Paris-Attentate: Was macht die Angst mit uns?

Die Terroranschläge in Paris schüren die Ängste in Europa. Nun ist der Krieg der islamistischen Terroristen brachial in der westlichen Welt angekommen. Wie soll Europa reagieren? Und was macht diese Angst mit uns?

Paris wurde von einer Anschlagsserie erschüttert. Nach einer Serie von Schiessereien, Selbstmordanschlägen und einer Geiselnahme starben am Freitag mehr als 130 Menschen, weit über 300 wurden zum Teil schwer verletzt. Der Terror begann vor dem Fussballstadion Stade de France. Kurze Zeit später griffen die islamistischen Terroristen wahllos Besucher der Konzerthalle Bataclan an. Weitere Menschen starben in Restaurants und Bars.

Experten sprechen von «islamistischen Schläferzellen» , die überall und jederzeit auf Abruf für Terrorattacken bereit sein würden. Paris würde sich wiederholen überall. Ein Feind, der zwar den Namen IS, Islamischer Staat, trägt, jedoch nicht wirklich greifbar ist. Jeder könnte zum Opfer werden.

Immer mehr sind auch warnende Stimmen zu hören, dass sich Europa mit der Willkommenskultur gegenüber den Flüchtlingen auch den Feind ins Land holt, zumal einer der Terroristen über die Balkanroute nach Paris gelangt sein soll.

Was macht diese Verunsicherung mit uns? Erreicht der IS damit nicht genau seine Ziele? Wie beeinflussen unsere Ängste unser Denken und Verhalten gegenüber Andersgläubigen und Andersdenkenden?

Unter der Leitung von Thomy Scherrer diskutieren im «Club»:

Ahmad Mansour, Islamismus-Experte, Psychologe, Programme Director bei der «European Foundation for Democracy», Brüssel
Mustafa Memeti, Imam von Bern, Präsident Albanisch Islamischer Verband Schweiz, Vertreter Haus der Religionen Bern
Samuel Behloul, Direktor Kommission «Migratio» der Schweizer Bischofskonferenz
Kurt Spillmann, emeritierter Professor für Sicherheitspolitik und Konfliktforschung
Walter Wobmann, Nationalrat SVP/SO, Co-Präsident des Initiativkomitees «Gegen den Bau von Minaretten»

Positionen

Ahmad Mansour: «Um die Radikalisierung einzelner Jugendlicher verhindern zu können, müssen wir in der Gesellschaft ein "Wir Gefühl" entwickeln. Dies ist nur über Reformen in der Schule und Sozialarbeit, mit Aufklärungskampagnen in den Moscheen, aber auch mit der strengeren Ueberwachung des Internets zu erreichen, das zu einem rechtsfreien Raum geworden ist. Eine Jahrhundertaufgabe!»

Mustafa Memeti: «Die Religion als solche - ob Islam oder Christentum - ist nicht wichtig. Im Vordergrund stehen immer die Bedürfnisse der Menschen: Ihre Zukunft, ihre Perspektiven und ihr Wohlstand.»

Samuel Behloul: «Die Angstschlinge vor dem IS Terror hat sich mit den Anschlägen in Paris noch enger zugezogen.»

Kurt Spillmann: «Die grässlichen Bilder aus Paris lösen Angst aus. Angst warnt uns vor einer Gefahr und will uns zu einer spontanen Reaktion veranlassen. Aber bevor wir emotional handeln, sollten wir die Folgen abwägen.»

Walter Wobmann: «Ich habe solche Ereignisse wie das von Paris schon vor vielen Jahren prophezeit. Dass es jetzt nur wenige Jahre ging, hat selbst mich überrascht. Ich hatte damit gerechnet, dass es viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte braucht, bis dieser Terror in Europa in dieser Form ankommt.»

Beiträge

  • Thomy Scherrer stellt die Gästerunde vor

    Politiker, Sicherheits- und Islamismus-Experten und Religionsvertreter suchen zusammen mit dem Moderator Thomy Scherrer nach Antworten im Zusammenhang mit den Paris-Attentaten.

  • Ahmad Mansour, Islamismus-Experte, Psychologe

    Als junger Palästinenser in Israel war Ahmad Mansour beinahe radikaler Islamist geworden. Heute zählt er zu den wichtigsten Islamismus-­Experten Deutschlands. Der Psychologe lebt seit zehn Jahren in Deutschland und beschäftigt sich mit Projekten und Initiativen, die Extremismus bekämpfen und Demokratie und Toleranz fördern. Er ist u.a. Familienberater bei Hayat, einer Beratungsstelle für Deradikalisierung.

  • Mustafa Memeti, Imam, Vertreter Haus der Religionen, Bern

    Der Imam ist auch als Seelsorger in den Strafanstalten Thorberg tätig, wo u.a. viele muslimische Häftlinge ihre Strafe verbüssen. Das Gefängnis könne auch ein Ort der Radikalisierung sein. - Er bekräftigt, dass die Willkommenskultur gegenüber den gegenwärtigen Flüchtlingen nicht über alles erhaben sei. Vielmehr müsse die Hilfe vor Ort ausgeweitet werden.

  • Samuel Behloul, Komm. «Migratio» der Schweiz. Bischofskonferenz

    «Migratio» befasst sich mit den seelsorgerischen, kulturellen und sozialen Belangen der in der Schweiz lebenden katholischen Migranten und ihrer Familien, sowie der Menschen unterwegs. Samuel Behloul warnt davor, dass die Menschen der westlichen Welt an ihren ursprünglichsten Werten zu zweifeln beginnen. Diese Werte müssten unbedingt gewahrt und geschützt werden.

  • Kurt Spillmann, Friedens- und Konfliktforscher

    Kurt Spillmann warnt davor, dass die westliche Welt zu unüberlegt auf die IS-Attacken reagiert. Nun müssten die verletzten Nationen einen kühlen Kopf bewahren. - Die Überbrückung der kulturellen Gräben zwischen der islamischen Kultur und der westlichen sei eine der grössten Herausforderungen der nächsten Zeit. Eine besonders grosse Kluft zeige sich im Bekennerschreiben der IS-Attentäter. Dort ist die Rede von einem Angriff auf die "ausgelassene, lüsterne Hauptstadt."

  • Walter Wobmann, Nationalrat SVP/SO

    Walter Wobmann sieht die westliche Welt durch die jüngsten Angriffe massiv und in einem ungewöhnlichen Ausmass bedroht. Diese Gefahren würde man sich auch durch die Willkommenskultur gegenüber den Flüchtlingen in die westlichen Länder holen. Hier müsse eine viel strengere Triage stattfinden.

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