Mit Herz, Schweiss und Schwielen

Zu Gast bei Kurt Aeschbacher in der Labor-Bar sind Patricia Zenklusen, Motorsäge-Künstlerin, Olivier Lauber, der höchste Lehrling der Schweizer, die Tanzgruppe Danza Antica und die Motoradrennfahrerin Sabine Holbrook.

Der Lärm einer Motorsäge erfüllt Patricia Zenklusen mit Glück; aus wuchtigen Baumstämmen haut die Holzbildhauerin dynamische Figuren. Olivier Lauber ist wahrscheinlich der einzige Lehrling der Schweiz, dem das Panorama seines Arbeitsortes den Atem verschlägt: Er blickt auf die höchsten Bergriesen Europas. Danza Antica lassen mit viel Beinartistik Barocktänze auferstehen. Und: Sabine Holbrook ist in ihrem Element, wenn sie mit über 270 Sachen über den Asphalt fegt.

Beiträge

  • Patricia Zenklusen

    hat eine grosse Vorliebe für schweres Gerät. Zu ihrem 35.Geburtstag wünschte sie sich von ihrem Ehemann eine Tischkreissäge. Und vor drei Jahren entdeckte sie in ihrem Garten die herausragenden Qualitäten einer benzinbetriebenen Motorsäge. Sie fällte kurzerhand einen Baum und sägte aus dem Stamm ihre erste Holzfigur. Seither hat sie der Virus nicht mehr losgelassen. Lustvoll sägt sie stundenlang aus Zedernholzstämmen filigrane Skulpturen. Dass ihr Werkzeug sehr laut ist und stinkt und dass sie bei der Arbeit gehörig ins Schwitzen gerät, erfüllt die 49-jährige Künstlerin zudem mit Glück.

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  • Olivier Lauber

    kann mit Stolz behaupten, dass er der «höchste» Lehrling der Schweiz ist. Er arbeitet auf 3883 Metern über Meer, auf dem Klein Matterhorn. Das atemberaubende Bergpanorama war es denn auch, dass den jungen Zermatter lockte, die Lehre als Elektroinstallateur in luftiger Höhe anzutreten. Im Winter fegen ihm eisige Windböen um die Ohren; im Sommer treiben ihm Blitzeinschläge den Schweiss auf die Stirn: Trotzdem würde der 21-Jährige seine Lehrstelle für nichts in der Welt tauschen wollen. Denn an schönen Tagen schweift sein Blick während der Arbeit manchmal bis ans Mittelmeer.

  • Danza Antica

    hauchen längst vergessenen Barocktänzen Leben ein. Wer zu Zeiten des Sonnenkönigs en vogue sein wollte, tanzte «à la française»: Menuett, Bourrée oder Rigaudon. Das waren die Prüfsteine für den gesellschaftlichen Auftritt, der eine perfekte Körperbeherrschung verlangte. Aber auch Wespentaillen – 40 bis 45 cm – waren à la mode. Kein Wunder, fielen die Damen reihenweise in Ohnmacht. Trotz piekfeinem Auftreten: Flöhe gab es auf Schloss Versailles en masse. Und wehe, wem ein Fauxpas unterlief: Dem Betreffenden waren nicht nur Schadenfreude, sondern auch ein rasanter Abstieg mit Intrigen sicher.

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  • Sabine Holbrook

    ist sehr schnell auf der Rennmaschine unterwegs und fegt den männlichen Konkurrenten böse um die Ohren. Die 34-Jährige gehört weltweit zu den wenigen Frauen, die Motorradrennen fahren. «Solange ich als Frau langsamer bin, ist alles kollegial. Doch wehe, wenn ich schneller bin. Ein Weib, das da vorbeizieht – das geht gar nicht» lacht sie schelmisch. Gas geben und spät bremsen, das ist ihre grosse Leidenschaft. Blaue Flecken, Schürfungen und schlimme Brüche gehören dazu. Denn um vorne mitzumischen, muss sie bis ans Limit gehen und immer wieder aufstehen mit Schwielen, Schweiss und viel Herzblut.

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