Das System Armstrong

Es ist vermutlich der grösste Sportbetrug der Geschichte: Sieben Jahre lang dominierte der Profi Lance Armstrong die Tour de France. Und Jahr für Jahr beteuerte er, er sei nicht gedopt. Alles gelogen, wie man heute weiss. Der Film zeigt, wie Lance Armstrong über die Schweiz sein Doping organisierte.

Ein Film von Hansjürg Zumstein und Antonio Ferretti

Hoch über dem Neuenburgersee liegt die Ortschaft Hauterive. Im April 2011 um sechs Uhr morgens fand dort in einem Privathaus eine Hausdurchsuchung statt – die beschlagnahmten Dokumente waren zentral für die Entlarvung von Lance Armstrong. Sie zeigen, dass der amerikanische Radprofi über eine Million Dollar an eine Firma in Hauterive überwies – zugunsten eines umstrittenen Arztes. Sein Name: Michele Ferrari.

Armstrong und die Schweizer Firma «Health and Performance»

Zuvor hatte Armstrong noch versucht, seine Kontakte zum Dopingarzt Michele Ferrari zu verharmlosen. Unter Eid sagte Armstrong aus, er habe den Arzt nur wenige Male getroffen. Eine Lüge, wie die beschlagnahmten Bankunterlagen zeigen: Regelmässig zahlte Armstrong Honorare an Ferraris Schweizer Firma «Health and Performance».

Die beiden Journalisten Antonio Ferretti und Hansjürg Zumstein dokumentieren, wie Armstrong sich regelmässig in St. Moritz mit Michele Ferrari traf. Und sie zeigen, dass sich bereits früh die Verdachtsmomente gegen Armstrong häuften. Doch viele Sportfunktionäre schauten weg: Lance Armstrong war ein Wirtschaftsfaktor, seine Präsenz an der Tour de France bewirkte, dass plötzlich nicht nur ein europäisches Publikum den Radsport verfolgte, sondern auch ein amerikanisches. Der Radsport boomte – dank Armstrong.

Armstrong warb unverfroren für sauberen Sport

Pikanterweise, so zeigt der Film, gab sich Armstrong gegenüber Sponsoren als Garant für dopingfreien Sport aus. Er warb unverfroren für sauberen Sport; finanzierte sogar Geräte für die Entlarvung von Dopingsündern und überzog Personen, die an seinen Aussagen zweifelten, mit Strafklagen. Der Film zeigt, wie Armstrong schliesslich über seine eigene Skrupellosigkeit stolperte: Ein Profifahrer, der für eine Schweizer Renngruppe fuhr, brach die sogenannte Omerta unter den Rennfahrern und verriet, wie, wann und wo Armstrong sich dopte.