Musik machen als Zeichen von Freiheit – Arabische Musiker im Exil

  • Freitag, 24. Juni 2016, 21:00 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 24. Juni 2016, 21:00 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Sonntag, 26. Juni 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Angesichts von Krieg, Zerstörung, Terror und Tod scheint Kunstausübung sinnlos zu werden. Hunderte von arabischen Musikern flohen ins Ausland, wählten das Exil, um weiter Musik machen zu können.

Porträt des syrischen Klarinettist Kinan Azmeh.
Bildlegende: Der syrische Klarinettist Kinan Azmeh ist einer von vielen Musikern, die ins Ausland fliehen mussten. Imago/ Seeliger

Der irakische Komponist und Sänger Saad Thamir aus Bagdad lebt heute in Köln, der syrische Klarinettist Kinan Azmeh aus Damaskus in New York. Ihre Musik hat sich verändert. Wie und warum erzählen sie in dieser Sendung und mit ihrer Musik.

Kinan Azmeh wuchs in Damaskus zunächst mit klassischer Musik auf. Mit 21 Jahren gewann er als erster arabischer Musiker den Nikolai-Rubinstein-Preis. An der bekannten Juilliard School in New York setzte er sein Klarinettenstudium fort. «Vielleicht habe ich durch meine Jahre in den USA mein Faible für den Jazz entdeckt. Vielleicht bin ich aber auch arabischer geworden, weil ich Syrien vermisse». Er gründet das Trio Hewar (Dialog), spielt «Syrian Jazz» mit seiner Kinan Azmeh City Band und ist seit Jahren festes Mitglied in Yo-Yo Mas weltberühmtem Silk Road Ensemble. Sein letztes Konzert in Damaskus war im Mai 2012. Was in Syrien passiert, ist für ihn die grösste menschliche Tragödie seit dem Zweiten Weltkrieg. Was bedeutet weltoffenen Musikern das Exil? Saad Thamir sieht es als Chance.

In der irakischen Kultur fühlte sich der in klassisch-arabischer Maqam-Musik ausgebildete Komponist oft fremd wie im Exil. Deutschland wurde ihm zur Heimat, weil er hier die Freiheit fand, seine eigene Musik zu schaffen, und ein Publikum, das ein Ohr dafür hat. 2002 gründet er die Gruppe Lagash und 2005 die Gruppe Ahoar, die ein Jahr später den bundesdeutschen Weltmusikwettbewerb Creole gewinnt. Er komponiert Chorwerke, Suiten, Ensemblestücke, in denen westliche und arabische Elemente einen neuen Zusammenhang bilden, aber kein Element das andere dominiert. «Ich nehme einen uralten Stoff und nähe daraus ein neues Hemd», beschreibt er seine Arbeitsweise.

Redaktion: Wolfgang Hamm