Dauerkatheter sind praktisch, aber heikel

In der Schweiz trägt jeder vierte Spitalpatient einen Dauerkatheter, der den Gang zur Toilette erspart. Oftmals könnten diese früher entfernt werden oder wären gar nicht nötig – was viele vermeidbare Harnwegsinfektionen verhindern würde.

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Harnkatheter – Wirklich immer nötig?

4:07 min, aus Puls vom 15.9.2014

Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten spital-erworbenen Infektionen. Der wichtigste Risikofaktor ist der Dauerkatheter: Über 80 Prozent der Betroffenen hatten vorgängig einen solchen.

Bleibt ein Dauerkatheter eine gewisse Zeit lang an Ort und Stelle, ist es unvermeidbar, dass Bakterien die Harnwege besiedeln. Mit jedem Tag steigt das Risiko einer Infektion so um drei bis acht Prozent. Folglich hat nach fünftägigem Dauerkatheter-Einsatz schon die Hälfte der Patienten eine bakterielle Besiedlung der Harnwege, die zu einer Harnwegsinfektion führen kann.

Weglassen schützt am besten

Einfache Massnahmen könnten helfen, Harnwegsinfektionen zu vermeiden und somit auch den Antibiotika-Einsatz zu reduzieren: Dauerkatheter sollten nur eingesetzt werden, wenn sie unumgänglich sind – und die Liegedauer sollte möglichst kurz sein.

Die zurückhaltende Verwendung von Dauerkathetern ist bislang die erfolgversprechendste Massnahme, um solche Harnwegsinfektionen zu vermeiden – routinemässiger Wechsel und eine prophylaktische antibiotische Therapie zeigen hingegen keinen nachweislichen Nutzen.

Viele Patienten ziehen den Katheter Alternativen wie Einlagen, Windeln und dem Topf vor. Fakt ist aber: Den Katheter schon ein bis zwei Tage früher zu entfernen, ist eine effektive Massnahme, um Urininfekte zu verhindern. Pflegepersonal, Ärzte wie auch Patienten sollten sich also fragen: «Braucht es den Katheter wirklich (noch)?»

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