Kuckuckskinder – Wenn alles ans Licht kommt

«Wer bin ich und woher komme ich». Diese Frage stellen sich viele irgendwann einmal im Leben. Eine einfache Antwort darauf gibt es selten.

Ein Film von Andrea Pfalzgraf

Richtig schwierig wird es, wenn man nicht einmal weiss, ob der soziale Vater, also derjenige, mit dem man als Kind am Frühstückstisch sitzt, auch der biologische Vater ist.

«Kuckuckskinder» nennt man Kinder von Frauen, die ihrem Mann ein Kind von einem anderen unterjubeln. Der ahnungslose Mann zieht ein Kind auf, welches die Gene eines anderen trägt. Das kommt häufiger vor als man denkt. Es ist ein Geheimnis, welches die Mutter in der Regel für sich behält.

In jeder Schulklasse ein Kuckuckskind

In der Schweiz geht man davon aus, dass in jeder Schulklasse ein Kuckuckskind sitzt. Darüber reden will verständlicherweise kaum jemand. Aber das Schweigen kann fatale Folgen haben. Für die Väter und die Kinder.

A.S. ist ein Kuckuckskind. Vor 50 Jahren hatte ihre Mutter ein Verhältnis mit einem Freund der Familie, einem Priester. Als sie von diesem schwanger wurde, taten alle so, als sei es ein weiteres Kind ihres Ehemannes. Das Kind fühlte sich von Anfang an am falschen Ort in der Familie. Ein Gentest brachte es an den Tag. «Ich hätte mir gewünscht, dass es anders wäre. Gleichzeitig bin ich wahnsinnig erleichtert, endlich zu wissen, wo ich herkomme».

Das Schweigen der Mütter hat auch fatale Folgen für die Väter

«Ich habe eigentlich zwei Väter, aber gemacht hat mich eher der Thomas» sagt die siebenjährige Elina. Sie ist auch ein Kuckuckskind, kennt aber ihren leiblichen Vater und findet das normal. Ganz anders Martin B. Er ist überzeugt, der biologische Vater einer Tochter zu sein. Da die Mutter aber mit einem anderen Mann verheiratet ist, hat er rechtlich keine Chance, das herauszufinden. Aber er hat Glück, das Gericht hat jetzt einen Gentest veranlasst. Er wartet auf das erlösende Resultat.

Im «DOK»-Film schildern Kuckuckskinder, ein Scheinvater, ein biologischer Vater und eine Mutter ihre Situation. Ein erstaunlich offenes Dokument über eines der letzten Tabus.

«Der Club», Dienstag, 17. September 2013, 22:20 Uhr, SRF 1

Kuckuckskind – zerstörtes Glück?
Schätzungsweise jedes 20. Kind ist ein Kuckuckskind. Kommt die Wahrheit ans Licht, ist das Chaos perfekt: Kinder auf Wurzelsuche, Mütter mit Gewissensbissen und machtlose Väter. Kuckucksinder, eine Zerreissprobe für die Familie – die Diskussion im «Club».

Gesprächsgäste:

  • Daniel Barth, Kinder- und Jugendpsychiater
  • Andrea Büchler, Professorin für Privatrecht Universität Zürich
  • Martin Burr, biologischer Vater, der um sein Recht kämpft
  • Agatha S., hat als Erwachsene erfahren, dass sie Kuckuckskind ist
  • Maddalena Wittwer, zieht Tochter mit Ehemann und biologischem Vater auf

Zur «Club»-Homepage: srf.ch/club

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13 Kommentare

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    • , Uetendorf

      Sonntag, 15.09.2013, 19:26

      Ein guter und feinfühliger Film...Ich hoffe er regt auch zum Nachdenken an. Ein Seitensprung hat tiefgreifende Folgen für eine Familie und ihr Umfeld. Das ausgerechnet ein Priester die 10 Gebote gebrochen hat ist tragisch, noch tragischer ist, dass er bis an sein Lebensende keinen reinen Tisch gemacht hat...

    • , Dielsdorf

      Freitag, 13.09.2013, 09:09

      Offen blieb für mich, wer der Initiant für aussereheliche Kinder jeweils war. Es kann auch die Frau sein. Das erklärt zum Teil auch, weshalb Frauen diese Beziehung lange (oder immer) verschweigen. Man weiss heute, dass es immer wieder Frauen gibt, die um jeden Preis ein Kind wollen und deshalb jeden verfügbaren Trick anwenden. Auch das ist ein Teil der Wahrheit, die nicht unterschlagen werden darf. Mir scheint, dass es heute "in" ist, den Männern einfach die Schuld zuzuschieben.

      • , K

        Sonntag, 15.09.2013, 09:57

        Herr Hertach. Schon mal darüber nachgedacht dass nicht einer alleine schuld sein kann. Ihr Männer müsst genauso Verhüten wie die Frau. Ansonsten müsst ihr eben auch die Konsequenzen tragen.Verletzter Männlicher Egoismus ist bei diesem Thema ganz falsch platziert.

    • , kriens

      Donnerstag, 12.09.2013, 21:30

      Beneidenswerte Elina, bewundernswertes Familiengefüge;-) Finde ich ganz toll, wie alle damit umgehen. Als Kuckuckskind, erst mit 23 erfahren aber bis dahin unterschwellig etwas geahnt, hätte ich mir so eine Lösung von Herzen gewünscht. Endlich wusste ich, woher ich diese oder jene Eigenschaft geerbt hatte ohne sie jedoch voll nutzen zu können.Trotzdem sollte Mika u ihre Mutter in Ruhe ihr Leben in DEN leben können u der biologische CH-Vater uneigennützig seine neue Familie geniessen u verzichten