Übergriffe von Köln - Zündstoff der Kulturen

  • Dienstag, 12. Januar 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 12. Januar 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 13. Januar 2016, 2:45 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 13. Januar 2016, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 13. Januar 2016, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 14. Januar 2016, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 14. Januar 2016, 12:45 Uhr, SRF info
    • Freitag, 15. Januar 2016, 10:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 16. Januar 2016, 14:05 Uhr, SRF info

Begrabscht, genötigt und vergewaltigt – dabei auch noch bestohlen. Über hundert Frauen wurden in Köln Opfer der Übergriffe von Männern «vorwiegend nordafrikanischer Herkunft». Die Tat erschüttert die Koexistenz der Kulturen. Sie heizt die Kontroverse über Islam, Frauenbild und westliche Werte an.

Die Exzesse in der Silvesternacht in Köln sind noch nicht geklärt. Männerbanden haben Frauen sexuell bedrängt und bestohlen. Über 500 Anzeigen sind bei der Polizei eingegangen, in 40% ermitteln die Kriminalbeamten wegen Sexualstraftaten. Ähnliches habe sich in anderen deutschen Städten und auch in Zürich abgespielt. Ob Diebstahl oder sexueller Hunger die Motive waren, bleibt vorläufig offen. Die Opfer sind ohnehin traumatisiert. Der Konflikt birgt auch kulturellen Zündstoff.

Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist gross, besonders weil es sich um Männer «vorwiegend nordafrikanischer und arabischer Herkunft» gehandelt haben soll. Die aufgeheizte Stimmung wegen der Flüchtlingsströme wird dadurch zusätzlich belastet. Die bohrende Frage, ob der Islam mit den Werten der freien Gesellschaft vereinbar sei, erhält erneut Auftrieb. Besonders die Ungleichheit von Mann und Frau, aber auch die Geringschätzung der westlichen Freiheitsideale, bieten Konfliktstoff. Für das friedliche Nebeneinander verschiedener Kulturen setzen sich zwar engagierte Vertreter beider Seiten ein. Besonders in den sozialen Medien verschaffen sich jedoch immer mehr diejenigen Luft, die in den Kölner Exzessen die Bestätigung all ihrer Ängste und Vorurteile zu finden meinen. Zwischen den Lagern positioniert sich der forensische Experte, der aus seiner täglichen Beschäftigung mit Sexualtätern keinen Zusammenhang zu ihrem kulturellen Hintergrund finden kann und deshalb zur Besonnenheit mahnt.

Im «Club» diskutieren Experten mit unterschiedlichen Positionen den vielschichtigen Konflikt zwischen den Übergriffen in Köln und dem Zusammenleben der Kulturen.

Unter der Leitung von Norbert Bischofberger diskutieren:

Ashti Amir, ehem. syrischer Flüchtling, Betreuer von Asylsuchenden
Michèle Binswanger, Journalistin Tages-Anzeiger
Jérôme Endrass, Forensischer Psychologe, Amt für Justizvollzug Zürich
Amira Hafner-Al Jabaji, Islamwissenschaftlerin
Saïda Keller-Messahli, Forum für einen fortschrittlichen Islam

Positionen

Ashti Amir: «Integration sollte für Flüchtlinge aus Krisengebieten vom ersten Tag an stattfinden. Dazu gehören Werte wie Gleichberechtigung und die Selbstbestimmung der Frau. Werte, für die wir auch in Syrien gekämpft haben. Übergriffe wie jene in Köln dürfen - genauso wenig wie andere Übergriffe an anderen Orten - nicht toleriert werden und müssen geahndet werden.»

Michèle Binswanger: «Die sexuellen Übergriffe von Köln sind ein Angriff auf Freiheit und Würde der Frau - zentrale Errungenschaften der westlichen Zivilisation. Wer hier lebt, hat Frauen und ihre Rechte zu respektieren. Das ist nicht verhandelbar.»

Jérôme Endrass: «Schwere Sexualstraftaten, die sich gegen dem Täter unbekannte Frauen richten, sind in der Regel auf Auffälligkeiten in der Persönlichkeit des Täters zurückzuführen. Wenn Täter ihre Herkunft als «Entschuldigung» angeben, dann tun sie dies, um sich aus der Verantwortung zu stehlen.»

Amira Hafner-Al Jabaji: «In weiten Teilen der islamischen Welt herrscht eine machoide Kultur. Aber: Man würde vielen Muslimen Unrecht tun, wenn man alle in einen Topf wirft und das Fehlverhalten auf den Islam an sich zurückführt.»

Saïda Keller-Messahli: «Wir haben ein Problem im islamischen Milieu. Viele Männer denken, es reicht, Mann zu sein, um über Frauen verfügen zu können. Jetzt müssen wir darüber sprechen.»

Beiträge

  • Norbert Bischofberger stellt die Gäste vor

    Was bedeuten die Übergriffe von Köln für unser Zuammenleben mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis, mit anderen Wertvorstellungen und einem anderen Frauenbild. Ein Club unter der Leitung von Norbert Bischofberger.

  • Amira Hafner-Al Jabaji, Islamwissenschaftlerin

    Der Islamwissenschaftlerin ist es wichtig zu klären, von welchem Islambild man in der aktuellen Diskussion ausgeht. Die Taten von Köln seien keinesfalls mit den Normen des Islams vereinbar.

  • Ashti Amir, Betreuer von Asylsuchenden

    Ashti Amir kennt die arabische Kultur und deren Frauenbild einerseits aus seinem ehemaligen Leben in Syrien, andererseit von den Flüchtlingen, die er momentan betreut. Er erklärt, was es für Männer aus muslimischen Kulturkreisen in Bezug auf Frauenbeziehungen bedeuten kann, plötzlich im Westen zu sein.

  • Michèle Binswanger, Journalistin Tages-Anzeiger

    Die Journalistin beobachtet, wie sich der Islam in den letzten Jahren radikalisiert hat und sich patriarchale Strukturen gefestigt haben. Für Michèle Binswanger besteht ein Zusammenhang der Übergriffe in Köln mit dem Islam.

  • Jérôme Endrass, Forensischer Psychologe

    Der Forensische Psychologe sieht im Amt für Justizvollzug Zürich viele Sexualstraftäter. Bei den schweren Sexualstraftaten spielen Kultur und Religion eine untergeordnete Rolle, erklärt er.

  • Saïda Keller-Messahli, Forum für einen fortschrittlichen Islam

    Die Islamexpertin sieht einen Zusammenhang der sexuellen Übergriffe von Köln mit einem islamisch geprägten Milieu. In diesen Gesellschaften werde ein harter Machismus vermittelt.

Mehr zum Thema