Palliativpflege – wenn Heilen nicht mehr möglich ist

  • Dienstag, 2. Februar 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 2. Februar 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 3. Februar 2016, 2:35 Uhr, SRF 1
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    • Samstag, 6. Februar 2016, 14:05 Uhr, SRF info

Lebensqualität bis zum Tod wünschen sich viele Kranke. Wenn nicht mehr an Heilung zu denken ist, wird dies durch Palliativmedizin erreicht: zu Hause, im Spital, im Heim. Patienten samt Angehörige gehören zum Prozess der «lindernden» Pflege. Sie ist eine Haltung. Betroffene erzählen im «Club».

65'000 Menschen sterben jedes Jahr in der Schweiz, die überwiegende Mehrheit nach langer Krankheit und zunehmender Pflegebedürftigkeit. Wenn Heilung nicht mehr möglich ist, rückt das Bedürfnis nach möglichst viel Lebensqualität trotz Beeinträchtigung ins Zentrum: körperliche, seelische und pflegerische Wünsche gehen einher mit Ängsten vor Schmerz und vor Abschied.

Aber auch Konflikte mit den nächsten Angehörigen können die letzte Zeit belasten. Palliativpflege berücksichtigt all diese Aspekte. Sie ist deshalb weit mehr als eine Methode, sie ist eine Haltung. Das Wohlbefinden der nächsten Angehörigen zählt ebenso wie das der Patienten. Wenn es einem besonders schlecht geht, leidet auch der andere Teil.

Allzu oft setzt die umfassende und schonende Behandlung der Palliative Care zu spät oder gar nicht ein. Sei es aus Unwissen der Patienten, oder wegen schlechter ärztlicher Beratung. Dies, obwohl Studien gezeigt haben, dass Krebspatienten, die frühzeitig palliativ behandelt werden, eine bessere Lebensqualität haben und häufig länger leben als Patienten, die zum Beispiel bis zum Tod eine onkologische Standardtherapie erhalten.

Aber auch die Frage, wo sich pflegen lassen, beschäftigt viele Betroffene. Die meisten wollen zu Hause bleiben, solange es geht, andere sind schon bald auf Pflege im Heim oder im Spital angewiesen. Die Schweiz verfügt zwar über ein gutes Netz an stationären und ambulanten Angeboten. Doch vielerorts fehlt es an entsprechend ausgebildeten Ärzten. Und oft ist auch die Finanzierung nicht gesichert.

Im «Club» erzählt eine Krebspatientin im letzten Stadium zusammen mit ihrem Arzt vom Segen der Palliativmedizin. Die Witwe eines in der Palliativpflege verstorbenen Mannes bietet Einblick ins Schicksal der Angehörigen. Und weitere Fachleute mit eingehenden Erfahrungen beleuchten mit kritischem Blick die komplexen Facetten der «lindernden» Pflege.

Marlies Hürlimann, krebskrank, Palliativ-Patientin
Viola Käumlen, Angehörige eines inzwischen verstorbenen Tumorkranken
Andreas Weber, ärztlicher Leiter Palliative Care, Spital Wetzikon und Leiter Palliativ-Spitex
Renate Karlin, Pflegedienstleiterin Palliativzentrum Hildegard, Basel

Positionen

Marlies Hürlimann: «Das Palliativ-Care-Team kennt meine speziellen Wünsche und Bedürfnisse. So kann ich die verbleibende Zeit besser erleben.»

Viola Käumlen: «Dank palliativer Pflege konnte mein Mann - nach 10 Jahren Kampf gegen einen zunächst gutartigen, dann zur Bösartigkeit mutierten Tumor - friedlich, schmerzfrei und "ummantelt" von Liebe und Geborgenheit seine letzten Wochen verleben. Ein grosses Thema, das mich sehr berührt hat und ein Leben lang nachschwingen wird.»

Andreas Weber: «Das Lebensende beginnt nicht erst mit dem Sterben. Gut zu sterben, ohne grosses Leiden, ist sicher ein wichtiges Anliegen von Palliative Care. Ebenso wichtig ist das Ziel, noch gut zu leben, trotz unheilbarer Krankheit.»

Renate Karlin: «Palliative Care ist ein Betreuungs- und Behandlungskonzept, welches niemand alleine leisten kann. Es braucht immer ein multidisziplinäres Team und ein bestmögliches Netzwerk, um die Ziele für die Patienten, bei welchen immer die Lebensqualität in der jetzigen Situation im Fokus sind, gemeinsam anzustreben. Im Konzept der Palliative Care gilt den Patienten und ihren Angehörigen die gleiche Aufmerksamkeit.»

Beiträge

  • Gedanken zur Palliativpflege und zum Sterben

    Wenn Heilung keine Perspektive mehr ist, geht es um Linderung und darum, die letzte Lebensphase so angenehm wie möglich zu gestalten. Eine Herausforderung nicht nur für die Schwerkranken, sondern auch für deren Angehörige, Ärzte und das Gesundheitssystem.

  • Thomy Scherrer stellt die Gästerunde vor.

    Im «Club» erzählt eine Krebspatientin im letzten Stadium zusammen mit ihrem Arzt vom Segen der Palliativmedizin. Die Witwe eines in der Palliativpflege verstorbenen Mannes bietet Einblick ins Schicksal der Angehörigen. Und weitere Fachleute mit eingehenden Erfahrungen beleuchten mit kritischem Blick die komplexen Facetten der «lindernden» Pflege.

  • Marlies Hürlimann, krebskrank, Palliativ-Patientin

    Marlies Hürlimann rechnet damit, dass sie noch zwischen 6 Monate bis 4 Jahre zu leben hat. Sie lebt noch zuhause, wo sie von ihrem Arzt palliativ begleitet wird. Zusätzlich wird sie intensiv von ihrem Mann und Bekannten umsorgt und unterstützt. Eine gute letzte Zeit - mit der Palliativpflege - erlaube ihr, ganz vieles noch in Ruhe zu organisieren.

  • Viola Käumlen, Witwe eines Tumorkranken

    Viola Käumlen hat ihren tumorkranken Mann im November 2015 nach einem 10 Jahre dauernden Kampf verloren. Mit der Krankenkasse hätten sie zu Beginn gute Erfahrungen gemacht, häufig aber geben Krankenkassen die Kostengutsprache für die Palliative Care nur widerwillig. Am Schluss hätten sie fast für jeden einzelnen Tag in der Palliativpflege kämpfen müssen.

  • Andreas Weber, ärztlicher Leiter Palliative Care, Spital Wetzikon

    Der Entscheidungsprozess, bei dem es darum geht eine Behandlung, eine Therapie, abzusetzen, die Heilung also nicht mehr im Vordergrund steht, sei nicht immer einfach, sagt der Palliativ-Experte. Manchmal sei dieser Übergang auch fliessend. Er unterstützt die Forderung seines Kollegen Gian Domenico Borasio an der Universität Lausanne, der von einem "liebevollen Unterlassen" spricht, welches von den Ärzten noch viel zu wenig gemacht würde.

  • Renate Karlin, Pflegedienstleit. Palliativzentrum Hildegard BS

    Renate Karlin wechselte vor Jahren von der Onkologie ins Palliativzentrum Hildegard. Nicht die Krankheit, sondern der Mensch selber und seine Angehörigen stünden dort im Zentrum. Manchmal verhelfe dort auch ein Therapiehund zum maximalen Wohlbefinden. In einigen Fällen hätte dies sogar dazu geführt, dass der Patient auf einen Teil der Medikamente verzichten konnte.

  • Der Therapiehund im Palliativzentrum Hildegard in Basel

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