Ein Piano reist von der Schweiz in die Ukraine

Weil Christian Labharts «Apassionata» eine kluge Dramaturgie hat, wirkt der Dokumentarfilm über die Konzertpianistin Alena Cherny ebenso spannend und emotional wie ein mitreissender Spielfilm.

Pianistin Alena Cherny in einer Ruine von Pripyat, das seit der Tschernobyl-Katastrophe 1986 eine Geisterstadt ist.
Bildlegende: Pianistin Alena Cherny in einer Ruine von Pripyat, das seit der Tschernobyl-Katastrophe 1986 eine Geisterstadt ist. Look Now!

Filme die an Festivals die Hauptpreise gewinnen, kommen nicht immer ins Kino. Filme hingegen, die Publikumspreise gewinnen, schaffen das meistens. So auch «Apassionata», der am Zurich Film Festival 2012 den Publikumspreis gewann.

Wenn sich ein Dokumentarfilm beim Festivalpublikum sogar gegen Spielfilme durchsetzt, dann sollte das doppelt aufmerken lassen: Dieser Film über die Konzertpianistin Alena Cherny berührt die Menschen offenbar.

Musikstudium und Tschernobyl
Das liegt daran, dass Alena Cherny im Film ganz ohne Starallüren frei von der Leber spricht, etwa davon, wie schwierig es war, von der ehrgeizigen Mutter mit acht Jahren in ein sowjetisches Musikinternat in Kiev geschickt zu werden.

Cherny kam 1967 im ukrainischen Romny zur Welt, war 19, als in Tschernobyl ein Reaktor explodierte, und 21, als ihre Tochter zur Welt kam. Darauf folgte die Diagnose Leukäme, vielleicht wegen Tschernobyl. All das gehört ebenso zu Chernys bewegtem Leben wie die Auswanderung in die Schweiz. Sie lebt seit 17 Jahren in Wetzikon.

Reise in die Vergangenheit
Der Dokumentarfilmer Christian Labhart begleitet Alena Cherny in ihren Heimatort, wo sie der Musikschule einen aus der Schweiz mitgebrachten Flügel schenkt. So lässt die Musikerin das Kinopublikum an ihrer Reise zu sich selber teilnehmen.

Das führt immer wieder zu erstaunlich intimen Momenten, insbesondere beim Besuch ihrer Eltern. Deshalb kann man «Apassionata» auch dann geniessen, wenn man kein erklärter Klassik-Fan ist. 5 von 6 Filmbären.

Trailer

Klassische Konzerte mit Alena Cherny
WETZIKON: Sa 9. März, Alte Turnhalle
WINTERTHUR: Di 12. März 2013, Alter Stadthaussaal
ZÜRICH: Mi 13. März 2013, 19.30h Zunfthaus zur Waag, Münsterhof 8
ENGELBERG: Fr 15. März 2013, Europäischer Hof
LENK im Simmental: Fr 29. März 2013, Hotel Lenkerhof

Autor/in: Reto Baer