Essstörungen bei Erwachsenen

Bei Essstörungen denkt man an spindeldürre Teenager. Immer mehr Erwachsene sind aber betroffen. Normalgewichtige Frauen werden zum wandelnden Kalorienlexikon, Männer treiben exzessiv Sport, um den altersadäquaten Speckrollen Herr zu werden. Wann wird das «auf die Linie schauen» zur Essstörung?

Frau hält eine Gabel vor sich mit einem Stück Tomate aufgesteckt.
Bildlegende: Orthorexie: Ein ausgeprägtes Verlangen nach gesunder Nahrung kann krankhaft sein. Colourbox

Eine Studie der Universität Zürich im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit hat ergeben, dass in der Schweiz 3,5 Prozent der Bevölkerung an einer Essstörung leiden. Im europäischen Schnitt sind hierzulande überdurchschnittlich viele davon betroffen. Unter Berücksichtigung der Dunkelziffer geht man in der Praxis sogar davon aus, dass von zehn Einwohnern vier bis fünf eine Essstörung haben. Betroffen sind Männer wie Frauen.

Partner leiden mit

Bei einer Essstörung ist auch der Partner oder die Partnerin tangiert: Auswärtsessen wird unmöglich, Einladungen sind wegen dem Essplan der Partnerin oder des Partners schwierig und die Sexualität lässt nach. «Der Übergang ist oft fliessend», sagt Bettina Isenschmid, Chefärztin am KEA, dem Kompetenzzentrum für Essverhalten, Adipositas und Psyche, am Spital Zofingen. «Eine Essstörung wird dann zum Problem, wenn der Alltag nicht mehr einfach so zu meistern ist. Wenn jede Einladung zur Tortur wird. Denn eine Essstörung isoliert.»

Gesund essen kann auch krankhaft sein

Auch eine Orthorexie, ein fast schon krankhaftes «gesund essen», steuert in Richtung Essstörung. In der Sendung erzählt eine Frau Mitte 30, wie anstrengend gesund essen sein kann.
Die Sportärztin Natina Schregenberger hat auch Patientinnen und Patienten, die von ihr ein ideales Trainingsprogramm zur Fettverbrennung und zum Kalorienverbrauch wünschen. «Der Sport bereitet ihnen keine Freude er ist einzig dazu da, das Normalgewicht zu halten.» Sie hört von Frauen, wie Männern nicht selten den Satz: «Sport mache ich nur, damit ich essen kann.»

In der Sendung erzählt zudem eine Frau, wie sie sich über 30 Jahre lang in die Isolation erbrochen hat. Von ihrer Brechsucht wussten nur der Partner und eine Freundin. Eine andere Frau erzählt, wie mühsam und zäh der Weg aus der Magersucht für sie ist.

Redaktion: Regula Zehnder