milieu: «Zum Teil haben sie gar in der Zeit, in der wir zusammen waren, angeschafft. Trotzdem waren das aber ganz tolle Frauen», erzählt der Strafverteidiger.

«  Ich bin selber zwar nicht Mitglied, fahre aber serienmässig Motorrad und verkehre seit Jahren mit den Hells Angels – nicht nur beruflich »

Und auch die Hells Angels stehen ihm persönlich nahe: «Das ist zwar ein Haufen von Querköpfen, aber ganz sicher keine kriminelle Organisation», ist er überzeugt. «Ich bin selber zwar nicht Mitglied, fahre aber serienmässig Motorrad und verkehre seit Jahren mit den Hells Angels – nicht nur beruflich.»

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«True Talk»

«True Talk»

In unserer Webserie «True Talk» werden Menschen, die aufgrund von bestimmten Merkmalen, Eigenschaften oder Vorlieben häufig mit Vorurteilen zu kämpfen haben, mit ebendiesen konfrontiert.

«True Talk» siehst du jeweils mittwochs bei uns auf Facebook oder auf dem «True Talk»-YouTube-Kanal.

Wer braucht schon Anzug und Aktenkoffer?

Auch Landmann selbst ist ein Querkopf: Einen Anzug besitzt er zum Beispiel keinen – obwohl das vor Gericht eigentlich Pflicht ist. «Man sieht mich ja nur bis zur Hüfte. Die Beine sind unter dem Tisch – warum sollte ich also einen Anzug tragen?» Oben trägt er immerhin Blazer und Krawatte, unten lediglich Jeans. Und den Aktenkoffer lässt er meistens ebenfalls zuhause, schliesslich habe man während der Verhandlung eh keine Zeit, unzählige Dokumente zu wälzen. «Im Studium muss man zwar sehr wohl Paragraphen zitieren können, im Berufsleben ist das aber nicht mehr nötig. Ich spreche viel öfter über den Klienten und dessen Beweggründe als über das Gesetz.»

Menschen statt Taten

Natürlich werde er manchmal mit schrecklichen Dingen konfrontiert und sähe die Schattenseiten der menschlichen Psyche, erzählt Valentin Landmann. Aber: Er verteidige ja nie die Taten seiner Mandanten, selbst wenn sie schuldig seien. «Ich verteidige immer einen Menschen», sagt er. Und für den Menschen habe er meistens irgendwie Verständnis.

Man kann von Valentin Landmann halten, was man will – besonders vielen ziemlich typischen Vorurteilen über Anwälte wird der 66-Jährige definitiv nicht gerecht.