Aus der Welt heraus. Wolfgang Rihms grosses neues Requiem

«Wenn ich nach Mut gefragt werde, kann ich nie antworten. Dieses Denken setzt voraus, dass man weiss, was man tut. Ich handle im Komponieren sehr intuitiv und versuche etwas zum Ausdruck zu bringen, das mich bewegt, von dem ich aber nicht genau weiss, warum es mich bewegt.»

«Zu wissen, was das Richtige ist und es den anderen vermitteln, ist für mich eine absolut unkünstlerische Haltung. Ich schreibe ein Stück aus einer Lebenssituation, aus Ungewissheiten heraus. Und auch mit einem Wissen, dass ich mit meiner Antwortfähigkeit nicht hinlangen werde. Ich bin nicht hinlänglich. Allein das zu spüren, scheint mir die richtige Voraussetzung, um eine Requiem-Komposition überhaupt zu riskieren.»
(Wolfgang Rihm)

Der Epilog vertont die Strophen von Hans Sahl:
Ich gehe langsam aus der Welt heraus
in eine Landschaft jenseits aller Ferne,
und was ich war und was ich bin und was ich bleibe
geht mit mir ohne Ungeduld und Eile
in ein bisher noch nicht betretenes Land.

Ich gehe langsam aus der Zeit heraus
in eine Zukunft jenseits aller Sterne,
und was ich war und was ich bin und immer bleiben werde
geht mit mir ohne Ungeduld und Eile,
als wär ich nie gewesen oder kaum.

Wolfgang Rihm: Gruss–Moment 2 für Orchester, in memoriam Pierre Boulez (2016)

Wolfgang Rihm: Requiem-Strophen
für Soli, gemischten Chor und Orchester (2015/2016)
Kompositionsauftrag der musica viva des Bayerischen Rundfunks
Uraufführung
1. Teil: I. Initial, II., III. Kyrie
2. Teil: IV. Sonett I, V.a Psalm, VI. Sonett II, V.b Psalm, VII. Sonett III
3. Teil: VIII., IX. Lacrimosa I, X. Sanctus, XI.
4. Teil: XII. Lacrimosa II, XIII. Agnus Dei, XIV. Epilog

Mojca Erdmann, Sopran
Anna Prohaska, Sopran
Hanno Müller-Brachmann, Bassbariton
Chor des Bayerischen Rundfunks
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Konzert vom 31.03.17, Herkulessaal München (Festival musica viva)

Redaktion: Florian Hauser