Murmeltiere: Zwerge mit Pfiff

  • Donnerstag, 22. Mai 2014, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 22. Mai 2014, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 23. Mai 2014, 1:51 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 23. Mai 2014, 11:16 Uhr, SRF 1

Wer im Sommer in den Bergen wandert, kennt die drolligen Nager und ihre Pfiffe: Alpenmurmeltiere sind ein Wahrzeichen der alpinen Fauna. Trotzdem ist vieles über die Lebensweise der Murmeltiere unbekannt. «NETZ NATUR» zeigt die spannende Geschichte einer Munggenfamilie in den Sankt Galler Alpen.

Gerade geht die Sonne in der idyllischen Bergwelt auf der Potersalp auf. Kühe erheben sich, beginnen zu weiden. Frisch und munter verlassen auch die jungen Murmeltiere ihren Bau, schnuppern die kühle Bergluft und treffen sich zum grandiosen Spiel. Ihre Mutter «Dünnschwanz» ist wachsam - sie ist ein Tier mit einem besonderen Schicksal. Hier sind Murmeltiere an Wanderer und Biker gewöhnt.

Der Sankt Galler Tierfilmer Jost Schneider ging noch einen Schritt weiter und gewöhnte die Tiere durch seine monatelangen, geduldigen Dreharbeiten so gut an seine Nähe, dass er mit der Kamera intime Szenen aus dem Familienleben der pelzigen Kobolde dokumentieren konnte: etwa wie die Heiterkeit in der Morgensonne nicht lange anhält - schrille Pfiffserien des Vaters durchbrechen die friedliche Stimmung. Blitzschnell verschwindet die ganze Bande in ihrem Bau - diesmal ist noch alles gut gegangen. Der Fuchs zieht sich zurück.

Auch auf bis zu 3000 Meter über Meer leben Alpenmurmeltiere - auf einem Felssporn, umgeben von Gletscher. Jost Schneider ist es gelungen, sich auch mit ihnen anzufreunden. In dieser hochalpinen Lage wird klar, dass die Murmeltiere als Pflanzenfresser den Winter im kargen und eisigen Gletschergebiet ohne den sechs- bis achtmonatigen Winterschlaf nicht überstehen würden. Im kurzen Bergsommer bleibt ihnen nur sehr wenig Zeit für Fortpflanzung, Jungenaufzucht, Fettpolster anfressen und für die Bauarbeiten an ihren unterirdischen Behausungen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Mutter «Dünnschwanz» war erfolgreich und hat sechs Jungtiere zu Welt gebracht. Sie ist das dominante Weibchen dieser Familie. Nur sie erzeugt Nachkommen, gäbe es da nicht noch ein anderes Familienmitglied, das ihre Position ergattern möchte. Ein dramatischer Streit ist programmiert.

Murmeltiere stammen ursprünglich aus Nordamerika und breiteten sich vor Jahrmillionen während der Eiszeit nach Asien und weiter nach Europa aus. Sie sind ursprünglich Bewohner arktischer Steppen und wurden mit der Klimaerwärmung nach der Eiszeit in Europa in die hohen, kühlen Lagen der Alpen abgedrängt. «NETZ NATUR» lädt zu einer spannenden Reise ins Reich der Murmeltiere und führt durch eine heitere Naturgeschichte, die auch ihre dramatischen Seiten hat: Seit je werden Murmeltiere in der Schweiz gejagt, wobei heute jährlich mehr als 10 000 Tiere erlegt werden. Nach wie vor wird das Murmeltierfleisch als Ragout zubereitet und das Murmeltieröl oder -fett als Heilmittel genutzt. Trotz vieler Verluste durch die Jagd und durch natürliche Feinde wie Steinadler, Fuchs oder Luchs gedeihen die Murmeltiere in den Alpen prächtig und bereiten vielen Wanderlustigen in den Bergen immer wieder Freude.

NETZ NATUR