Kritische Inhaltsstoffe Duschmittel kann Ihre Wäsche ruinieren

Viele Duschmittel und Haarshampoos beinhalten den Stoff Polyquaternium. Dieser kann auf Textilien hässliche Flecken verursachen – ausgerechnet beim Waschen.

«Woher kommen denn diese Flecken», wunderte sich Brigitta Hürlimann. Ihre weissen Waschlappen und Frottiertüchlein waren mit hässlichen blauen Flecken aus der Waschmaschine gekommen. Da sie weisse Wäsche immer separat wasche, habe sie sich keinen Reim auf die Flecken machen können, erzählt sie dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso».

Zuerst habe sie vermutet, dass es am Waschmittel liege. «Aber der Waschmittelhersteller hat mir dann gesagt, das Duschmittel sei Schuld – dieses enthalte sogenannte Polyquats. Davon hatte ich noch nie etwas gehört.»

«Wie Klebeband auf Holz»

Bei Polyquats handelt es sich um Polyquaternium, eine synthetisch hergestellte Substanz. Polyquaternium ist in vielen Kosmetika enthalten, vorwiegend in Haarshampoos und Duschmitteln. Der Stoff macht Oberflächen geschmeidiger: «Es ist so ähnlich, wie wenn Sie ein Klebeband auf ein Stück Holz kleben», erklärt Karl Gademann, Professor für organische Chemie und chemische Biologie an der Universität Zürich. «Das Holz ist vorher rissig und hat Löcher – das Klebeband schafft eine glatte Oberfläche, sodass man einfach mit der Hand darüber fahren kann.»

Ähnlich wie Klebeband auf Holz bildet Polyquaternium einen Film über Haare und Haut. Die Haut fühlt sich geschmeidiger an, Haare lassen sich besser kämmen. Polyquaternium setzt sich aber nicht nur auf Haut und Haaren fest. Werden Duschmittel, Seife oder Haarshampoo nicht gründlich ausgespült, landen Reste der Substanz unweigerlich auch auf der Frottierwäsche. Und dort wirkt Polyquaternium wie ein Schmutzmagnet: «Auf Textilien saugt es Schmutz oder andere Farben an, was dann diese Flecken verursacht», sagt Karl Gademann. Flecken, die übrigens nicht mehr ausgehen.

Kein Warnhinweis

«Espresso»-Hörerin Brigitta Hürlimann wundert sich, dass auf den Packungen von Duschmitteln oder Shampoos nicht vor diesem Effekt gewarnt wird. Beim Schweizerischen Kosmetik- und Waschmittelverband heisst es, es gebe nur sehr selten Anfragen zu dem Thema.

Direktor Bernard Cloëtta sagt: «Das ist kein grosses Problem, daher kommt auch kein Warnhinweis auf die Produkte. Warnhinweise gibt es nur, wenn für die Gesundheit Gefahr besteht oder grosse Schäden zu befürchten sind.» Der Standpunkt der Industrie: «Wenn richtig gewaschen wird, sollte das Problem nicht auftreten.»

Ein schwacher Trost für Brigitta Hürlimann: Denn sie hat die weissen Frottiertücher immer separat gewaschen – und trotzdem kam die Wäsche fleckig aus der Maschine.

Kunststoff in Kosmetik

Umweltorganisationen zählen Polyquaternium zum sogenannten Mikroplastik. Dieses ist in den vergangenen Jahren je länger je mehr in den Fokus von Umweltforschern gerückt. Viele Kläranlagen sind nicht in der Lage, Mikroplastik zurückzuhalten. Das Wasserforschungs-Institut Eawag in Zürich zählt Polyquaternium jedoch zu den Mikro-Schadstoffen, weil es sich um einen löslichen Stoff handelt. Dieser bleibe wohl zu einem grossen Teil im Klärschlamm hängen, heisst es auf Anfrage. Allerdings könne Polyquaternium Probleme bereiten in Kläranlagen, etwa indem es das Zusammenleben von Bakterien beeinflusse. Einig sind sich Umweltschützer und Eawag darin, dass der Stoff – wie viele andere Kunststoffe auch – in Kosmetikprodukten eigentlich nichts verloren habe, da Kunststoff biologisch kaum abbaubar sei.

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