Bauern in Not - Zwischen Suizid und Subvention

  • Dienstag, 21. März 2017, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 21. März 2017, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 22. März 2017, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 22. März 2017, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 22. März 2017, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 23. März 2017, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 23. März 2017, 12:45 Uhr, SRF info
    • Freitag, 24. März 2017, 10:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 25. März 2017, 14:05 Uhr, SRF info

Bauern haben die beste Lobby, leben von Subventionen und können vor allem eins: Jammern, sagen die einen. Ganz falsch! wehren sich die Bauern. Viele sind verschuldet und überarbeitet. Tatsächlich nimmt die Zahl der Suizide zu, Depressionen sind keine Seltenheit. Was ist los mit unseren Bauern?

Man kennt sie aus der Fernsehsendung «Landfrauenküche» oder aus Hochglanzmagazinen wie «Landliebe»: Bäuerinnen und Bauern. Sie leben umgeben von Natur pur, auf einem Hof, wo die Welt noch in Ordnung ist.

Doch Stress, Hektik und Existenzangst haben längst auch auf diesen Höfen Einzug gehalten. Der Bauer muss innovativer und mutiger Unternehmer sein, strategisch denken und Marktlücken finden. Produkte wie etwa Milch lohnen den Aufwand fast nicht mehr, sie seien am Markt viel zu billig.

Nicht Beruf, sondern Berufung

Wirft der Landwirtschaftsbetrieb nicht genug ab, kommt der flexible Zweitjob hinzu - wenig später droht vielleicht sogar ein Burnout.
Jede Schliessung eines Bauernhofes ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine persönliche Katastrophe, denn Landwirt ist für die meisten nicht Beruf, sondern Berufung.

Doch Mitleid und Verständnis für die Landwirte halten sich in der Bevölkerung in Grenzen. Zu grosszügig seien die total 2,8 Milliarden Direktzahlungen, zu viel Heimatschutz lasse man dem protegierten und vermeintlich verwöhnten Bauernstand angedeien.

Woher kommt die Not der Schweizer Bäuerinnen und Bauern? Was hilft und was ist von den Bauern selbst gefordert?

Die «Club»-Diskussion unter der Leitung von Karin Frei mit:

Ueli Strahm, verschuldeter Landwirt
Markus Ritter, Präsident Bauernverband
Cornel Eberle, Straussenfarmer
Andreas Bosshard, Vision Landwirtschaft
Mara Simonetta, Bauern-Gewerkschafterin ABLA

Positionen:

Ueli Strahm: «Die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, wie viel Aufwand hinter der Nahrungsmittelproduktion steckt. Das grösste Problem ist, dass da die Wertschätzung fehlt und man nicht bereit ist, für die Produkte einen fairen Preis zu bezahlen.»

Markus Ritter: «Es ist unser Ziel, Bauern in schwierigen Situationen nicht alleine zu lassen und ihnen zu helfen. Viele Angebote würden zur Verfügung stehen. Wichtig ist, dass sich die Bauern öffnen und auch fachliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Angehörige haben beim ersten Schritt oftmals eine entscheidende Rolle.»

Cornel Eberle: «Man darf die Landwirtschaft nicht einfach verurteilen. Natürlich haben wir eine gute Lobby und bekommen viel Geld. Aber es gibt so viele Aspekte, die ineinander fliessen: Familiengeschichten, wirtschaftliche Elemente, die Balance finden zwischen Produktivität und Naturschutz. Ausserdem ist es nicht jedem gegeben, unternehmerisch zu wirken.»

Andreas Bosshard: «Im Durchschnitt sind die Kosten für die landwirtschaftliche Produktion höher als die Einnahmen des Produkteverkaufs. Das Hauptproblem ist, dass die Schweiz überteuert produziert, angetrieben durch sehr hohe staatliche Subventionen. Profiteure von diesem System sind nicht die Bauern, sondern die vorgelagerten Branchen wie die Futtermittel- und Landmaschinenverkäufer.»

Mara Simonetta: «Ich beobachte, dass es vielen heute aktiven Bauern an der Kommunikationsfähigkeit fehlt. Man redet über die Tiere, die Maschinen, den Betrieb. Aber sich auch auf der menschlichen Ebene auszutauschen, fällt vielen schwer.»

Beiträge

  • Karin Frei stellt die Gäste vor

    Die Runde geht der Frage nach, warum es vielen Bauern finanziell schlecht geht, obwohl den Landwirten in der Schweiz jährlich 2,8 Millarden Subventionen ausbezahlt werden.

  • «Wir sind Gefangene unserer Betriebe.»

    Einen Bauernbetrieb einfach umstellen sei nicht so einfach, sagt der Landwirt Ueli Strahm und beschreibt die Schwierigkeiten einer Umstrukturierung.

  • «Kommunikation ist nicht die Stärke der Bauern.»

    Bauernverband-Präsident Markus Ritter beobachtet, dass viele Bauern und Bäuerinnen nicht gut kommunizieren können. Besonders sind jene Landwirte gefährdet, die gar nicht kommunizieren, also nicht über ihre Probleme reden. An diese ranzukommen, sei schier unmöglich.

  • «Ich hatte nie Freude an Milchkühen.»

    Straussenbauer Cornel Eberle hatte nie Freude an der Milchwirtschaft und hat etwas anderes gesucht, so kam er auf die Straussen. Wenn man sich öffnet, dann komme auch vieles auf einen zu. So produziert er inzwischen sogar Hundefutter.

  • «Milchbauern könnten 160 Millionen Franken mehr verdienen.»

    Es gäbe durchaus Optimierungsmöglichkeiten für einige der Milchbauern, ist Andreas Bossard überzeugt. Vision Landwirtschaft hat ausgerechnet, dass Milchbauern 160 Millionen Franken mehr verdienen könnten, wenn sie weniger Kraftfutter einsetzen würden und die Kühe mehr weiden lassen würden.

  • «Viele Bauern denken sehr traditionell.»

    In vielen Gegenden denken die Bauern sehr traditionell, weiss Mara Simonetta von ihren Beratungen. Gegen den Strom schwimmen in der Landwirtschaft sei extrem schwierig.

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