Aufgedeckt: «Elmer schert aus», der wahre Krimi zum Bankgeheimnis

Rudolf Elmer war der erste Banker, der elektronische Bankdaten weiterverbreitete. Dafür verlor er den Job, die Freiheit & fast den Verstand. WOZ-Journalist Carlos Hanimann deckt in seinem Buch «Elmer schert aus» ein gut gehütetes Geheimnis auf. Der Anfang vom Ende des Schweizer Bankgeheimnisses.

Carlos Hanimann & Nora Zukker
Bildlegende: Carlos Hanimann & Nora Zukker SRF 3

Rudolf Elmer wird bei der Privatbank Julius Bär entlassen. In seinem Gepäck die gesamten Kundendaten. Die Traditionsbank ver­liert ihre beiden teuersten Schätze: Verschwiegenheit und Vertrauen. Rudolf Elmer trifft auf die Macher von WikiLeaks. Der Anfang vom Ende des Schweizer Bankgeheimnisses. 

Entlassung bei der Bank Julius Bär. Elmer nimmt die Kundendaten mit

Rudolf Elmer steigt auf: Vom Arbeiterkind aus einem Zürcher Industriequartier zum Chief Operating Officer der Privat­bank Julius Bär auf den Cayman Islands. 1994 schickt ihn sein Chef auf die Cayman Islands, wo er zeitweise 40% des Umsatzes der Julius Bär Holding erwirtschaftet. Rudolf Elmer wurde zum Hurricane Man, er hatte den Laptop mit allen aktuellen Daten drauf. So hätte er im Fall einer Evakuation weiterarbeiten können. Jeden Abend sicherte Elmer die Kundendaten und nahm sie mit nach Hause. Später wurden diese Daten seine Lebensversicherung, wie er sie nannte.

Dann die Entlassung, die Rudolf Elmer den Boden unter den Füssen wegzieht. Seine Kränkung kennt keine Grenzen. Einig werden sich Rudolf Elmer und die Julius Bär Bank nicht. Es bleibt beim offenen Konflikt. Elmer verlässt das karibische Steuerparadies mit einem brisanten Gepäckstück: den gesamten Kundendaten. Die Traditionsbank ver­liert ihre beiden teuersten Schätze: Verschwiegenheit und Vertrauen. Rudolf Elmer kostet es beinahe den Verstand. Denn Detektive verfolgen und beschatten ihn. Dann trifft der Banker auf die Macher einer Website, die zu dieser Zeit noch kaum jemand kennt: WikiLeaks. Es ist der Anfang vom Ende des Schweizer Bank­geheimnisses.

Für die einen ein Held. Für die anderen ein Verräter

Seit über zehn Jahren beschäftigt der Fall Elmer Medien, Bankplatz und Justiz. Für die einen ist Rudolf Elmer ein Held, für die anderen ein Verräter. Ein Held, der sich gegen das System stellt, dem er jahrzehntelang gedient hatte. Ein Verräter, weil die meisten ihn als Datendieb, einen Rächer sehen, der Bankkundeninformationen als Druckmittel gegen seine ehemaligen Chefs einsetzte. Die Wahrheit liegt bekanntlich irgendwo dazwischen. Was aber auffällt, die Person Rudolf Elmer wird viel stärker in die Öffentlichkeit gezerrt, als seine Enthüllung. Und das ist wiederum Stoff für ein Buch, hat sich der Journalist Carlos Hanimann gedacht, alles aufgeschrieben und so Rudolf Elmer eine Stimme gegeben.

Carlos Hanimann gelingt ein süffiges Buch zur Gegenwart

Carlos Hanimann ist Journalist in Zürich. Seit 2008 arbeitet er als Redaktor für die Wochenzeitung WOZ. Zuvor schrieb er für das ST. GALLER TAGBLATT. 2010 gewann er den Ostschweizer Medienpreis für eine Reportage im Kulutrmagazin SAITEN. Er ist Mitbegründer und Autor des berüchtigten Polit-Blogs NATION OF SWINE. Mit seinem Buch zum Fall Elmer gelingt ihm eine Geschichte, die so wahr ist, dass man sie im ersten Moment gar nicht glauben will. Wer ein derartes Gespür für das Aufbereiten von Fakten hat, dass sie eigentlich zu einem Krimi werden, der weiss, wie man Geschichten erzählt.

Carlos Hanimann ist ein ausgesprochen bemerkenswertes Buch gelungen.

Elmer schert aus
Carlos Hanimann
Echtzeit Verlag, 144 Seiten
ISBN: 978-3-905800-43-2

Autor/in: Nora Zukker