Würmer und Käfer - bald unser täglich Brot

  • Dienstag, 25. April 2017, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 25. April 2017, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 26. April 2017, 1:40 Uhr, SRF 1
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    • Samstag, 29. April 2017, 14:05 Uhr, SRF info

Neu dürfen in der Schweiz Insekten gegessen und genossen werden. Grossverteiler nehmen sie ins Sortiment auf. Ein Trend für Food-Freaks? Ein Albtraum für Gourmets? Oder sowieso bald unser täglich Brot und Fleisch von morgen, weil Insekten billiger und nachhaltig sind? Und wohin mit unserem Ekel?

«Dschungel-Camp» mit Insekten auf dem Teller war gestern. Ab dem 1. Mai liegen Mehlwurmburger und –Hackbällchen neben Fischstäbchen und Crevetten im Tiefkühlfach der Lebensmittelabteilungen. Zugelassen sind drei Insektenarten: Mehlwürmer, Grillen und Wanderheuschrecken.

Für die Befürworter sind die Insekten umweltfreundliche Proteinlieferanten, die wenig Platz benötigen, die Umwelt nachhaltig schonen, weil sie mit Abfällen gefüttert werden und die stetig wachsende Weltbevölkerung ernähren könnten. Für über zwei Milliarden Menschen gehören Insekten bereits heute ganz selbstverständlich zum Speiseplan.

Fast kein Geschmack, gegen unsere Ernährungstraditionen, Konkurrenz für die Fleischindustrie und ein Fall für den Tierschutz: so der Tenor auf der Gegnerseite.

Was spricht für, was gegen das Insektenessen? Wird der neue «Super-Food» auch bei uns Anklang finden?

Unter der Leitung von Urs Gredig diskutieren im «Club»:

Andrea Staudacher, Food-Designerin «Andrea's Future Food Lab»
Lauren Wildbolz, Veganerin «Vegan Kitchen»
Sara Wehrli, Schweizer Tierschutz, Fachstelle Wildtiere
Rudolf Trefzer, Kulturhistoriker, Experte für Ess- und Trinkkultur
Daniel Ambühl, Insektenfood-Pionier, Insektenzüchter, Insekten-Kochbuch-Autor
Alexander Mathys, Professor für nachhaltige Lebensmittelverarbeitung ETH Zürich

Positionen:

Andrea Staudacher: «Unser Speiseplan ist nicht in Stein gemeisselt – Insekten Essen ist eine Kopfsache.»

Lauren Wildbolz: «Insekten zu essen ist für mich weniger schlimm als Fleisch, aber dennoch muss man zuerst alle pflanzlichen Proteinquellen ausschöpfen, bevor man dazu greift.»

Sara Wehrli: «Noch sind die Bedürfnisse und das Empfinden von wirbellosen Tieren zu wenig untersucht. Auch wenn Insekten-Essen aus ökologischer Sicht Sinn macht, muss das Thema auch aus Tierschutz-Sicht näher angeschaut werden.»

Rudolf Trefzer: «Ernährungstechnisch finde ich die Idee, Insekten zu essen, interessant. Aber kulinarisch sehe ich keinen grossen Mehrwert.»

Daniel Ambühl: «Insekten zu essen macht Sinn bezüglich Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Sicherung der Welternährung.»

Alexander Mathys: «Insekten als alternative Quelle für Proteine, Fette und Mikronährstoffe können zu einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion weltweit beitragen.»

Beiträge

  • Urs Gredig stellt die Gästerunde vor:

    Gegner und Befürworter diskutieren das Insektenessen.

  • «Ich will keine neue Massentierhaltung.»

    Lauren Wildbolz, Veganerin «Vegan Kitchen», sieht in der Insektenzucht keine passende Alternative zur heutigen Nutztierzucht. Sie hofft auf Nahrungsmittel, die gänzlich ohne Tierisches auskommen.

  • «Insekten leben auch in der Natur in Schwärmen.»

    Andrea Staudacher, Food-Designerin «Andrea's Future Food Lab», sagt, dass die von Lauren Wildbolz progagierte Produktion von künstlichem Fleisch auch nicht ohne Tierleid auskommen würde. Die Insektenzucht und -haltung sei zudem nicht vergleichbar mit der Haltung unserer herkömmlichen Nutztiere.

  • «Insekten sollten auch unter Tierschutz stehen.»

    Sara Wehrli, Schweizer Tierschutz, Fachstelle Wildtiere, bemängelt, dass Insekten noch nicht durch das Tierschutzgesetz geschützt sind. Aus ihrer Sicht eine unverständliche, durch Menschen gemachte Unterscheidung.

  • «Insektenessen hat keine Tradition bei uns.»

    Rudolf Trefzer, Kulturhistoriker, Experte für Ess- und Trinkkultur, zweifelt daran, dass Insekten sich in unserem Kulturkreis als Nahrung etablieren werden. Insekten stünden zudem ethisch gesehen auf einer anderen Stufe, sodass man die Haltung nicht eins zu eins mit der Haltung unserer gängigen Nutztiere vergleichen könne.

  • «Insekten sind bei uns kulturell stigmatisiert.»

    Daniel Ambühl, Insektenfood-Pionier, Insektenzüchter und Insekten-Kochbuch-Autor, rechnet fest damit, dass sich die Insekten auch im europäischen Kulturkreis etablieren. Sie seien die einzig richtige Antwort auf eine wachsende Weltbevölkerung und deren nachhaltige Ernährung.

  • «Wir müssten Insekten mit Abfällen füttern können.»

    Alexander Mathys, Professor für nachhaltige Lebensmittelverarbeitung ETH Zürich, erwartet eine x-fach höhere Nachhaltigkeit, wenn man die Insekten mit Abfällen füttern könnte. Solange die Insekten mit Nahrungsmitteln für Menschen gefüttert würden, halte sich der nachhaltige Effekt in Grenzen.

  • Einblick in «Andrea's Future Food Lab»:

  • Einblick in die Insektenzucht von Daniel Ambühl:

  • Andere Länder, andere (Insekten-) Sitten:

  • Degustation von Insektenprodukten:

  • Daniel Ambühl's alternativer Insektenfood:

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