Vive La France – Frankreichs Junge fordern den Wandel

  • Mittwoch, 19. April 2017, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 19. April 2017, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 20. April 2017, 5:10 Uhr, SRF 1
    • Montag, 24. April 2017, 11:15 Uhr, SRF 1
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In Frankreich geht ein dramatischer Präsidentschaftswahlkampf zu Ende. Mit Justizermittlungen gegen zwei Kandidaten, Demonstrationen und aufgeladenen Diskussionen. Vor allem junge Französinnen und Franzosen sehnen einen Wandel herbei, denn sie wissen: So kann es nicht weitergehen.

Ein Film von Susanna Dörhage und Sandy Palenzuela

In Frankreich ist fast ein Viertel aller jungen Menschen unter 25 ohne Arbeit. Auch aus diesem Grund engagieren sich viele mit Leidenschaft in der Politik: Nicolas, Sébastien, Clément, Justine und Jallal heissen die Protagonisten im Dokumentarfilm. Sie stehen für die ganz unterschiedlichen Spektren – vom rechtspopulistischen Front National über die bürgerlichen Parteien bis zur Anarchie-Bewegung.

Nicolas sieht in Marine Le Pen die Retterin Frankreichs. Er ist fest überzeugt, dass es seinem Land besser gehen wird, wenn es aus der EU austritt und die Grenzen schliesst. Dafür klebt er unermüdlich mit anderen jungen «Frontisten» Wahlplakate. Bedenken, dass so ein Kurs den Frieden in Europa gefährden könnte, wirft Nicolas über Bord. «Frankreich und die Franzosen zuerst, dann kümmern wir uns um den Rest der Welt», ist seine Devise. Die Vorwürfe, Marine Le Pen habe EU-Gelder veruntreut, nimmt Nicolas kaum wahr. Was in Strassburg oder Brüssel passiere, sei zweitrangig, argumentiert er.

Das «System kippen» will auch Sébastien, aber in eine ganz andere Richtung. Er hat sich der extremen Linken zugewandt und mit der Revolution schon mal in seinem persönlichen Leben begonnen. Sébastien ist Anhänger der Permakultur-Bewegung und versucht, nach radikal ökologischen Prinzipien zu leben. Mit den «Frontisten» hat er absolut nichts gemeinsam. Sollte Marine Le Pen die Wahl gewinnen, sieht er sich im «Widerstand».

Aber auch in der Mitte des politischen Spektrums verhärten sich die Fronten – vor allem, seitdem der bürgerlich konservative Kandidat François Fillon wegen Scheinanstellungen für seine Familie am Pranger steht. Der Student Clément, ebenso wie Fillon ein streng gläubiger Katholik, ist überzeugt, dass es sich bei den Vorwürfen gegen Fillon um eine politische Intrige handelt. «Ich unterstütze Fillon und auch wenn ich der Allerletzte bin, der bei ihm bleibt», sagt Clément während der Dreharbeiten. Die Beziehungen mit denjenigen aus den eigenen Reihen, die dem Kandidaten Fillon den Rücken kehren, werden immer angespannter.

Justine, die sich in der Bewegung «En marche» des erst 39-jährigen Kandidaten Emmanuel Macron engagiert hat, versucht den Wahlkampf «mit Vernunft» anzugehen. Seit Monaten arbeitet sie wie tausende andere Macron-Anhänger, an Vorschlägen für ein möglichst realistisches Reformprogramm. Aber sie fürchtet, dass diese Vorschläge in dem immer emotionaler werdenden Wahlkampf untergehen könnten. Ihr Kandidat hat in Umfragen gute Chancen, aber die Wähler sagen auch, dass sie ihre Meinung bis zum letzten Tag vor der Wahl noch ändern können.

Jallal, der in einer der gefährlichsten Vorstädte von Marseille aufgewachsen ist und in dem Ghetto-Viertel als junger Streetworker jobbt, ist der einzige, der den Wahlkampf mit Abstand und ohne Illusionen betrachtet: «Hier kommen alle Politiker vorbei und versprechen Verbesserungen. Dann sind sie wieder weg und es bleibt alles beim Alten.»

Laut Umfragen dominieren Emmanuel Macron und Marine Le Pen den Wahlkampf. Doch viele Wähler geben offen zu, dass sie ihre Meinung bis zum letzten Tag vor der Wahl noch ändern könnten. Die jungen Menschen in Frankreich hoffen einfach auf eines: Dass jemand kommt, der ihre Anliegen ernst nimmt, denn es ist ihre Zukunft, die bei dieser Wahl auf dem Spiel steht.

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