Bedrohung «Flüchtling»?

  • Dienstag, 4. August 2015, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 4. August 2015, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 5. August 2015, 2:30 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 5. August 2015, 8:40 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 5. August 2015, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 5. August 2015, 12:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 6. August 2015, 3:50 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 6. August 2015, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 8. August 2015, 9:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 8. August 2015, 10:40 Uhr, SRF info
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    • Samstag, 8. August 2015, 15:25 Uhr, SRF info

Die Flüchtlingsströme nehmen weiter zu. Ganz Europa ist überfordert. Niemand will die Flüchtlinge im eigenen Land. Die grösste Flüchtlingsgruppe in der Schweiz sind die Eritreer. Besonders ihre Asyllegitimation wird oft angezweifelt. Was tun mit den Menschen, die hier landen?

In ganz Europa werden die Zäune hochgezogen. Auch die Zahl der Asylgesuche in der Schweiz ist im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen. Die politischen Parteien stellen Forderungen. So will etwa die CVP, dass Asylsuchende unentgeltlich arbeiten.

Wie umgehen mit den Menschen, die hier landen? Mit Abstand am meisten Gesuche stammen von Eritreern. Ihre Berechtigung auf Asyl wird immer wieder angezweifelt. Sind es Flüchtlinge aufgrund des menschenrechtsverachtenden Regimes in Eritrea oder doch nur Wirtschaftsflüchtlinge auf der Suche nach einem besseren Leben?

Was unternimmt die Schweiz vor Ort in den Krisengebieten? Und was muss passieren, damit die Integration dieser Flüchtlinge in unserem Land besser funktioniert?

Die Positionen der Gäste:

Almaz Zerai: «Wir lieben unser Land so sehr, wir sterben fast vor Heimweh und wünschten nichts mehr, als dass in Eritrea wieder menschenwürdigere Zustände einkehrten. Nur weil die Verzweiflung so gross ist, flüchten die Menschen.»

Stefan Frey: «Wir müssen die Flüchtlinge nicht als Last, sondern als Investitionsprojekt betrachten, sie so schnell wie möglich integrieren, ausbilden und unabhängig machen. Solche Menschen mit guten Voraussetzungen gehen in einigen Jahren auch eher wieder zurück in ihr Heimatland.»

Edouard Gnesa: «Der Schutzgedanke spielt eine zentrale Rolle, für Asylsuchende, die zu uns kommen, aber auch für jene, die in den Krisengebieten vor Ort sind. Die Schweiz hat sich im In- und Ausland stark engagiert und wird dies auch in Zukunft tun.»

Susanne Hochuli: «Wenn Integration gelingen soll - und das wird in Zukunft eine riesige Herausforderung - müssen wir uns alle mehr engagieren. Das gilt nicht nur für den Staat, sondern für jeden einzelnen. Warum nicht ab und zu jemanden ansprechen?»

Hans-Ruedi Hottiger: «In diesem emotionalen Thema kommuniziert der Bund zu spärlich und zu intellektuell. Man muss die Ängste der Bevölkerung wirklich ernst nehmen. Nur dann erreicht man auch Akzeptanz für die Flüchtlinge.»

Beiträge

  • Karin Frei

    Die Moderatorin stellt ihre Gäste vor. Zu Wort kamen alles Persönlichkeiten, die in ihrem Alltag direkt mit der Flüchtlingssituation konfrontiert sind, freiwillig oder von Amtes wegen. Letztere auf Ebene Bund, Kanton, Gemeinde, unabhängig ihrer Parteizugehörigkeit. Diverse sehr asylkritische Gemeinden zogen es vor, sich nicht im TV zu exponieren. Der Zofinger Stadtamman, der die grösste Asylunterkunft des Kantons Aargau beherbergt, stellte sich zur Verfügung.

  • Hans-Ruedi Hottiger, Stadtammann Zofingen

    Die Beziehung zwischen der Bevölkerung und den Flüchtlingen ist spannungsgeladen. Der Zofinger Stadtammann wünscht sich von den Flüchtlingen, dass sie im Alltag und im Austausch mit der lokalen Bevölkerung Dankbarkeit zeigen. Fingerspitzengefühl ist auch bei der Kommunikation angezeigt. Erlebt hat er das, als er der Bevölkerung erklären musste, dass in Zofingen das grösste Asylzentrum des Kantons eröffnet werde. Da gaben Spenden aus der Bevölkerung Anlass zu Diskussionen:

  • Almaz Zerai, Ärztin, Eritreerin

    Die Eritreerin betont in der Sendung, dass das Erlernen der Landessprache für die Flüchtlinge ein Muss ist. Dazu brauche es mehr als einen minimalen Einsatz. Sie selbst habe täglich viele Stunden gelernt, damit sie sich verständigen und Fuss fassen konnte. Dass die Kommunikation ein grosses Problem ist, zeigt sich auch in einem Phänomen, das der hiesigen Bevölkerung aufstösst. Das Bild des Flüchtlings mit dem tollen Handy:

  • Susanne Hochuli, Regierungsrätin Kt. Argau

    Flüchtling ist nicht gleich Flüchtling. Gerade wenn Asylsuchende aus einem Land stammen, das unserer Kultur extrem fremd ist, wird die Integration schwierig. So wurde in der Sendung festgestellt, dass es den Syrern leichter fällt, hier anzukommen. Für Menschen aus Ländern wie Eritrea ist dies schwieriger und hat Auswirkungen darauf, ob sie in der Schweiz je Arbeit finden:

  • Edouard Gnesa, Sonderbotschafter Migration EDA

    Immer wieder wird der Ruf nach einem vermehrten Engagement vor Ort in den Krisengebieten laut. Die hinlänglichen Erklärungen des Bundes, dass es die Menschenrechtssituation in Eritrea nicht zulasse, Flüchtlinge zurückzuschicken, reichten nicht mehr, liessen SVP und CVP unlängst verlauten. Was wird unteromm? Edourad Gnesa erzählt von einem wenig fruchtbaren Kommunikationsversuch, den die offizielle Schweiz im vergangenen Januar unternommen hat:

  • Stefan Frey, Mediensprecher Schweizerische Flüchtlingshilfe

    Eritrea, so der Mediensprecher der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, sei zur Zeit ein Extremfall in Schwarzafrika. Er betont, dass aber schon bald auch viele andere Länder mit totalitären Regierungen in einer ähnlichen Situation sein könnten. Im «Club» machte er deshalb ganz grundsätzliche Vorschläge, wie man diesen Tendenzen entgegenwirken könnte:

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