Im Stall mit Globuli statt Antibiotika

Schweizer Bauern sollen ihre Tiere künftig weniger oft mit Antibiotika behandeln, fordert der Bund und sucht Alternativen. Jeder fünfte Bauer setzt heute schon auf Homöopathie im Tierstall.

Rinder in einem Stall. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Bund will den Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren reduzieren. imago

Impfen, das wäre eine Lösung, um den Einsatz von Antibiotika im Stall zu verringern. Der Bund prüft aber noch ganz andere Massnahmen – die Alternativmedizin zum Beispiel. So könnten Bauern künftig auch entschädigt werden, wenn sie auf Homöopathie setzen.

Viele Schweizer Bauern geben ihren Kühen, Säuen oder Hühnern schon heute «Chügeli» und «Tröpfli». So auch Karl Wyrsch, der Leiter des Gutsbetriebs der Thurgauer Bauernschule auf dem Arenenberg.

Homöopathie im Stall

4:05 min, aus Rendez-vous vom 23.02.2015

Wenn sich bei einem Tier gesundheitliche Probleme abzeichnen, ruft er bei Bedarf den homöopathischen Beratungsdienst «Kometian» auf den Platz. Das St. Galler Projekt ist vor drei Jahren von Werner Ammann gegründet worden. «Bei uns steht die Reduktion des Antibiotika-Einsatzes im Fokus. Dafür greifen wir vor allem auf Homöopathie zurück, aber es kommen auch pflanzliche Mittel zum Einsatz», erklärt Ammann und betont: «Ich staune immer wieder von Neuem, was sich damit erreichen lässt.»

Der Bauer aus dem Toggenburg hat sich der alternativen Tiermedizin verschrieben, weil er damit gute Erfahrungen gemacht hat. «Ich habe schon vor 20 Jahren im Schweinestall Resistenzen erlebt und gemerkt, dass ich etwas komplett ändern muss.» Die Alternativen: Entweder aufhören mit der Schweinezucht oder auf ganz andere Weise für die Gesundheit der Tiere sorgen.

Seit zehn Jahren verabreicht Werner Ammann den Kühen und Schweinen auf seinem Hof nun keine Antibiotika mehr. Von seiner Erfahrung profitieren mittlerweile 220 Bauernhöfe in 16 Kantonen – 30 mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt setzt in der Schweiz jeder fünfte Landwirt auf Homöopathie. Ammann geht es nicht darum, die Schulmedizin zu verteufeln, sondern dort auf komplementäre Medizin zu setzen, wo es Sinn mache, erklärt er.

Etwas Skepsis bleibt

Entzündete Euter bei Milchkühen, Wehenstillstand bei Geburten, verstauchte Beine, Hautauschläge und vieles mehr könne gut mit Globuli, den homöopathischen Kügelchen, geheilt werden. Die Schulmedizin aber bleibt skeptisch. Und viele Bauern, die den homöopathischen Beratungsdienst für ihre Tiere in Anspruch nehmen, seien auch heute noch unsicher, gibt Karl Wyrsch vom Gutsbetrieb Arenenberg zu. «Die Angst, dass man etwas nicht richtig macht, besteht natürlich schon. Da zieht man im Zweifelsfall schnell den Schulmediziner bei.»

Auch Werner Ammann ging es anfänglich so. Seine Angst sei nun aber einer Ruhe gewichen, konstatiert der Leiter des Komplementär-medizinischen Tierheil-Angebots für Landwirte. Dies deshalb, weil er überzeugt sei, dass sich jedes Tier mit der natürlichen Unterstützung durch Globuli selber heilen könne und meist kein Antibiotikum brauche, um gesund zu werden.

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