Swisspass, nein danke: Viele Skigebiete machen nicht mit

«Eine Karte – 70 Skigebiete» so die SBB-Werbung für den Swisspass. Auch das Skiabo soll auf der roten Karte gespeichert sein. Eine «Kassensturz»-Umfrage zeigt aber: Ein Drittel von 40 wichtigen Skigebieten akzeptieren den Swisspass nicht. Einige erheben gar eine Zusatzgebühr auf ihre eigene Karte.

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Ärger mit Skikarten: Wenig Spass mit Swiss Pass

7:12 min, aus Kassensturz vom 9.2.2016

Schweizer Skigebiete versuchen mit verschiedenen Aktionen und Attraktionen Kunden zu locken. Möglichst einfach soll auch der Kauf eines Skitagespasses oder eines Saisonabonnements sein. Jedes Skigebiet scheint hier jedoch selber zu wursteln. Einer gesamtschweizerischen Lösung ohne zusätzliche Gebühren mit dem Swisspass der SBB verweigern sich viele.

Das Geld nicht mit den SBB teilen

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1 Skipass für viele Skigebiete

Weitere Varianten:

Von 40 angefragten Skigebieten akzeptieren 12 das Laden einer Skitageskarte auf den Swisspass nicht. Über ein Drittel der wichtigen und namhaften Skigebiete verunmöglichen eine schweizweite Lösung. Und in Graubünden machen nur 3 von 10 angefragten Skigebieten beim Swisspass mit.

Die Konditionen seien viel zu schlecht, argumentieren die Verweigerer. Yves Bugmann, Finanzchef der Davos Klosters Bergbahnen wählt im «Kassensturz»-Interview klare Worte: Der Swisspass sei ohne Rücksprache mit den Bergbahnen ins Leben gerufen worden. «Wir akzeptieren die Bedingungen der SBB nicht. Wir sind nicht da, um das Geld mit anderen zu teilen.» Sie seien darauf angewiesen, die Erträge selber zu behalten, sagt Bugmann.

Andere Skigebiete, die nicht mit Namen zitiert werden möchten, sagen: «Eine Kommission von sechs Prozent auf Online-Buchungen erachten wir als übertrieben.»

Die Grossen sind die Verweigerer

Interessant: Zu den Skigebieten, die den Swisspass nicht akzeptieren, gehören auch grössere und namhafte Bergbahnen. Darunter Adelboden, Engadin St. Moritz oder Laax (sieh Bildergalerie). Kleinere Gebiete wie Braunwald GL oder die Kleewenalp NW bieten ihren Kunden die Möglichkeit, den Skipass online oder vor Ort auf den Swisspass zu laden.

Was sagt die SBB zu dieser Kritik der übertriebenen Margen? Die SBB verweist auf eine Arbeitsgruppe, die daran ist, Lösungsansätze auszuarbeiten. Zuständig sei jedoch auf jeden Fall der Verband öffentlicher Verkehr. Dieser schreibt «Kassensturz»: «Es liegt in der Kompetenz einer Seilbahnunternehmung zu beurteilen, ob und zu welchen Konditionen eine Partnerschaft mit Swisspass (oder eben auch anderen Online-Partnern) für sie sinnvoll ist.» Das Nachsehen aufgrund der Streitigkeiten zwischen SBB und den Skiregionen hat der Konsument.

Zusatzgebühr auf Skitageskarten

Die Umfrage von «Kassensturz» zeigt zudem auf: Es gibt nach wie vor Skigebiete, die eine Extragebühr auf eine Skikarte verrechnen, anstatt nur eine Depot zu verlangen. Fünf Franken zusätzlich zu den ohnehin schon teuren Preisen. «Das gleicht einer versteckten Preiserhöhung», ärgert sich «Kassensturz»-Zuschauer Rolph Müller. Dies sei nicht konsumentenfreundlich und sicherlich nicht tourismusfördernd.

Mit einem Depot habe er kein Problem. Er freue sich sogar über innovative Lösungen wie in Meiringen-Hasliberg, wo die fünf Franken auch in Form von Schokolade oder regionalem Käse zurückerstattet werden.

Auch andere «Kassensturz»-Zuschauer vertreten diese Meinung. Ein Depot für die Plastikkarte sei verständlich: «Eine Zusatzgebühr stört mich, weil eine solche Karte doch schnell zu Hause vergessen oder nach einem Jahr verloren geht. Und dann wieder eine neue Karte kaufen zu müssen, die ich nicht zurückgeben kann, ärgert mich», sagt Elio Pola.

Mehrmalige Verwendung möglich

In Davos Klosters rechtfertigt Yves Bugmann die Zusatzgebühr. Der Ausgangspunkt sei nicht, dass man einmal fünf Franken bezahle für eine Tageskarte und dann wieder eine Karte kaufe und noch einmal fünf Franken bezahle. «Der Ausgangspunkt ist der: Man kauft einmal eine Tageskarte und zahlt fünf Franken und danach bucht man Eintages- oder Mehrtageskarten.»

Kundenfreundliche Lösungen mit Depot oder gratis

Für Rolph Müller wie auch Elio Pola eine unbefriedigende Erklärung. Bei beiden stapeln sich Skitagespässe, die sie nicht zurückgeben oder in anderen Skigebieten wiederverwenden können. «Eine Lösung mit Depot wär wohl für jedes Skigebiet leicht einzurichten», meint Familienvater Müller. Ein Grossteil der angefragten Skigebiete setzt ein solches Depot ein (siehe Fotogalerie oben). Nur vier Skigebiete verzichten in der Umfrage ganz auf Depot und Gebühren: die Jungfrau Skiregion, Rigi, Pizol und Toggenburg. Sie geben die Karten kostenlos an die Kunden ab – und akzeptieren auch den Swisspass.