Autobranche – nichts als Trickserei?

  • Dienstag, 13. Oktober 2015, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 13. Oktober 2015, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 14. Oktober 2015, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 14. Oktober 2015, 11:00 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 15. Oktober 2015, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 15. Oktober 2015, 12:45 Uhr, SRF info
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    • Samstag, 17. Oktober 2015, 14:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 17. Oktober 2015, 15:25 Uhr, SRF info

Der VW-Skandal ist noch lange nicht ausgestanden. Der Konflikt zwischen Abgaswerten im Labor und dem Ausstoss auf der Strasse schwelt weiter. Umwelt und PS bleiben auf Kollisionskurs. Und ungelöst die Frage, ob VW ein Einzelfall ist oder systematisch getrickst wird, wo Erfolgsdruck herrscht.

«Wir wollen bis 2018 der Welt grösster und bester Autobauer sein», hat der nun freigestellte VW-Chef verkündet. Er ist mit diesem Anspruch grandios gescheitert und hat nicht nur sein Unternehmen, sondern die ganze Branche und mit ihr auch das Label «Made in Germany» in Verruf gebracht. Gegen die Schuldigen ermittelt die Staatsanwaltschaft – vielleicht vergeblich. Die Regeln ritzen bis hin zum Betrug, um Effizienz und Erfolg zu steigern, gehöre zum immanenten System von Grossunternehmen, analysiert Organisationssoziologe Marcel Schütz die Lage. Das würde erklären, warum trotz hunderter von Mitwissern der Betrug über lange Zeit nicht aufgeflogen ist.

Doch damit nicht genug. Für 2017 sind EU-normierte Abgastests auf der Strasse geplant. Die Autolobby wehrt sich mit allen Mitteln gegen den von den Umweltverbänden geforderten Anspruch, die Laborwerte auch im Verkehrsalltag anzuwenden. Ob Tempo und PS sich je mit den strengen Abgasnormen vereinbaren lassen, bezeichnet die Autobranche als Herausforderung für die Ingenieure, die Umweltverbände als Ding der Unmöglichkeit.

Der VW-Betrug hat eine Palette von Konflikten rund um die Automobilität ans Tageslicht befördert. Thomy Scherrer macht sie zum Thema im «Club» mit folgenden Gästen:

Andreas Burgener, Direktor Auto Schweiz
Caroline Beglinger, Co-Geschäftsleiterin VCS
Sara Stalder, Leiterin Stiftung für Konsumentenschutz
Marcel Schütz, Organisationssoziologe Uni Oldenburg
Lukas Hasselberg, Chefredaktor Auto und Wirtschaft

Positionen der Gäste

Andreas Burgener: «Ich hätte das Umgehen der Normen von VW nie erwartet. Dass jetzt aber eine ganze Branche verunglimpft wird, geht zu weit. Den Konflikt zwischen Umwelt und PS werden unsere Ingenieure lösen können.»

Caroline Beglinger: «Umwelt und Klima vertragen keine Tricksereien mehr!»

Sara Stalder: «Der Betrugsfall hat für die betroffenen Fahrzeughalter schwerwiegende finanzielle Konsequenzen. Mit einem Software-Update allein kann VW den Schaden nicht wettmachen.»

Marcel Schütz: «Ohne Wissen der Führungsebene ist der VW-Skandal nicht denkbar. Die Schuldigen zu suchen greift zu kurz. Das Unterlaufen von Regeln bis hin zum Betrug hat System.»

Lukas Hasselberg: «Was man Konsumenten vorsetzt, wird gekauft. Die Autoindustrie richtet sich nach dem Markt. Die ganze Branche ist jetzt gefordert: Konzerne, Importeure, Garagisten.»

Beiträge

  • Moderator Thomy Scherrer präsentiert Thema und Gäste

    Im Nachgang zum VW-Betrugsskandal erörtert Thomy Scherrer mit seinen Gästen Ursachen und Dimension. Tricksen als systemimmanentes Prinzip rückt dabei ins Zentrum.

  • Caroline Beglinger, Co-Geschäftsleiterin VCS

    Mit dem Nachbessern der Modelle ist es nicht getan. Sie fordert, dass die Autoindustrie ihre Gewinninteressen den drängenden Umweltproblemen unterordnet. Gerade in Anbetracht der Gesundheitsschäden, die von den Abgasen ausgehen und jährlich hunderte von Todesopfern fordern.

  • Andreas Burgener, Direktor Auto Schweiz

    Der Vertreter der 33 Autoimporteure in der Runde war perplex, als er vom Betrug des VW-Konzerns erfuhr. Dennoch ist er überzeugt, dass dieser den Schaden bei den 11 Millionen Fahrzeughaltern wieder gut machen werde und gar gestärkt aus der Krise hervorgehe.

  • Marcel Schütz, Organisationssoziologe Uni Oldenburg

    Die Schuld beim VW-Skandal auf Personen zuzuspitzen greife zu kurz, sagt der Soziologe. Der Aufschrei der Öffentlichkeit sei meist gross, aber ebenso schnell das Vergessen. Damit werde das Biegen von Regeln als systemisches Prinzip ausgeblendet, das er an einem Skandal aus der Flugbranche erläutert.

  • Lukas Hasselberg, Chefredaktor Auto und Wirtschaft

    Die Differenz der Abgaswerte auf dem Prüfstand und auf der Strasse kann bis zu 50% betragen. Das wissen längst nicht alle Autofahrer, sagt der Kommunikator zwischen Händlern und Garagisten. Es ist kaum möglich, selbst durch einen moderaten Fahrstil, die Laborwerte auf der Strasse zu erreichen.

  • Sara Stalder, Leiterin Stiftung für Konsumentenschutz

    Einmal mehr kommt das Management ungeschoren davon, klagt die Konsumentenschützerin an. Es wird ausgetauscht, statt zur Verantwortung gezogen - das ist das bekannte Muster der Täuschung. Sara Stalder argumentiert im Interesse hunderter von VW-Besitzern, die bei ihr klagen, weil sie nicht wissen, wer den erlittenen Schaden wiedergutmacht.

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