Bulgarien - Syrische Flüchtlinge im ärmsten Land der EU

  • Samstag, 11. April 2015, 9:08 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Samstag, 11. April 2015, 9:08 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
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    • Samstag, 11. April 2015, 23:03 Uhr, Radio SRF 4 News
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    • Sonntag, 12. April 2015, 20:33 Uhr, Radio SRF 4 News

Mit einem Zaun an der Grenze zur Türkei versucht Bulgarien die Flüchtlinge aus Syrien abzuhalten. Diese finden aber andere Wege und so muss sich Bulgarien um immer mehr Flüchtlinge kümmern. Wie kommt das ärmste Land der EU damit zurecht?

Ein bulgarischer Grenz-Polizist kontrolliert die bulgarisch-türkische Grenze vor dem hochmodernen Stacheldrahtzaun.
Bildlegende: Ein bulgarischer Grenz-Polizist kontrolliert die bulgarisch-türkische Grenze vor dem hochmodernen Stacheldrahtzaun. Reuters

Vor zwei Jahren schnellte die Zahl der Asylgesuche in Bulgarien plötzlich um ein vielfaches in die Höhe, auf rund 7000 und im letzten Jahr waren es über 11000. Der Grund dafür liegt im Krieg in Syrien. Bulgarien liegt auf dem direkten Weg von Syrien via Türkei Richtung Mitteleuropa.

Bulgarien wurde von der Flüchtlingswelle überrumpelt. In den schnell hergerichteten Asylzentren herrschten zu Beginn chaotische Zustände. Weil die Regierung von der Situation überfordert war, packten freiwillige Bulgarinnen und Bulgaren an. Die Chefin des Sozialamtes von Harmanli erzählt, wie es damals zu und her ging in der Stadt mit dem grössten Flüchtlingszentrum. Wie sie Lebensmittel und Kleider sammelte für die Flüchtlinge. Die Politologin Anna Krasteva sagt, Bulgarien könne stolz sein, auf diese Mobilisierungs-Welle unter hilfsbereiten Bürgerinnen und Bürgern.

Dank der tatkräftigen Hilfe der einheimischen Freiwilligen und der Unterstützung internationaler Hilfsorganisationen leben die Flüchtlinge in Bulgarien heute nicht mehr in menschenunwürdigen Umständen. Das zeigt zum Beispiel ein Augenschein im Flüchtlingszentrum Voenna Rampa in Sofia. Auch EU-Gelder fliessen inzwischen ins Land und verbessern die Situation der Flüchtlinge.

Die bulgarische Politik sieht in den Flüchtlingen vor allem ein Sicherheitsproblem. Für viel Geld stellt die Regierung an der Grenze zur Türkei einen mit Bewegungsmeldern und Kameras ausgerüsteten Zaun auf. Da, wo er bereits steht, kommen kaum mehr Flüchtlinge über die grüne Grenze. Die Schlepper transportieren die Flüchtlinge jetzt vor allem in Lastwagen. Am Grenzposten Lesovo erklären die Grenzwächter, mit welch ausgeklügelten technischen Mitteln sie jetzt die Lastwagen auf Flüchtlinge untersuchen. Der bulgarisch-syrische Journalist Ruslan Trad ist sich sicher, dass die Zahl der Flüchtlinge wegen des Grenzzauns aber nicht kleiner wird. Es komme einfach zu einer Verlagerung.

In Harmanli erzählen zwei Flüchtlinge aus Syrien ihre persönlichen Erfahrungen. Wieviel sie den Schleppern bezahlen mussten und wie der eine von ihnen betrogen wurde. Die meisten Asylbewerber in Bulgarien hoffen, dass sie dereinst weiter reisen können nach Mittel- und Nordeuropa. Aber es gibt auch immer mehr Flüchtlinge, die in Bulgarien bleiben wollen.

Das ist jetzt die grosse Herausforderung. Die Regierung redet zwar von einer Strategie zur Integration der Flüchtlinge in Bulgarien. Für die Finanzierung stellt sie aber kaum Mittel zur Verfügung. Tatsächlich sind die Finanzmittel Bulgariens sehr beschränkt. Es sind eigentlich auch für Schulen und Spitäler nicht genügend Mittel vorhanden.

Autor/in: Christoph Wüthrich, Redaktion: Brigitte Zingg