Zum Gedenken an Fritz Lichtenhahn: «Das Gartenhaus» von Thomas Hürlimann

Am 24. Mai starb in Hamburg der Schweizer Schauspieler Fritz Lichtenhahn. Der 85jährige war einer der grossen Protagonisten des deutschen Theaters. Dem breiten Publikum wurde er bekannt durch die TV-Filme von Dieter Wedel. Die Hauptrolle im SRF-Hörspiel von Thomas Hürlimann war seine letzte Arbeit.

Ein älterer Mann, eine ältere Dame und ein junger Mann stehen nebeneinander vor einem Haus und posieren für die Kamera.
Bildlegende: Fritz Lichtenhahn (rechts) in «Die Affäre Semmeling» von Dieter Wedel. Imago/United Archives

«Das Gartenhaus» handelt von einem älteren Ehepaar, das plötzlich den einzigen Sohn verliert. Nach seinem Krebstod zieht die Trauer ein in die grossen Räume der von zahllosen Erinnerungen bewohnten Villa. Der Familiensitz, ein Monument des untergehenden Grossbürgertums, wird zum Schauplatz eines grotesken Dramas. Denn die von Depression und sinnloser Wut gegen das Unvermeidliche heimgesuchten Eheleute verrennen sich in immer skurrilere Trauerrituale. Ein regelrechter Kleinkrieg beginnt, verzweifelt und komisch zugleich. Auf der einen Seite der alt gewordene Sohn eines Berglers, der sich zum Obersten der Schweizer Armee hochdiente; ihm entgegengesetzt Lucienne, seine Gattin, Erbin einer grossbürgerlichen Existenz, deren Wahlspruch lautet: «On a du style». Und zwischen ihnen das «Verhängnis», das sich, in Gestalt eines Friedhofkätzchens, buchstäblich auf leisen Sohlen in ihr dahinsterbendes Dasein geschlichen hat.

«Das Gartenhaus», erschienen 1989, war die zweite Prosa-Veröffentlichung von Thomas Hürlimann.
In Zusammenarbeit mit dem Autor hat der Regisseur Jean-Claude Kuner die meisterhafte Novelle erstmals fürs Radio adaptiert. Die Hauptrollen besetzte er mit den beiden Schauspieler-Legenden Nadja Tiller und Fritz Lichtenhahn.

Mit: Fritz Lichtenhahn (Oberst), Nadja Tiller (Lucienne), Ulrich Matthes (Erzähler), Dagmar Manzel (Erzählerin)

Komposition: Daniel Fueter - Klavier: Tomas Bächli, Daniel Fueter - Tontechnik: Peter Kainz - Hörspiel-Bearbeitung und Regie: Jean-Claude Kuner - Produktion: SRF/SWR 2016 - Dauer: 60'

«Aus Thomas Hürlimanns starkem Text über Einsamkeit im Alter, über Trauer und Vergänglichkeit hat Jean-Claude Kuner eine Hör-Collage von packender Eindringlichkeit geschaffen.» (Frank von Niederhäusern, kulturtipp)

Im Anschluss an das Hörspiel folgt ein Gespräch mit Thomas Hürlimann.

Nach Ausstrahlung können Sie das Hörspiel für 7 Tage hier auf unserer Internetseite nachhören. Danach wird es wieder vom Netz genommen.

Dieses Hörspiel ist im CMV als Hörbuch erschienen und kann im SRF Shop bestellt werden.

Redaktion: Reto Ott