Flughafen-Parkservice fährt Auto fast 80 km weit

Der Kunde eines Parkservice-Dienstes am Flughafen Zürich stellt fest: Mit seinem Auto sind während seiner Ferien-Abwesenheit fast 80 Kilometer gefahren worden. Auch teilte ihm das Polizeisekretariat einer Flughafen-nahen Gemeinde mit, sein Auto habe mehrere Tage auf öffentlichem Grund gestanden.

Parkdienste sind praktisch. Flugreisende fahren mit dem eigenen Auto zum Flughafen, laden das Gepäck aus und drücken den Autoschlüssel einem Parkservice-Mitarbeiter in die Hand. So spart man sich mühsames Parkplatzsuchen und fährt je nach Anbieter auch noch günstiger, als wenn man das Auto während der Ferien im Flughafen-Parkhaus stehen lassen würde.

80 Kilometer mehr auf dem Zähler

Nur: Was passiert eigentlich mit dem eigenen Auto, wenn man es abgegeben hat? Die Geschichte von Kunde T. E. hinterlässt ein ungutes Gefühl. Er hatte am Ostermontag sein Fahrzeug für eine knappe Woche in die Obhut der Royal Carparking GmbH gegeben, einer von vielen Parkdiensten beim Flughafen Zürich.

Abgabe und Rücknahme des Autos funktionierten reibungslos. Jedoch stellte der Kunde kurz nach der Rücknahme des Autos fest, dass mit seinem Auto 79 Kilometer gefahren worden waren. Dabei hätte das Auto laut Buchungsbestätigung höchstens 12 Kilometer vom Flughafen entfernt parkiert werden sollen.

Auto wild parkiert

Kurz nach seiner Rückkehr erhielt der Kunde zudem Post vom Polizeisekretariat der Gemeinde Höri. Dieses teilte T. E. mit, sein Auto habe mehrere Tage auf öffentlichem Grund gestanden. Bei der Buchung zugesichert worden war jedoch ein «eingezäunter, beleuchteter, abgeschlossener, videoüberwachter Parkplatz».

Gebucht hatte der Kunde den Parkdienst über ParkandFly.de. Über diese Plattform können Parkdienste an zahlreichen europäischen Flughäfen gebucht werden. Abgewickelt werden die Buchungen über die Holiday Extras GmbH in München.

Von den involvierten Unternehmen erhielt T. E. nur unbefriedigende Antworten auf seine Reklamation. Immerhin teilte ihm Holiday Extras mit, er erhalte aus Kulanz sein Geld zurück. Was genau mit seinem Auto während seiner Abwesenheit passiert ist, darüber liess man den Kunden im Ungewissen.

Umparkieren war «Notlösung»

Auf Anfrage des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» lässt die Royal Carparking GmbH über einen «juristischen Berater» ausrichten: Aufgrund eines Wasserschadens auf dem eigenen Parkplatz hätten insgesamt fünf Fahrzeuge umparkiert werden müssen. «Als Notlösung wurden diese Fahrzeuge in Höri abgestellt.» Die Gemeinde sei nicht informiert worden, da «so ein Fall nicht täglich vorkommt und spontan zu reagieren war».

Und wie sind die fast 80 Kilometer zustande gekommen? Royal Carparking sagt dazu: «80 Kilometer entspricht nicht den Tatsachen.» Es sei lediglich der Weg vom Flughafen zum Parkplatz und wieder zurück gefahren worden. T. E. hat jedoch bei Abgabe und Rücknahme des Autos Fotos des Kilometerstandes gemacht, auf denen ersichtlich ist, dass 79 Kilometer gefahren worden sind.

Royal Carparking wird nicht mehr vermittelt

Der Fall hat Konsequenzen für die Royal Carparking GmbH: Holiday Extras schreibt in einer Stellungnahme, Fehlverhalten werde nicht geduldet. Daher sei die Vermittlung von Royal Carparking «auf all unseren Plattformen umgehend eingestellt» worden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Royal Carparking negative Schlagzeilen macht: So hatte «Espresso» im September 2015 über lange Wartezeiten bei der Rückgabe von Fahrzeugen berichtet. Und in der Zeitschrift «Beobachter» war im Februar 2016 ein Fall beschrieben, bei dem eine Kundin sogar eine Busse der Gemeinde Niederhasli erhalten hatte, weil ihr Auto auf öffentlichem Grund abgestellt worden war.