Etikettenschwindel mit Medikamenten

Die Pharma-Industrie ist erfinderisch, wenn es darum geht, mit Medikamenten Geld zu verdienen. Beim sogenannten Co-Marketing wird genau das gleiche Medikament mit anderem Namen, anderer Verpackung und anderem Preis verkauft. «Espresso» zeigt Beispiele.

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Bildlegende: Der Inhalt ist identisch. SRF

Nehmen wir das bekannte Schmerzmedikament «Ponstan 500». Hier kosten zehn Stück 6.25 Franken. Ponstan-Hersteller Pfizer hat mit «Mefenamin 500» eine identische Kopie von «Ponstan» auf dem Markt.

Diese Kopie ist jedoch günstiger als das Original. Sie kostet nämlich nur 5.60 Franken.

Fast 1000 Kopien auf dem Markt

Das ist kein Einzelfall. Co-Marketing heisst dieses Vorgehen verschiedener Pharmafirmen. Dabei wird ein identisches Medikament unter anderem Namen und in einer anderen Verpackung verkauft – meistens von der gleichen Pharmafirma. Das Heilmittelgesetz erlaubt solche Marketing-Massnahmen. Swissmedic führt eine umfangreiche Liste mit fast 1000 Co-Marketing-Präparaten (siehe Linkbox).

Das Co-Marketing hat für die Pharmafirmen mehrere Vorteile: Sie können damit mit dem gleichen Medikament verschiedene Absatzkanäle beliefern und unterschiedliche Preise verlangen – ohne dass es den Kunden auffällt. Zum Beispiel: Zum einen den Ärztekanal und auch den Selbstmedikationsbereich. Denn während die Preise von kassenpflichtigen Medikamenten vom Bund festgelegt werden, kann die Firma bei den frei verkäuflichen Medikamenten den Preis nach eigenem Gutdünken festlegen. Ausserdem kann man so für das Produkt auch Werbung machen.

Für diese Masche gibt es viele Beispiele:

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Bildlegende: Ein beachtlicher Preisunterschied. SRF

Bereits vor einiger Zeit hat das Konsumenten-Magazin «Espresso» über das Medikament «Remotiv» der Firma Zeller berichtet. Das pflanzliche Präparat hellt die Stimmung auf und muss vom Arzt verschrieben werden und wird von der Krankenkasse vergütet. Unter dem Namen «Rebalance» ist eine identische Kopie auf dem Markt, die in der Apotheke frei verkäuflich ist. Interessant: «Remotiv» kostet 36.30 Franken, «Rebalance» ist knapp 6 Franken billiger.

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Bildlegende: Im Detailhandel günstiger. SRF

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TV-Tipp

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Der Trick mit den Kopien kostet das Gesundheits-Wesen Millionen. Pharma-Firmen verkaufen Co-Marketing-Arzneimittel unter anderem Namen viel günstiger. Eigentlich gut für das Portemonnaie. Doch die Krankenkassen müssen auch die teureren Pillen vergüten – absurd. Zum Artikel

Ein weiteres Beispiel ist der bekannte «Morga»-Blasentee für 4.70 Franken. Er wird vorwiegend im Fachhandel verkauft. Doch es gibt das identische Produkt auch viel günstiger: Der Der Blasentee «Floramed» ist auch im Coop erhältlich. Dort kostet eine Packung mit gleichem Inhalt – also 20 Beutel – er lediglich 2.50 Franken. fast die Hälfte weniger.

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Bildlegende: 2 Franken Preisdifferenz. SRF

Ein anderes Beispiel sind die «Echinaforce»-Tabletten von A. Vogel für 18.20 Franken. Sie stärken die Abwehrkärfte. Von A. Vogel gibt es auch noch eine Kopie mit dem Namen «Echinamed». Die Verpackung ist etwas anders und auch der Preis. Es ist mit 16.05 Franken über 2 Franken billiger.

Neuer Name, gleicher Inhalt – fast doppelt so teuer

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Bildlegende: Resyl wurde ersetzt durch das teurere NeoCitran. SRF

Manchmal gehen die Pharmafirmen noch einen Schritt weiter – und ziehen das günstigere Original ganz vom Mark zurück: Über die Hustentropfen «Resyl» von Novartis hat «Espresso» im Januar berichtet. Novartis hat die Tropfen kürzlich vom Markt genommen und durch «NeoCitran»-Tropfen ersetzt. Die Zusammensetzung ist exakt dieselbe, nur der Preis ist um fast 70 Prozent gestiegen. Zudem ist das Präparat neu nicht mehr kassenpflichtig. Bei all diesen Medikamenten handelt es sich nicht um Generika, sondern um eine identische Kopie.

Eine weitere Absicht der Pharmafirmen, die sie mit «Co-Marketing» verfolgen: Sie wollen möglichen Generikaproduzenten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Pharmafirmen bieten ihre eigenen Kopien zu einem günstigeren Preis an und setzen so mögliche Generikaproduzenten unter Preisdruck. Darüber berichtet die Sendung «Kassensturz» (siehe Box).

Tipp: Fragen Sie nach günstigem Produkt

Für den Konsument bleibt der Medikamenten-Markt mit dem Basismedikament und den Co-Marketing-Präparaten unübersichtlich. Darum bleibt nichts anderes übrig, als Arzt oder Apotheker nach einer günstigen Kopie oder nach einem Generikum zu fragen. Ein Anhaltspunkt gibt auch die Liste der Co-Marketing-Medikamente von Swissmedic (siehe Linkbox oben).