Gemüselieferanten im Test: Woche für Woche faule Ware

Saisonales und erntefrisches Gemüse an die Haustür geliefert: Das versprechen Anbieter von Gemüsekörben für daheim. Die Preise sind stolz, die Auswahl nicht immer. Manche Lieferanten liefern statt sommerlicher Vielfalt langweiligen Einheitsbrei. Ein Gemüsekorb fiel besonders auf – mit fauler Ware.

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Woche für Woche faule Ware – nicht alle Gemüseabos sind frisch

9:23 min, aus Kassensturz vom 5.9.2017

«Dieser Korb hat uns regelrecht entgegengestunken», kritisert Regula Bickel. Sie war eine der vier Jurorinnen im Gemüseabo-Test. Vier Wochen lang hat «Kassensturz» dafür Bio-Gemüsekörbe ins Büro bestellt. In drei von vier Wochen enthielt der Korb der Migros-Tochter Le Shop faule Produkte: Einmal faule und schimmlige Tomaten, ein anderes Mal eine angefaulte Aubergine.

«Gemüse zum Kompostieren»

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Testtabelle

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Am schlimmsten sah die Lieferung vom 2. August aus. «Das Gemüse war zum Kompostieren, nicht zum Essen. Über so viel Ausschuss ärgere ich mich als Konsumentin», so Regula Bickel, die Leiterin Lebensmittel beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL). Die Jury fand eine faule Aubergine, sowie Fäulnis an Tomaten, Gurken und Salat. Resultat: die ungenügende Note 3,3 für die Bio-Gemüse-Tragetasche von Le Shop.

Le Shop räumt auf Nachfrage Fehler ein. Am 2. August sei eine Tasche ausgeliefert worden mit abgelaufenem Gemüse. «Wir haben mit sämtlichen Kunden, welche an diesem Datum mit diesem Artikel beliefert wurden, sofort Kontakt aufgenommen und ihnen den Betrag vollumfänglich vergütet», schreibt Le Shop. Und weiter: «Wir werden sämtliche Frische- und Kontrollprozesse nochmals eingehend überprüfen und ab sofort alle Produkte einer Gemüsetasche einzeln auf ihre Qualität kontrollieren, bevor sie versendet wird.»

Neben der Frische und dem Reifegrad beurteilten die Tester auch, ob die Körbe saisongerecht und abwechslungsreich zusammengestellt waren. Zwei Körbe enttäuschten die Jury in diesem Punkt. Der Engros-Händler Freshbox und Coop @Home lieferten über vier Wochen hinweg zusammengezählt 45 Prozent Kartoffeln und Rüebli. Das ist langweilig und «an der Saison vorbei» geplant, so das Urteil der Jury. Ungenügende Noten gibt es deshalb für beide Körbe in den Kriterien Vielfalt und Saisonalität. Gesamhaft reicht es für gerade noch für eine 4.

Kunden haben Wahlmöglichkeiten

Coop schreibt zur Kritik, die Gemüsebox sei beliebt. Die Auswahl an Gemüse sei eingeschränkt, weil man sich auf Produkte mit kurzen Transportwegen beschränke. Georg Twerenbold von der Firma Freshbox schreibt, Freshbox kaufe Kartoffeln und Rüebli in Kilo-Packungen ein und lege sie so in die Gemüseboxen. «In einer kleinen Box ist der der Anteil dann leider sehr hoch – hier werden wir in Zukunft die Überlegungen machen, diese im offenen Gebinde einzukaufen und den Anteil zu verkleinern.»

Die Auswahl an angebotenen Gemüsekörben ist gross und vielfältig: unterschiedliche Grösse, mal mit, mal ohne Früchte, mit oder ohne Importware. Im Test hat sich «Kassensturz» fünf Abos wöchentlich liefern lassen und wählte wo möglich Körbe mit Produkten schweizerischer Herkunft aus. Mengenvorgabe: ein Zweipersonenhaushalt. Die Abos mussten sich mit den Gemüsekörben von Migros und Coop vergleichen lassen. Deren Online-Tochterfirmen Le Shop und Coop @Home liefern allerdings nur auf einzelne Bestellung, nicht aber im Abo. Auf die Zusammenstellung der Körbe nahm «Kassensturz» keinen Einfluss.

Vier Körbe sind «gut»

Je nach Anbieter haben Kunden verschiedene Wahlmöglichkeiten. Bionline gehört zum Bolderhof im schaffhausischen Hemishofen. Dieses Abo bietet einen Mehrwert. Abonnenten erhalten im Voraus eine Liste mit der Zusammensetzung des Korbs der Folgewoche. Sie können dann bestimmte Gemüse streichen und andere hinzufügen. Bei allen Anbietern können Kunden den Lieferrhythmus anpassen. Meist besteht die Wahl zwischen wöchentlichen und zweiwöchentlichen Lieferungen.

Frisches Gemüse in einer Vielfalt, die der Saison entspricht – vier Körbe erfüllen diesen Anspruch. «Bio-Kurier», Bionline und «Mahler und Co.» erhalten alle die «gute» Note 4,8. «Bio-Kurier» vertreibt in Zürich und Umgebung das Gemüse von Bio-Bauer Müller in Steinmaur ZH. Es ist für 10.95 Franken pro geliefertem Kilo Gemüse das teuerste Abo im Test (berechnet aufgrund effektiv gelieferter Menge Lebensmittel inklusive Liefergebühren).

Grosse Preisunterschiede

Günstiger und gleich gut (4,8) ist Bionline für 9.55 Franken pro Kilo. Bionline ist der einzige Anbieter im Test, der Woche für Woche grammgenau den Preis der gelieferten Lebensmittel abrechnet. Alle anderen Anbieter verlangen für ihr Abo einen Fixpreis.

«Mahler und Co.» erhielt Bestnoten bei der Frische und Gesamtnote 4,8. Für 7.45 Franken pro Kilo bietet dieses Abo ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Testsieger mit Gesamtnote 5,2 ist der Korb von Online-Händler Farmy. Das Bio-Gemüse stammt von verschiedenen Schweizer Höfen. Für 10 Franken pro Kilo lieferte Farmy fast 30 Sorten Gemüse und Früchte innert vier Wochen und damit die grösste Vielfalt aller Anbieter. Am wenigsten Abwechslung bieten die Körbe von Le Shop und Coop@Home mit je nur elf Gemüsesorten über vier Wochen hinweg.

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