Raus aus dem Hamsterrad!

  • Dienstag, 5. Januar 2016, 22:25 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 5. Januar 2016, 22:25 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 6. Januar 2016, 2:35 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 6. Januar 2016, 10:50 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 6. Januar 2016, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 7. Januar 2016, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 7. Januar 2016, 12:45 Uhr, SRF info
    • Freitag, 8. Januar 2016, 10:15 Uhr, SRF info
    • Samstag, 9. Januar 2016, 14:05 Uhr, SRF info

Permanent rennen viele Menschen im Hamsterrad und sind ferngesteuert, nicht mehr sich selbst. Andere wagen den Ausstieg, eine Umkehr, vielleicht auch einen geächteten Egotrip. Warum gelingt es den einen und warum bleiben andere im Hamsterrad gefangen?

Ein Hamster kann in einer einzigen Nacht bis zu 30'000 Umdrehungen in seinem Hamsterrad zurücklegen. Umgerechnet sind das unglaubliche 20 bis 30 Kilometer für den winzigen Nager. Wenn er seinem Bewegungsdrang genügend gefrönt hat, steigt er aus seinem Rad aus, frisst und ruht sich aus.

Genau dies nehmen sich viele Menschen zum Jahresbeginn vor. Doch viele fühlen sich gefangen in ihrem Hamsterrad. Sie haben das Gefühl, gar nicht aussteigen zu können. Grund sind vielleicht berufliche, finanzielle oder familiäre Verpflichtungen und Erwartungen. Es geschieht, weil die Umstände nun einmal so sind, weil sich alles schneller dreht und weil man auch immer schneller sein muss.

Der Antrieb ist unser eigener innerer Beschleuniger und unsere Existenzängste. Das Resultat sind Unzufriedenheit, ein fremdbestimmtes Leben, physische und psychische Erschöpfung, vielleicht ein Burnout. Manchmal vielleicht auch ein Verbleib in der vermeintlichen Komfortzone.

Warum schaffen wir uns diese Hamsterräder? Wie steigt man aus einem Hamsterrad?
Unter der Leitung von Thomy Scherrer diskutieren im «Club» die Hamsterradkenner und -aussteiger:

Christoph Trummer, Armutsphilosoph, Eremit im Berner Oberland, Gelegenheitsarbeiter
Fridolin Schwitter, ehem. Wirtschaftsförderer Kanton Luzern, ehem. Kapuzinermönch auf Zeit, ab 2016 «frater familiaris» im geschlossenen Frauenkloster Notkersegg St. Gallen
Mathias Binswanger, Glücksforscher, Prof. für Volkswirtschaftslehre und Finance, Fachhochschule Nordwestschweiz
Katharina Prelicz-Huber, Präsidentin Verband des Personals Oeffentlicher Dienste VPOD, alt Nationalrätin Grüne, ehemalige Sozialberaterin bei ABB
Käthi Kaufmann-Eggler, Präsidentin IG Familie 3plus, Mutter von 5 Kindern
Dieter Kissling, Arbeitsmediziner

Positionen

Christoph Trummer: «Es ist, als hätten wir im Streben nach Komfort und Wohlstand den Mount Everest erreicht. Doch hier ist die Luft dünn, da gibt es kein Leben.»

Fridolin Schwitter: «Wir pflegen die Rhetorik von Risiko und Eigeninitiative. Zugleich bauen wir täglich am goldenen Käfig: Totalbetreuung, Rundumabsicherung, Abwendung des Unvorhersehbaren. Wovor fürchten wir uns?»

Mathias Binswanger: « Das Rennen im Hamsterrädern oder in Tretmühlen ist zu einem kulturellen Imperativ geworden. Sie werden überall für uns aufgestellt, ohne dass wir es merken.»

Katharina Prelicz-Huber: «Das Hamsterrad kann auch an die Kinder weitervererbt werden. Gerade aus diesem Grund muss man sich nicht nur um junge Menschen, sondern auch um ihre Eltern kümmern und ihnen z.B. eine Aus- oder Weiterbildung ermöglichen. Sonst besteht die Gefahr einer verlorenen Generation.»

Käthi Kaufmann-Eggler: «Zahlreiche heutige junge Eltern leiden am Hamsterrad, weil sie von ihren eigenen Eltern viele positive Seiten im einfachen Alltag gar nicht erst gezeigt bekamen. Alles war käuflich, die Erziehung nicht mehr klar umschrieben: Soll's denn nun noch autoritär sein, oder lieber gar nicht oder sozialintegrativ oder wie auch immer. Die traditionellen Werte wurden in Frage gestellt und ganz abgeschafft. Alles ist zu haben. Jetzt grad: Spielsachen, Unterhaltung, Anerkennung für kleinsten Einsatz.»

