Altgold: Werbelügen und miese Preise

Gold verkaufen ist zurzeit gross in Mode. Viele Händler bezahlen aber miserable Preise und greifen teilweise zu fragwürdigen Werbemethoden. «Kassensturz» sagt, was man beim Verkauf des Familienschmuckes wissen muss.

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Bildlegende: Einige Goldhändler bezahlen immer noch massiv zu wenig Colourbox

Die Schweizer sind regelrecht im Altgoldfieber. Kein Wunder: Der Goldpreis steigt und steigt, und für viele ist die Verlockung gross, den Familienschmuck zu Geld zu machen. 

Das haben auch viele Schmuck- und Goldhändler festgestellt. Mit Zeitungsinseraten und Flyern machen Sie aktiv Werbung und versprechen attraktive Ankaufspreise. Aber Vorsicht: Wer seinen Schmuck gegen Bares eintauschen möchte, sollte sich die Offerten genau ansehen, denn viele Händler bezahlen einen miserablen Preis. «Kassensturz» hat bereits vor 2 Jahren darüber berichtet. Gebessert hat sich nicht viel. 

Mogelwerbung mit «Kassensturz» 

Das zeigt das Beispiel von «Kassensturz»-Zuschauerin Gabriela Gaber: In ihrem Briefkasten fand sie einen Flyer von «elitegold.ch». Darauf stand: «Unser Schweizerteam wurde im ‚Kassensturz‘ positiv bewertet.» Nur: Der «Kassensturz» hat diese Firma niemals getestet! Die Redaktion kontaktierte deshalb den Elitegold-Geschäftsführer Bruce Hoffmann. Dieser erklärt: «Es stimmt, dass wir nicht von ‚Kassensturz‘ getestet wurden. Ich weiss ich habe einen Fehler gemacht.» An seiner Werbung hält er dennoch fest: «Ich kann aber versichern, dass wir sehr attraktive Preise für Altgold bezahlen.» 

Horrender Preisunterschied 

Davon kann aber zumindest am Beispiel von Frau Gaber keine Rede sein. Sie liess das Gold ihres Vaters bei «Elitegold» schätzen. Der Händler unterbreitete ihr ein Angebot von 960 Franken. Zur Sicherheit legte sie die Wertsachen dann einem zweiten Schmuckgeschäft vor. Zum Glück! Denn hier bekam sie für dieselbe Ware 2200 Franken, also rund 130 Prozent mehr. Bruce Hoffmann kann sich an diesen Fall nicht erinnern, sagt aber: «Das kann nicht sein, ich betrüge nicht, sonst könnte ich nicht überleben. Ich bezahle immer gleichviel und meine Waage ist geeicht.» Er nimmt an, Frau Gaber hätte ihn falsch verstanden.

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Und was bedeutet Karat?

Karat ist die Einheit für den Feingehalt von Edelmetallen. Allerdings ist dieser Ausdruck veraltet. Heute wird der Goldgehalt normalerweise in Tausendstel angegeben. Hier eine kleine Übersetzungshilfe:

999.9 ‰  =  24 Karat
916.0 ‰  =  22 Karat
750.0 ‰  =  18 Karat
585.0 ‰  =  14 Karat
375.0 ‰  =  9 Karat

Nach wie vor ist also nicht alles Gold, was glänzt. Daher empfiehlt es sich, immer mehrere Angebote einzuholen. Entscheidend ist aber auch, dass man selbst eine ungefähre Ahnung hat, welchen Wert der Schmuck hat. 

Den Goldwert selber schätzen

Im «Kassensturz»-Studio erklärte Paul Marti von der Schweizerischen Edelmetallkontrolle, wie man den Wert eines Schmuckstückes ungefähr bestimmen kann: Ein echter Goldschmuck hat stets einen Kontrollstempel auf der Innen- oder Rückseite. Das ist der sogenannte Feingehalt. Er sagt aus, wie viel Gold eine Legierung enthält. Der Feingehalt wird in Tausendstel angegeben. «Gold 750» bedeutet beispielsweise, dass die Legierung zu ¾ aus Reingold besteht. 

Marge gilt es zu berücksichtigen 

Wiegt das Schmuckstück 10 Gramm, so enthält es also 7,5 Gramm reines Gold. Dann muss man im Internet nur noch den aktuellen Goldpreis in Gramm abrufen und diese Zahl mit 7,5 multiplizieren, und schon ist der ungefähre Goldpreis

berechnet. Allerdings gilt zu beachten, dass man etwas weniger Geld für den entsprechenden Schmuck bekommt, weil der Händler eine Marge braucht. Weitere Tipps rund ums Gold finden Sie in der Broschüre «Echt, unecht oder gefälscht?» von der Schweizerischen Edelmetallkontrolle unter der Rubrik «Mehr zum Thema» (grauer Kasten).