Service public: Auslaufmodell?

  • Dienstag, 28. Oktober 2014, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 28. Oktober 2014, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 29. Oktober 2014, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 29. Oktober 2014, 11:00 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 30. Oktober 2014, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 30. Oktober 2014, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 1. November 2014, 14:05 Uhr, SRF info

Über eine Milliarde Franken bezahlen Schweizer Haushalte für Radio und Fernsehen. Künftig soll jeder die Billag-Gebühr entrichten, egal ob er diese Medien nutzt oder nicht. Der Widerstand lässt nicht auf sich warten. Diskussionen um Geld und Inhalt des «Service public» sind einmal mehr entbrannt.

Die einen wollen die SRG am liebsten ganz abschaffen. Andere kämpfen für ihren Schutz. Sie fürchten um die Qualität der Medien und den Zusammenhalt der Schweiz.
Der Auftrag der SRG ist klar: Sie muss informieren und die Bedürfnisse von Minoritäten und Randregionen abdecken. Die Bundesverfassung präzisiert: «Radio und Fernsehen tragen zur Bildung und kulturellen Entfaltung, zur freien Meinungsbildung und zur Unterhaltung bei.» Wie weit soll dieser Auftrag gehen?

Gehören Unterhaltungssendungen wie «Glanz & Gloria» und «Musikantenstadl» zum öffentlichen Auftrag? Im Internet holt sich jeder Nutzer sowieso kostenlos was er braucht – ist «Service public» noch zeitgemäss?
Für viele Gegner sind Billag-Gebühren falsch investiertes Geld und die geschützte Monopolstellung der SRG ein «alter Hut». Der Wettbewerb solle endlich spielen und Inhalte vor allem durch Werbung finanziert sein.

Eine «Club»-Diskussion über Medienqualität und gesellschaftliche Relevanz unter der Leitung von Karin Frei mit:

Martin Candinas, Nationalrat CVP/GR
Nick Lüthi, Redaktor Medienwoche
Urs Meister, Projektleiter Avenir Suisse
Karin Müller, Chefredaktorin Tele Basel (ab 1. November)
Claudio Zanetti, Kantonsrat SVP/ZH, Verein «No Billag»
Roger de Weck, Generaldirektor SRG

Positionen der Gäste

Martin Candinas: Verliert die SRG die Gebühreneinnahmen oder werden diese minimiert, dann bekommt die Schweiz eine eintönige, eingekaufte Medienlandschaft, wo das typisch Schweizerische fast ganz verloren geht. Nur mit Hilfe der Gebührengelder können wir uns die schweizerische Identität bewahren und auch Minoritäten zu Wort kommen lassen.

Nick Lüthi: «Service public» ist so lange kein Auslaufmodell, wie er von Bevölkerung und Politik gewollt ist und finanziell getragen wird. Diesen Rückhalt geniesst das schweizerische Modell weiterhin sehr stark. Darum ist der Service public ein Zukunftsmodell.

Urs Meister: Entwicklungen revolutionieren derzeit die Medienlandschaft. Medien werden immer stärker über das Internet konsumiert. Die Medienhäuser müssen ihre Geschäftsmodelle danach ausrichten. Bisher getrennte Mediengattungen treffen sich daher neu im Internet, wo der Wettbewerb immer schärfer wird. Dies macht auch neue Regeln für den gebührenfinanzierten «Service public» der SRG nötig. Etwa, dass sie ihre Inhalte nicht mehr selber vertreibt, sondern privaten Plattformen zur Verfügung stellt.

Karin Müller: Vor dem Hintergrund des enormen Umbruchs der digitalen Medien sind sichere Quellen und Qualitätsjournalismus unabdingbar. Und das kann nur durch öffentliche Gelder - sprich Gebühren - gewährleistet werden. Die SRG soll vor allem ein eigenständiges Programm machen, nicht auf die Privaten schielen und Mainstream eher meiden.

Roger De Weck: Kommerzielles Fernsehen ist fast immer Boulevard-Fernsehen. Denn Boulevard ist ein ökonomisches Prinzip: Wer mit minimalem Aufwand die maximale Zuschauerzahl erreichen will, der macht Boulevard. Ganz anders das «Service public-Prinzip»: «Der Service public» bringt nicht nur das Interessante, das beim breiten Publikum "zieht", sondern auch das Relevante, das journalistisch attraktiv aufbereitet und dadurch interessant wird

Claudio Zanetti: Die SRG schafft es auch mit Gebührengeldern nicht, ein informatives und ausgewogenes Programm anzubieten. Zudem sind es viel zu viele Vektoren. Gezielte Information aus dem Internet bietet mir mehr.

Beiträge

  • Karin Frei mit Gesprächsgästen

    So setzt sich die Runde zusammen

  • Claudio Zanetti

    Dem Zürcher SVP-Kantonsrat fehlt die Ausgewogenheit in den SRF-Programmen

  • Roger de Weck

    Gehört Jassen im Puff zum Service public?

  • Karin Müller

    Für die Erklärung komplexer Zusammenhänge braucht es eine SRG

  • Nick Lüthi

    Ideal wäre eine SRG ohne Werbung

  • Martin Candinas

    Unterhaltung vermittelt auch Wissen

  • Urs Meister

    So wie die SRG heute ist, könnte es sie in Zukunft nicht mehr geben