«Die drei gerechten Kammmacher» von Gottfried Keller

Die Kammmacherei ist ein ausgestorbenes Handwerk. Überlebt hat sie einzig als literarische Reminiszenz in einer der bekanntesten Novellen des Dichters Gottfried Keller. Im wonnigen Spiesser-Paradies Seldwyla lässt Keller drei brave deutsche Handwerksgesellen zu einem grotesken Wettkampf antreten.

Gottfried Keller um 1870.
Bildlegende: Gottfried Keller um 1870. wikipedia

Der Meister einer Seldwyler Manufaktur zur Herstellung von Kämmen möchte seinem Geschäft die Zukunft sichern. So stellt er, neben einem bereits Eingesessenen, noch zwei weitere Gesellen aus der deutschen Provinz ein. Es sind willige, strebsame und sparsame Burschen, die nicht einmal etwas dagegen haben, sich zum Schlafen ein Bett teilen zu müssen. Nur in einem unterscheiden sie sich: ihrem Dialekt.

Als aber der Meister ankündigt, eine Nachfolge für sein Geschäft zu suchen, entbrennt unter den Dreien eine handfeste Konkurrenz. Diese wird zusätzlich geschürt durch das Auftreten der selbstsicheren Jungfer Züs Bünzlin. Ihr Vermögen und ihre demonstrativ vorgetragene moralische Überlegenheit verdreht den drei Rivalen Herz und Hirn, und sie verrennen sich heillos in ihrem Bemühen, den Anforderungen eines erfolgreichen Lebens gerecht zu werden.

Gottfried Kellers Novelle, entstanden 1855 in Berlin, gilt als Musterbeispiel einer realistischen Groteske. SWR und SRF präsentieren sie nun erstmals als Hörspiel, in einer Bearbeitung, die Kellers helvetisch grundierte Sprachkunst mit den Besonderheiten der süddeutschen Mundarten kontrastiert.

Mit: Hanspeter Müller-Drossaart (Erzähler), Stephan Moos (Jobst), Folkert Dücker (Fridolin), David Liske (Dietrich), Rahel Hubacher (Züs Bünzlin), Jürg Löw (Meister) und Karin Pfammatter (Meisterin)

Hörspielbearbeitung: Luise Besserer - Regie: Günter Maurer - Produktion: SWR/SRF 2016 - Dauer: 51'

Redaktion: Margret Nonhoff