Hörbuch: Vom Nischenprodukt zur angesagten Kunstform

Das Hörbuch ist schon seit einigen Jahren kein Nischenprodukt für Senioren, Sehbehinderte oder passionierte Fans mehr, sondern eine salonfähige, angesagte Kunstform. Das Buch fürs Ohr ist populär und wer nicht lesen mag, muss deswegen nicht auf gute Geschichten verzichten.

Nora Zukker
Bildlegende: Nora Zukker SRF 3

In Buchläden nehmen Hörbücher ganze Wände ein und aus den CD-Regalen in Wohn- und Kinderzimmern sind sie ebenfalls kaum noch wegzudenken. Sogar im Kino wird für das Hören geworben und neuerdings erscheinen einige Hörbücher zeitgleich mit dem eigentlichen Buch.

Wie ist das genau mit dem Hörspiel?

Liest der Autor sein eigenes Buch vor? Da gibt es doch auch Bücher, die von Schauspielern gelesen werden. Und was ist mit den Hörspielen? Neben Romanen für alle Altergruppen werden auch Sachthemen, Lyrik und Kurzgeschichten vertont. Mal vom Autor selbst und mal von einem anderen versierten Sprecher vorgetragen. Besonders populär sind Texte, denen eine bekannte Stimme aus Film oder Fernsehen zu frischem Leben verhilft. Oft musikalisch untermalt, bewegen sich diese Hörbücher ganz nah am Ur-Buch, es wird höchstens hier und da etwas gekürzt. Genres wie Krimi und Thriller, aber auch Klassiker der grossen Literatur, werden gern als Hörspiel dramaturgisch aufgearbeitet. Auch hier sind prominente Sprecher nicht selten. Einen besonderen Charme haben auch neu aufgelegte Original-Tondokumente von Schauspielern oder Autoren, wie etwa die Rezitationen Kinskis oder die Gedichte und Prosa Hermann Hesses oder Erich Kästners, zu hören in ihren eigenen Stimmen.

20- bis 35jährige lieben Hörspiele

Hauptzielgruppe und -abnehmer der Hörbuch Verlage sind die 20- bis 35jährigen. Möglicherweise, weil viele von ihnen durch oft jahrelangen Hörspielkonsum in der Kindheit im Lauschen geschult wurden. Damals dröhnten die Stimmen von Tarzan, Karl und Klösschen aus dem Kassettenrekorder. In den letzten Jahren erlebte nicht nur das Hörbuch einen Boom, auch das Kinderhörspiel wurde wieder entdeckt. Allen voran natürlich die Drei ???, deren Sprecher heute vor ausverkauften Häusern ihre Kriminalfälle live lösen. Die Flohmarktpreise für die alten Tonträger steigen stetig und in Internetforen findet ein reger Austausch über den Rückfall in die Kindheit statt.


Meine Top Five Hörbuchperlen

1. Das Känguru-Manifest von Marc-Uwe Kling geschrieben & gelesen. Achtung: Wer dieses Hörbuch liebt, will anschliessend auch ein sprechendes Känguru zum Freund haben.

2. Ich sehe was, und das ist tot. Der Thriller-Bestseller von Karen Sander. Gelesen von Oliver Siebeck. Der Mann hat die perfekte Stimme für das Unheimliche!

3. Am Beispiel meines Bruders von Uwe Timm. Erst nach dem Tod von Mutter und Schwester fühlt sich Uwe Timm frei genug, über seinen älteren Bruder zu schreiben, der sich 1942 freiwillig zur SS-Totenkopfdivision gemeldet hatte und nicht mehr zurückkehrte. Geht verdammt unter die Haut! Gelesen von Gert Heidenreich.

4. Small World der Bestseller von Martin Suter. Gelesen von Dietmar Mues.

5. Darm mit Charme der Bestseller von Giulia Enders, die damit dem Tabu ein Ende setzt und explizit vom Darm erzählt.

Autor/in: Nora Zukker