Private Helfer, des Flüchtlings Glück?

  • Dienstag, 20. Juni 2017, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 20. Juni 2017, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 21. Juni 2017, 1:35 Uhr, SRF 1
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    • Samstag, 24. Juni 2017, 14:05 Uhr, SRF info

Viele Schweizerinnen und Schweizer engagieren sich freiwillig für Flüchtlinge. Hilfswerke sehen dies als essentiellen Beitrag zur erfolgreichen Integration. Aber was heisst es, sich privat zu engagieren? Was bringt es tatsächlich und wo stossen private Helfer und Helferinnen an ihre Grenzen?

Gerade nach den Terror-Attacken der letzten Wochen erstarkte auch der Ruf nach Integration: Nur wenn keine Parallelgesellschaften entstehen, würden kulturelle Grenzen überwunden, werde letztlich auch Terror im Keim erstickt, hiess es.

Eine bessere Integration dank der Hilfe Privater? Das Hilfswerk HEKS ruft mit seiner Sensibilisierungskampagne «Farbe bekennen» für mehr privates Engagement für Flüchtlinge auf. Beispiele für Hilfe zur Integration gibt es viele: Gastfamilien, die Asylbewerber bei sich zu Hause aufnehmen, Lehrmeister, die Flüchtlinge ausbilden, Freiwillige, die mit Flüchtlingen Sport treiben.

Doch nützt die Freiwilligenhilfe überhaupt den Flüchtlingen in der Schweiz? Werden Asylbewerber so besser integriert? Beruhigt es vielmehr unser schlechtes Gewissen? Oder sind die Flüchtlinge doch besser aufgehoben in den Händen von Profis in Asylbewerberunterkünften?

Karin Frei diskutiert im «Club» über Freiwilligenhilfe mit:

Ernst Schläpfer, Berufsschulrektor und Schwingerkönig 1980/1983
Rahel Dawit, Lehrling Fachfrau Gesundheit, aus Eritrea
Thomas Kessler, Integrationsexperte
Martina Bircher, Sozialvorsteherin Aarburg/SVP
Devika Hasler, Grafikerin, hat eritreischen Jungen aufgenommen
Barbara Rosslow, Nonprofit-Managerin, GGG-Kontaktstelle Gastfamilien BS

Positionen

Ernst Schläpfer: «Ich engagiere mich als freiwilliger Flüchtlingshelfer im Sport. Der Vorteil: alle befolgen dieselben Regeln. Alle haben dieselbe Ausgangslage. Im Sportverein schafft man Beziehungen. So findet Integration automatisch statt.»
Rahel Dawit: «Die Sprache ist nur ein Schlüssel zur Integration. Der andere ist das Zusammenleben und Arbeiten. Steht nur die Integration im Vordergrund geht es nicht so schnell, als wenn die Freundschaft im Vordergrund steht.»
Thomas Kessler: «Private Hilfe ist nichts für Gutmenschen und nichts für Xenophobe. Was es braucht ist eine solide Grundhaltung, die man auch durchsetzen kann nach dem Motto: Fördern und Fordern.»
Martina Bircher: «Wir müssen leider feststellen, dass Freiwilligenarbeit Behördenarbeit torpediert. Wir machen z.B. Auflagen, dass jemand einen Mutter-Kind-Deutschkurs besucht. Darauf hin erhalten wir Beschwerden in bestem Deutsch, verfasst von Freiwilligen, damit die Person den Kurs nicht besuchen muss.»
Devika Hasler: «Man muss Freiwilligenhilfe realistisch angehen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen könnten noch viel mehr Freiwillige helfen. Wichtig ist aber, dass man dafür keine Gegenleistung wie etwa Dankbarkeit erwartet. Das ist nicht immer einfach.»
Barbara Rosslow: «Private Hilfe kann sehr bereichernd und etwas vom besten für die Integration sein. Wichtig ist, dass auf beiden Seiten die Erwartungen und Bedürfnisse geklärt sind.»

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