Zürich Junkietown

  • Donnerstag, 18. Juni 2015, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 18. Juni 2015, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 19. Juni 2015, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 19. Juni 2015, 11:15 Uhr, SRF 1

Süchtige in Unrat und Dreck, gewalttätige Dealer, hilflose Behörden: Zu Beginn der 1990er Jahre eskalierte in Zürich die Drogenszene. Platzspitz und Letten erlangten traurige Berühmtheit. 20 Jahre später ist davon nichts mehr zu sehen – für die Betroffenen ist die Vergangenheit noch immer präsent.

Ein Film von Béla Batthyany

«Drogenszene am Platzspitz schockiert auch das Ausland» titelte im April 1989 der «Blick». Die Grünanlage inmitten der Stadt Zürich, direkt neben dem Hauptbahnhof, war damals Treffpunkt für Drogenabhängige und Dealer aus ganz Europa. Der «Needle Park» prägte den Ruf der Stadt.

Zu Spitzenzeiten versammelten sich auf dem Platzspitz bis zu 3000 Menschen, die hier dealten und fixten. Zahlreiche Menschen starben. Aids verbreitete sich rasant. Zwischenzeitlich hatte Zürich die höchste Aidsrate in Europa. Ärzte, Gassenarbeiter und freiwillige Helfer leisteten Nothilfe.

Inbegriff von Gewalt und Elend

Die Behörden liessen die Szene lange gewähren, bis im Februar 1992 der überstürzte Entscheid zur Schliessung kam. Ohne Erfolg: Flussabwärts, am stillgelegten Bahnhof Letten, bildete sich die Szene erneut. Dominiert von kriminellen ausländischen Dealern, wurde der Letten zum Inbegriff von Gewalt und Elend.

Die politisch Verantwortlichen mussten erkennen, dass weder die Repression noch die Liberalisierung allein gegen die Sucht halfen. Auf Bundesebene entschied sich die Schweiz für ihre sogenannte Vier-Säulen-Drogenpolitik: Prävention, Repression, Schadensverminderung und Therapie. Dazu gehören Fixerstuben, die Abgabe von sauberen Spritzen und die Verschreibung von Methadon und Heroin an Schwerstsüchtige – ein Erfolgsmodell, dem das Schweizer Volk 2008 im neuen Betäubungsmittelgesetz zugestimmt hat und das nach anfänglicher Kritik von vielen Ländern übernommen wurde.

Wie geht es den ehemals Süchtigen heute?

Der Film von Béla Batthyany begleitet Kathrin Winzenried auf Spurensuche: Wie kam es zu dieser unvergleichlichen Katastrophe, wieso mussten so viele Menschen sterben, und wie geht es den damals Betroffenen heute?

Am Letten begegnet Kathrin Winzenried Ursula Brunner, die die Zeit vor 20 Jahren als Süchtige hautnah miterlebt hat. Nach der Lettenschliessung im Februar 1994 fand sie Aufnahme in verschiedenen Institutionen und im Methadonprogramm. Heute führt sie ein «beinahe suchtfreies Leben», wie sie sagt.

Der Psychiater Ambros Uchtenhagen erläutert, weshalb die kontrollierte Heroinabgabe nachweislich ein Erfolg ist und er für einen pragmatischen Umgang mit Drogen plädiert – eine Haltung, die der SVP-Politiker Toni Bortoluzzi nicht nachvollziehen kann. Er kritisiert die heutige Drogenpolitik und bemängelt, dass die Menschen in ihrer Sucht belassen würden, anstatt ihnen dabei zu helfen, einen Ausweg zu suchen.

Im basellandschaftlichen Langenbruck, in einem Altersheim für Langzeitsüchtige, trifft Kathrin Winzenried schliesslich auf Menschen, deren lange Suchtkarriere in der offenen Drogenszene in Zürich ihren Anfang nahm – ein Ort, den sie seither bewusst nie mehr besuchten.

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124 Kommentare

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    • , Herrliberg

      Mittwoch, 21.10.2015, 14:09

      Gott sei Dank haben wir überlebt. Andere hatten weniger Glück. Vielen Dank all denen die uns nicht abgeschrieben haben. Und an alle Mitarbeiter des Frankental.

    • , 33800 Interaken

      Freitag, 09.10.2015, 06:44

      Diese Dok, Junkietown Zürich widerspiegelt mein Leben,und das meiner Koegin Ursula Brunner. Ich habe eine 30jaeehrige Suchtkarriere hinter mir,genau wie Ursuala Bruner! Im gegensatz zu ihr,bin ich noch im Methadonprogramm,und habe Nebenkonsum, wie amphi,Alkohol,Vaium,u.s.w.Ich möcchte aucch gerne mit dem neuen ANR -Methode,vom Methadon wegkommen! lgg. Mm.Winiger

      • , Herrliberg

        Mittwoch, 21.10.2015, 14:11

        Subutex, ich nehm seit Jahren Subutex....und werde es auch behalten, nicht zu, ist für mich ein segen

    • , A.I.

      Samstag, 18.07.2015, 12:55

      Hut ab Ursula. Als Kind von Alkoholiker - Vater und Mutter - bin ich stark genug geworden um die Finger von Drogen zu lassen. Ich war über die Doku ein wenig erstaunt. Da wird einem Jugendlichen das Bild vermittelt - fang ruhig an Drogen zu konsumieren, der Staat zahlt es ja. Kinder früh genug stark machen wäre der bessere Weg. Ebenso müssten Lehrer Anzeigepflichtig sein bei verhaltensauffälligen Kinder. Mir wäre so viel Leid erspart geblieben in meiner Kindheit.