Müssen wir weniger Fleisch essen?

Pro Woche essen Schweizer im Schnitt ein Kilo Fleisch. Fleischskandale und negative ökologische Auswirkungen der Fleischproduktion rütteln Konsumenten auf. Wie viel Fleisch soll man noch essen? «Kassensturz» zeigt auf, welchen Nutzen schon ein fleischloser Tag pro Woche hat.

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Grosse Fleischdebatte: Müssen wir weniger Fleisch essen?

15 min, aus Kassensturz vom 5.3.2013

Pro Kopf und Jahr verbrauchen die Schweizer 53,7 Kilo Fleisch. Der Fleischverbrauch ist in den letzten Jahren etwa gleich geblieben (siehe Grafik).

Der hiesige Konsum hat weltweite Auswirkungen. Denn auch Schweizer Fleisch ist nicht zwingend ökologischer. Ein Beispiel: Die Ackerfläche in der Schweiz reicht für den Futtermittelanbau bei weitem nicht aus. Die Schweiz importiert Futter aus dem Ausland. Noch einmal so viel Ackerland ist im Ausland nötig, um Import-Futter für Schweizer Nutztiere anzubauen. Für die Produktion von Milch, Eiern und Fleisch bräuchten wir also eine «zweite Schweiz».

Nur noch jeden zweiten Tag Fleisch

Was und wie viel könnte die Schweizer Landwirtschaft nach streng ökologischen Kriterien produzieren? Greenpeace hat dieses Szenario durchgerechnet. Die Studie geht unter anderem von der Annahme aus, dass kein Importfutter und kein Kunstdünger verwendet werden dürfte.

Welche Folgen hätte dieses Szenario? Landwirtschaftsexpertin Marianne Künzle führt in der Sendung «Kassensturz» aus: «Wenn die Schweizer Landwirtschaft heute nach ökologischen Kriterien Lebensmittel herstellen würde, hätten wir nur 1/5 weniger Milchangebot, und das Fleischangebot würde sich halbieren.»

Kaum weniger Milch, aber deutlich weniger Fleisch. Die Greenpeace-Mitarbeiterin betont, dass in der Schweiz immer noch beachtlich viel Fleisch produziert werden könnte, doch es brauche eine Reduktion im Konsum. Künzle zeigt auf: «Gegenwärtig ist das ein Kilo pro Kopf und Woche. Neu wäre es noch ein halbes Kilo, das heisst, jeden zweiten Tag auf Fleisch verzichten.»

Was meint die Fleischbranche zu dieser Forderung? Heinrich Bucher von der Branchenorganisation Proviande kann sich einen Importstopp nicht vorstellen. Die ganze Lebensmittelbranche sei abhängig von Importen, betont er. Zudem habe die Schweiz viele Wiesen und Weiden, die nur die Nutztierhaltung bewirtschaften könne. «Wir sind nicht nur im Fleischbereich, sondern ganz allgemein abhängig von Importen bei den Lebensmitteln. Wir produzieren rund 50 Prozent der Lebensmittel im Inland, den Rest müssen wir importieren.»

Zürcher Altersheime führen Vegi-Tag ein

Und was denken die Konsumentinnen und Konsumenten? Sind sie bereit, auf Fleisch zu verzichten? Wäre beispielsweise ein Vegi-Tag pro Woche im Personalrestaurant der Firmen vorstellbar? Ein Experiment in der SRF-Kantine hat gezeigt, dass die Meinungen stark auseinander gehen. Während die einen einen Vegi-Tag gut finden, sprechen die anderen von Bevormundung und wollen ihr Stück Fleisch auf dem Teller.

Ein Vegi-Tag in der Kantine: Die einen finden's gut, die andern eine Katastrophe:

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Fleischloser Tag: Die Meinungen gehen auseinander

1:33 min, aus Kassensturz vom 5.3.2013

Die Senioren machen es vor. Im Zürcher Altersheim Klus Park ist jeder Donnerstag Vegi-Tag. Zum Frühstückskaffee gibt es keinen Aufschnitt, am Mittag gibt es nur fleischlose Menus und auch am Abend essen die Senioren vegetarisch. Seit fast zwei Jahren gibt es den Vegi-Tag im Heim.

Den Anstoss dazu gab Laurent Schönherr von der Heimverwaltung. «An einem Tag sparen wir 17 Kilo Fleisch ein. Das sind aufs Jahr gerechnet rund 900 Kilo, die wir weniger verbrauchen», rechnet Schönherr vor. Mit dem eingesparten Fleisch will das Heim einen Beitrag zur Schonung der Ressourcen leisten. Denn die Folgen des Fleischkonsums sind enorm.

Doch eine neue Tendenz ist in Sicht: Das Beispiel vom Altersheim Klus Park macht scheinbar Schule. Bis im Sommer will die Leitung der Zürcher Altersheime in allen Heimen einen Vegi-Tag einführen.

Welche Auswirkungen hätte ein Vegi-Tag pro Woche? «Kassensturz» zeigt ein paar Beispiele.

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Studiogespräch mit Simon Peter, Agrarökonom ETH

5:34 min, aus Kassensturz vom 5.3.2013