Swisscom zieht analogen Telefonen den Stecker

Die Swisscom möchte bis 2017 alle Festnetz-Kunden zum Telefonieren übers Internet bewegen. Bei Neuabschlüssen und Vertragsänderungen werden Swisscom-Kunden automatisch zur Internet-Telefonie (VOIP) migriert. Ab 2018 haben das analoge Telefonieren und auch Telefone mit Wählscheiben ausgedient.

Das analoge Telefonieren sei nicht mehr zeitgemäss, erklärte der Netzverantwortliche der Swisscom, Heinz Herren, vor den Medien. Da bereits Internetdienste und Digital-TV über das Internet in die Haushalte geleitet würden, sei der Schritt zur Internet-Telefonie logisch.

Damit könnten einerseits Prozesskosten gespart und andererseits neue Dienste angeboten werden.

Ohne Strom geht gar nichts mehr

So könnten Kunden mit Internet-Telefonie bereits heute auf einfache Arte und Weise Nummern sperren lassen, um zum Beispiel lästige Werbetelefone zu unterdrücken.

Mit neuen Telefongeräten ist zudem eine bessere Gesprächsqualität möglich und auf dem Display erscheint der volle Name statt nur die Telefonnummer des Gesprächspartners. In Zukunft könnte ein eingehender Telefonanruf auch auf dem Fernsehbildschirm angezeigt werden.

Um Internet-Telefonie zu nutzen, muss das Telefonkabel nicht mehr in die Telefonbuchse an der Wand, sondern in einen Router eingesteckt werden. Dieses System kennen Kunden von UPC Cablecom und Sunrise bereits.

Der Nachteil: Bei einem Stromausfall oder einem sonstigen Ausfall des Routers funktioniert das Telefon nicht mehr. Das alte Analogtelefon funktionierte unabhängig von der Stromversorgung.

Kein Zwang zum Umstieg

Bereits heute telefonieren 260‘000 Swisscom-Kundinnen und -Kunden über das Internet. Wer weiter analog telefonieren will, kann das weiterhin tun. Man werde niemanden zum Umstieg zwingen, sagt Heinz Herren von der Swisscom.

Neue Bündelangebote mit Internet, Digital-TV und Telefonie gibt es jedoch nur noch mit Internet-Telefonie. Auch bei einem Wechsel zu einem anderen Angebot wird automatisch die Internet-Telefonie aufgeschaltet.

Das Aus für die Wählscheibe – und ISDN
Die Swisscom geht davon aus, dass nicht alle gut 2 Millionen Kunden zum technischen Aufrüsten bewegt werden können. Für die verbleibenden Analog-Telefonierer werde man eine Lösung finden, betonten die Verantwortlichen. Wenn Ende 2017 der Stecker gezogen wird, bedeutet dies auf alle Fälle nicht nur das Aus für alte Wählscheibentelefone, sondern auch für ISDN-Telefone.

Sorgen wegen der Sicherheit der Internet-Telefonie müssten sich Swisscom-Kunden nicht machen, hiess es vor den Medien. Das Swisscom-Netz sei ein geschlossenes Netz, das sich bezüglich Sicherheit wesentlich vom gängigen Internet unterscheide, auf welches Dienste wie z.B. Skype zugreifen würden. Zudem sei eine zusätzlich Verschlüsselung der Telefondaten geplant.