Wir Pendler Ist Home-Office die Lösung für unsere Gesellschaft?

Ungefähr ein Viertel der Schweizer Arbeitsbevölkerung arbeitet ab und zu von zu Hause aus. Viele würden das auch gerne tun. Wie verändert sich unsere Gesellschaft dadurch? Ein Gespräch mit Johann Weichbrodt.

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Neue Kompetenzen sind gefordert

0:30 min, vom 6.5.2017
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Zur Person

Zur Person

Johann Weichbrodt ist seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kooperationsforschung und -entwicklung der Hochschule für Angewandte Psychologie. Er beschäftigt sich mit der Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Home-Office.

SRF Heimatland: Wie stark ist Home-Office in der Schweiz bereits Realität?

Johann Weichbrodt: Home-Office machen derzeit ungefähr ein Viertel der Schweizer Arbeitsbevölkerung und es gibt einen starken Wunsch nach mehr. Viele Menschen möchten, dürfen oder können aber nicht Zuhause arbeiten. Aus Erfahrung bietet es sich an, ein bis maximal zwei Tage im Home-Office zu arbeiten – bei einer Festzeitanstellung.

Es zeigt sich auch, dass es wichtig ist, im Team zu besprechen, wann diese Home-Office-Tage sind. Es sollten feste Anwesenheitstage definiert werden. Zum Beispiel: dienstags und mittwochs versuchen wir immer im Büro zu sein und alle anderen Sachen, wie der freie Teilzeittag oder der Home-Office-Tag, legen wir drum herum.

Wie sollen Arbeitgeber auf Home-Office-Wünsche ihrer Mitarbeiter reagieren?

«Führungskräfte müssen es ansprechen»

0:35 min, vom 5.5.2017

Arbeitgebern würde ich raten, diese Freiheit und Autonomie zu ermöglichen, aber dabei die Fürsorgepflicht nicht zu vernachlässigen. Konkret heisst das für die Führungskräfte: Sie müssen die Auslastung der Mitarbeitenden aktiv ansprechen, oder eben auch die Frage, wie viel sie online sind – werden zum Beispiel abends im Bett noch Mails gelesen?

Pendler benutzen Handys, Laptops und Tablets und können so auch im Zug schon Mails beantworten. Sie sind dadurch immer länger online. Was bedeutet das für die Gesellschaft und für den Einzelnen?

Die Möglichkeit, ständig online zu sein, erfordert neue Kompetenzen von uns. Es geht darum, ein persönliches «Boundary Management» zu entwickeln, also eine eigene, individuelle Grenze zu ziehen: Wann möchte ich arbeiten, wann möchte ich online sein, wann möchte ich offline sein, und wann ist Feierabend. Dazu haben Menschen aufgrund der Flexibilisierung der Arbeit immer mehr eigene Möglichkeiten. Sie müssen diese aber auch nutzen und proaktiv angehen.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 18.05.2017 21:05

    SRF HE!MATLAND
    «Wir Pendler» (2/4)

    18.05.2017 21:05

    Gabriele Knüsel freut sich jeden Tag auf die Reise zur Arbeit. Sie pendelt mit dem Schiff zwischen Weggis und Luzern. Oft trifft sie auf Bekannte und Freunde, plaudert, trinkt einen Kaffee und geniesst die Wetterstimmungen.