Dieter Kissling: «Menschen mit hohem Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl, die extrem leistungsbereit sind, geraten besonders häufig ins Hamsterrad. Viele sind durch materielle Verpflichtungen belastet, sei es durch Hypotheken oder durch goldene Fesseln wegen hohem Verdienst.»

Beiträge

  • Thomy Scherrer stellt die Gästerunde vor

    Warum schaffen wir uns diese Hamsterräder? Wie steigt man aus einem Hamsterrad? Unter der Leitung von Thomy Scherrer diskutieren im «Club» die Hamsterradkenner und -aussteiger:

  • Christoph Trummer, Armutsphilosoph, Eremit im Berner Oberland

    Der Eremit Christoph Trummer hat sich in seinem Leben gar nie in ein Hamsterrad begeben. Er lebt von Gelegenheitsarbeiten und widersetzt sich allen gegenwärtigen Gelüsten nach Luxus und Geld. Sein Wohlstand ist das selbstbestimmte und abgeschiedene Leben.

  • Fridolin Schwitter, ehem. Kapuzinermönch auf Zeit

    Nach einer Karriere als Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater wünschte sich der Ökonom eine berufliche und persönliche Veränderung. 2009 hängte er seinen Job als Wirtschaftsförderer der Stadt Luzern an den Nagel, gab das berufliche und gesellschaftliche Lebensumfeld auf und trat dem Orden der Schweizer Kapuziner bei. Als «Bruder auf Zeit» lebte Schwitter unter anderem in den Kapuzinerklöstern Rapperswil und Brig. Den Vorwurf, egoistisch für das eigene Seelenheil gehandelt zu haben, musste er sich teilweise gefallen lassen:

  • Mathias Binswanger, Glücksforscher

    Der Glücksforscher sagt, die heute propagierte Modell der Doppelverdienerfamilie sei glücksmässig kein Erfolgsmodell, auch wenn einem das oft so vorgegaukelt werde. Sie funktioniere meist nur mit Kinderkrippe, was zu einem knallhart durchorganisierten, stressigen Alltag führe, der nicht besonders lustig sei. Viele weitere Hamsterräder würden wir uns unbewusst schaffen:

  • Katharina Prelicz-Huber, Präsid. VPOD

    Die ehemalige Firmen-Sozialberaterin plädiert für verantwortungsbewusstere Unternehmen. Mit guten Arbeitsbedingungen könne man verhindern, dass die Arbeitnehmer in ein Hamsterrad geraten. Viele würden so wenig verdienen, dass sie mehrere Jobs am Tag bewältigen müssen, ein schier hoffnungsloses Hamsterrad. Gerechtere Löhne, die ein Auskommen sichern, wären die Lösung:

  • Käthi Kaufmann-Eggler, Präsidentin IG Familie 3plus

    Menschen mit fehlender Werthaltung und Perspektive würden am häufigsten in ein Hamsterrad geraten. Käthi Kaufmann vermisst die Solidarität in den Familien; etwas, was in grösseren Familien noch gelernt würde. Doch auch sie kennt als Mutter von fünf Kindern das Hamsterrad. Die IG Familie 3plus hilft mit ganz unterschiedlichen Massnahmen, grosse Familien zu entlasten:

  • Dieter Kissling, Arbeitsmediziner

    Ständige Höchstleistungen durch gute Leistungen zu ersetzen könne ein Hamsterrad verhindern. Viele Menschen würden zudem gar nicht bemerken, dass sie sich in einem chronischen Stress-Zustand befinden. Typische Symptome: Verhaltens-Veränderungen (gereizt, aggressiv, emotional, erschöpft, Schlafstörung). Auslöser für Hamsterräder seien die ständig zu hohen Erwartungen an sich selber:

  • Das Refugium des Eremiten Christoph Trummer

    Der Armutsphilosoph lebt seit über 25 Jahren im Sommer in einer selbst erbauten Hütte an einem Flussbett in der Nähe von Frutigen im Berner Oberland:

  • Das Klosterleben des ehemaligen Kapuziners Fridolin Schwitter

    Besonders engagiert hat sich Schwitter in Luzern, wo er als Leiter der Spendenkampagne Geld für die Neuausrichtung des Klosters sammelte. Im Dezember 2015 streifte Fridolin Schwitter seine Kutte ab.

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