Das Geschäft mit tiefen Autonummern

Autonummern gehören den Kantonen. Und diese holen damit heraus, was möglich ist. Fast alle Kantone verkaufen beliebte, tiefe Nummern oder versteigern sie an den Meistbietenden. Die Deutschschweizer Kantone nahmen damit letztes Jahr fast elf Millionen Franken ein.

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Tiefe Autonummern: So macht der Staat Kasse

6:07 min, aus Kassensturz vom 25.2.2014

Nicola Molinara ist ein Autonarr. Bei seinem Auto muss alles stimmen, bis ins letzte Detail: «Bei der Nummer fängt es an, eine schöne Nummer, die ein bisschen heraussticht gehört an ein schönes Auto», findet er.

Er findet seine Wunschnummer am Taxi von Zdravko Baresic: BE 69, diese Nummer will Nicola Molinara kaufen. Die beiden Männer kommen ins Geschäft. Nicola Molinara ist bereit eine vierstellige Summe zu bezahlen. Nicola Molinara will die Nummer nur noch beim Strassenverkehrsamt umschreiben lassen.

25'000 Franken für «BE 69»

Als er sich auf dem Amt nach dem weiteren Vorgehen erkundigt, staunt er nicht schlecht: «Die Übertragung des Kontrollschilds sollte 25'000 Franken kosten. Das steht in keinem Verhältnis. Der normale Übertrag von einem 4-stelligen Schild kostet 200 Franken.»

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Auktionen und Shops

Hier versteigern und verkaufen die Kantone ihre Nummern:
AG: Zur Auktion
AI: Zum Verkauf
BL: Zur Auktion
BS: Zur Auktion
FR: Zur Auktion
GL: Zum Verkauf
GR: Zur Auktion
LU: Zum Verkauf
SH: Zum Verkauf
SG: Zur Auktion
SO: Auktion / Verkauf
TG: Zur Auktion
UR: Zum Verkauf
VS: Zum Verkauf
ZH: Zur Auktion

Das Gesetz erlaubt dem Kanton bei der Zuteilung einer Wunschnummer eine Sonderabgabe zu erheben. Und dabei orientiert sich Bern an den Marktpreisen «Ein zweistelliges Schild kostet in einer Auktion sonst bis zu 60'000 Franken», verteidigt sich Hanspeter Bütler, Vorsteher der Abteilung Verkehrszulassung im Berner Strassenverkehrsamt. 25'000 Franken seien also nicht utopisch.

Der Handel blüht

Niemand sei gezwungen eine Wunschnummer zu nehmen. Ein normales Kontrollschild aus der Serie kostet nur 45 Franken. Trotzdem blüht der Handel mit speziellen Wunschnummern. Am meisten Geld nehmen die Kantone bei Versteigerungen von Autonummern ein.

Viele grosse Kantone versteigern online laufend tiefe Nummer oder spezielle Nummernkombinationen. Eine Umfrage von «Kassensturz» bei den Kantonen zeigt, dass die Kantone so Millionen einnehmen. In der Deutschschweiz allein nahmen die Kantone so im letzten Jahr elf Millionen Franken ein. Am meisten war es im Kanton Zürich mit 2,5 Millionen Franken.

Das teuerste Schild der Schweiz

Ein besonders lukratives Jahr hat der Kanton St. Gallen hinter sich. Der Kanton machte im letzten Jahr gezielt Autonummern zu Geld. «Wir haben alle eins-, zwei-, drei- und vierstelligen Schilder von den kantonalen und kommunalen Fahrzeugen eingezogen und versteigert», sagt Georges Burger, Direktor des St.Galler Strassenverkehrsamts.

Dabei kamen fast 1,7 Millionen Franken zusammen. Die Feuerwehr der Stadt St.Gallen musste die Nummern «SG 1» bis «SG 20» zwanzig abgeben. Diese werden nun nach und nach versteigert. Im letzten Jahr erzielte «SG 1» in der Versteigerung 135'000 Franken. Neuer Deutschschweizer Rekord. Nur «TI 10» war bislang genau so teuer. «SG 2» brachte über 90'000 Franken ein.

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Solche Summen sind in Zeiten leerer Staatskassen ein willkommener Zustupf. Aus Sicht der Kantone ist der Verkauf sinnvoll, da sie den Marktwert der Nummern nutzen. Viele kleinere Kantone verkaufen bisher Wunschnummern zu fixen Preisen, statt sie zu versteigern.

In vielen Kantonen ist Privaten der Direktverkauf von Autonummern verboten. Nur ein einziger Kanton hält sich aus dem Handel mit Autonummern ganz heraus: «Kontrollschilder können im Kanton Zug seit 1986 frei übertragen werden», schreibt das Strassenverkehrsamt. Autofahrer können also direkt untereinander handeln.