• Die Route der Erstbesteiger

      Start in Zermatt

      1 Start in Zermatt

      Zermatt: Im Hotel Monte Rosa treffen sich die britischen Pioniere des Alpine Club.
      Alp Giomein ob Breuil (heute Cervinia).

      Vor 150 Jahren im Juli 1865 machen sich sieben Männer – zwei Schweizer, ein Franzose und vier Briten – auf den Weg zum Gipfel des Matterhorns. Einzigartig in seiner Schönheit galt der Berg bis dahin als unbezwingbar. Die Sieben wählen die Route von Zermatt über den Hörnligrat. Sie rivalisieren mit einem italienischen Team, das von Breuil aus versucht, den Gipfel des Monte Cervino – der Gran Becca, wie die Einheimischen sagen – als Erste zu erklimmen. Ein Wettrennen bahnt sich an.

      Nachtlager

      2 Nachtlager

      Die Sieben schlagen das Zeltlager oberhalb der heutigen Hörnlihütte auf, in einer Höhe von 3380 Metern.

      « Wir brachen am Donnerstag um 5.35 Uhr morgens auf, und das nicht in der Absicht, an diesem Tag eine grosse Höhe zu erreichen, sondern anzuhalten, wenn wir eine günstige Stelle für das Aufrichten des Zeltes finden würden. (…) Um 11.50 Uhr fanden wir eine annehmbare Stelle für das Zelt und hielten dort an – auf einer Höhe von 11‘000 englischen Fuss. Croz und Taugwalders Ältesten sandten wir zum Auskundschaften weiter hinauf – in der Absicht, am Morgen, beim Weitersteigen, Zeit sparen zu können. (…) Gut gelaunt begaben wir uns in unsere Wolldecken – Lord F. Douglas, ich und die Taugwalder im Zelt, die anderen draussen. Aber der Schlaf, dessen wir uns sonst erfreut hätten, wurde durch das Schnarchen der Taugwalder vertrieben. »

      Edward Whymper, aus einem Brief, den er am 26. Juli 1865 an Edmund von Fellenberg (Mitglied der Sektion Bern des Schweizerischen Alpenclubs) gesandt hatte.

       

      Spielszene aus dem Film «Tatort Matterhorn».
      Die Matterhorn-Erstbesteiger

      3 Die Matterhorn-Erstbesteiger

      Peter Taugwalder, Vater (Zermatt, 1820-1888). Damals einer der besten Bergführer der Schweiz. Er glaubte als einer der wenigen Zermatter an eine Besteigung des Matterhorns.

      Peter Taugwalder, Sohn (Zermatt, 1843-1923). Vater Taugwalders ältester Sohn ist bei der Erstbesteigung 22 Jahre alt. Er wird später ein gefragter Matterhornführer («Matterhorn-Peter»). Rund 120-mal besteigt er das Horn.

      Edward Whymper (London, 1840-1911). Der erfolgreichste Alpinist des 19. Jahrhunderts war die treibende Kraft hinter der Erstbesteigung des Matterhorns. Sein Buch «Scrambles Amongst the Alps», in welchem er seine alpinistischen Heldentaten schildert, wird zum Weltbestseller.

      Michel Croz (Chamonix, 1830-1865). 35 Jahre alt, ist vermutlich der beste Bergführer seiner Zeit, in Eis und Fels gleichsam versiert.

      Reverent Charles Hudson (Skillington, 1828-1865). Mit 37 Jahren ist er der älteste der vier Touristen. Der Frauenschwarm ist der prominenteste Bergsteiger Britanniens. Mit der Erstbesteigung der Dufourspitze, dem höchsten Berg der Schweiz, leitet er das so genannte «Golden Age» des Alpinismus ein.

      Lord Francis Douglas (Schottland, 1847-1865). Der jüngste der sieben Erstbesteiger ist damals erst 18 Jahre alt. Der junge Aristokrat stammt aus einer der ältesten und angesehensten Familien Schottlands, und er ist verwandt mit Queen Victoria.

      Douglas Hadow (London, 1846-1865). Ein hervorragender Sportler, er ist bei der Erstbesteigung 19 Jahre alt. Er war Hudsons Schützling, der Anfänger im Team und gemäss dem Walliser Untersuchungsgericht der Verursacher der Tragödie.

      Mehr zum Thema: Die Protagonisten

      Das Anseilen

      4 Das Anseilen

      Aus dem Museum in Zermatt. Die drei Seile, die bei der Erstbesteigung zum Einsatz kamen, stammen alle von Edward Whymper.

      Seil A: 200 Fuss (ca. 60 Meter) des neuen Manilaseiles des Alpine Club (heute British Alpine Club).

      Seil B: 140 Fuss (ca. 45 Meter) eines ähnlichen noch etwas stärkeren Seiles.

      Seil C: 200 Fuss (ca. 60 Meter) eines dünneren, älteren Reserveseiles.

      Die drei Seile spielen bei der Aufklärung der Tragödie die entscheidende Rolle.

      Mehr zum Thema: Die Seilfrage

      Der Gipfel

      5 Der Gipfel

      Whymper und Croz erreichen den Gipfel um 13.40 Uhr, die anderen folgen zehn Minuten später. Der einstündige Gipfelaufenthalt zerrinnt viel zu rasch: «One crowded hour of glorious life». Sowohl in Zermatt als auch in Breuil entkorken die Hotelbesitzer den Champagner, im Glauben das eigene Team habe das Rennen gemacht.

      Whympers Darstellung zeigt ihn und Croz in heldenhafter Pose auf dem Gipfel.
      Whympers Vision beim Abstieg vom Berg.
      Darstellung des Triumphs vom französischen Maler Gustave Doré.
      Tatort

      6 Tatort

      Es gibt zahlreiche Darstellungen des Unglücks.

      «Das Unglück am Matterhorn.», Holzstich nach Zeichnung von E. Heyn und F. Specht. Aus «Die Schweizerische Alpenwelt», von August Feierabend, Bielefeld und Leipzig 1873
      Die Absturzstelle am Matterhorn. Nach einer Fotografie gezeichnet von Johann Rummelspacher. Aus «Das Matterhorn und seine Geschichte», Theodor Wundt, Berlin 1896.
      Aus «Das Matterhorn im Bild», Anton Gattlen, Laura und Giorgio Alipradni, Rotten Verlag 1979.
      Unglück bei Besteigung des Matterhorn. Aus «Leipziger Illustrierte» von 26.10.1865
      Ölgemälde des französischen Malers Gustav Doré «La catastrophe du Cervin».
      Fundort der Leichen

      7 Fundort der Leichen

      Nur ein schmaler Grat trennt Triumph und Tragödie am Matterhorn. In seinen Flanken liessen bis heute an die 600 Alpinisten ihr Leben – so viele wie an keinem anderen Berg. Der Zermatter Harry Lauber sammelt am Fusse der Nordwand ein, was das Eis nach Jahrzehnten wieder frei gibt. Neben Ausrüstungsgegenständen sind das auch menschliche Überreste. Nach einer DNA-Analyse der Polizei will Lauber diese in einem gemeinsamen Grab für unbekannte Bergsteiger beerdigen.

      Harry Lauber am Fusse der Nordwand – Ausschnitt aus dem Film «Tatort Matterhorn».
      Matterhorn-1

Doku-Drama am Matterhorn

Mythos Berg