Schlafapnoe – Weniger Maskenfrust dank Telemedizin

Patienten mit nächtlichen Atemaussetzern behandelt man in erster Linie mit der so genannten CPAP-Behandlung. Die hochwirksame Therapie kann aber unangenehm für Patienten sein. Rund 30 bis 40 Prozent lehnt die Maske früher oder später ab. Telemonitoring könnte der hohen Ausfallquote entgegenwirken.

Ältere Frau mit Maske auf der Nase, die am Gesicht mit Riemen festgezurrt ist und zu der ein grosser und ein kleiner Schlauch führen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die CPAP-Maske ist hoch wirksam, aber gewöhnungsbedürftig. SRF

Sie stört im Gesicht, es entstehen Druckstellen, die Schläuche sind im Weg und das Gerät macht Lärm. Die Rede ist von der so genannten CPAP-Therapie («Continuous Positive Airway Pressure»). Bei der Behandlung trägt der Patient während des Schlafens eine Gesichtsmaske. Über einen Schlauch pumpt ein Gerät neben dem Bett Raumluft in die Maske und so entweder über den Mund oder über die Nase in die Lunge.

Das kleine Atemgerät erzeugt einen konstanten Druck auf die Atemwege, wodurch der Kollaps der oberen Atemwege und damit die nächtlichen Atempausen gestoppt werden können. Eine hochwirksame und effektive Therapie, die bei richtiger Indikation und richtiger Anwendung bereits nach der ersten Nacht wirkt. Die Therapie ist so erfolgreich, dass sie zum Goldstandart wurde in der Behandlung von Schlafapnoe.

Neben den erwähnten Vorteilen hat die CPAP-Maske auch einen Nachteil: Wer will schon bis ans Ende des Lebens mit einer solchen Maske ins Bett?

Telemedizin ist wichtig in der Anfangsphase

Rund 30 bis 40 Prozent der Patienten brechen früher oder später die Therapie ab. Schwierig ist vor allem die Anfangsphase für neue Patienten. «Es hat sich gezeigt, dass die ersten vier Wochen entscheidend sind für den langfristigen Erfolg der Therapie,» sagt Pneumologe Otto Schoch vom Kantonsspital St. Gallen.

Schlafapnoe – Was hilft?

23 min, aus Puls vom 19.1.2015

Gewöhnen sich Patienten in dieser Zeit nicht an die Maske oder treten sogar Nebenwirkungen wie trockene Schleimhäute oder Druckstellen und andere Störfaktoren auf, bestehe die Gefahr, dass die Therapie abgebrochen wird. Um diese Probleme frühzeitig zu erkennen und der Maskenabweisung entgegen zu wirken, könnte eine neue Technologie zum Einsatz kommen – die Telemedizin.

Die heutigen CPAP-Geräte sind nicht nur Beatmungsgeräte, sondern auch kleine Computer. Sie sammeln Daten zur Tragzeit der Maske, messen, ob Luft aus der Maske entweicht und stellen fest ob die krankmachenden Atemaussetzer unter Therapie tatsächlich verschwunden sind. Dies sind alles Faktoren, die für den Erfolg einer CPAP-Behandlung sehr wichtig sind.

Der Vorteil der telemedizinischen Begleitung für Patienten liegt darin, dass das CPAP-Gerät die Daten direkt an ein Zentrum oder den behandelnden Arzt senden kann. Wird die Maske vom Patienten in der Nacht nur kurz getragen oder sehen andere Werte verdächtig aus, wird das vom Gerät festgestellt und via Telemonitoring aufgezeichnet. Je nach Vereinbarung kann das Spital proaktiv auf den Patienten zugehen und Hilfe anbieten.

Pilotprojekt der Lungenliga

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Was ist Schlafapnoe?

Bei den nächtlichen Atemaussetzer kollabieren verschiedene Stellen im Rachenbereich komplett zu, so dass die Atmung mehrmals pro Stunde für kurze Zeit unterbrochen wird. Tagesmüdigkeit ist eines der Hauptsymptome. Zusätzlich haben Patienten mit Schlafapnoe oft Bluthochdruck, was zu einem erhöhten Risiko für Herzkreislaufkrankheiten führen kann.

Die Hilfe kann unterschiedlicher Art sein. Zum Beispiel kann eine nicht passende Maske ausgewechselt werden oder es können Tipps gegeben werden, wie mit der Maske umzugehen ist. Eine Vergleichsstudie, die am Kantonsspital St. Gallen durchgeführt wurde, zeigte die Vorteile der neuen Methode auf: «Patienten, die in der Anfangsphase mit Telemonitoring begleitet wurden, fühlten sich sicherer als Patienten ohne die technische Unterstützung», sagt Schoch. Viele Patienten schätzten die intensive Betreuung, so der leitende Arzt der Pneumologie.

An der neuen Technologie ist auch die Lungenliga Schweiz interessiert. In der Schweiz geben die kantonalen Lungenligen einen Grossteil der CPAP-Geräte an die Patienten ab. Zusätzlich betreut sie auch die Patienten im Umgang mit der Maske und wartet die Geräte. «Gerade weil die Anfangsphase entscheidend ist für den Fortgang der Therapie, könnte die Telemedizin ein interessantes Instrument für uns als Gesundheitsdienstleister werden,» sagt Philippe Giroud von der Lungenliga Schweiz.

Potenzial sieht er beispielsweise auch bei der Jahreskontrolle. Wenn eine Woche vor dem Kontrolltermin das Telemonitoring eingeschaltet wird, könne die Lungenliga die Therapiedaten herunterladen, interpretieren und diese bei allfälligen Auffälligkeiten bereits mit dem zuweisenden Pneumologen vorbesprechen. «Es würde letztlich der Patient von einer effizienten Kontrolluntersuchung profitieren,» so der Bereichsleiter der Heimtherapie.

Er betont aber, dass man derzeit in der Testphase stehe und die Technik noch nicht in allen kantonalen Ligen im Einsatz sei. Zudem würden in der Schweiz noch nicht alle Gerätehersteller solche Lösungen anbieten.

Kritik an der Telemedizin

Am Kantonsspital St. Gallen läuft bereits die nächste Studie zum Einsatz der Telemedizin. Weitere Beweise für eine bessere Wirksamkeit des Telemonitorings gegenüber der bisherigen Betreuung sind gesucht. Denn unter Pneumologen gibt es auch skeptische Stimmen. Schoch sagt: «Der Datenschutz bei der Telemedizin ist ein grosses Thema unter den Berufskollegen.»

Tabelle mit Namen und farbigen Kästchen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Nutzung der CPAP-Maske wird für jeden angeschlossenen Patienten laufend erfasst und ausgewertet. resmed

Viele befürchten, dass Krankenkassen die Daten der CPAP-Geräte verlangen könnten und so selber über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, sagt Schoch. Das Gerät habe eben auch eine Art Überwachungsfunktion, denn es zeichnet auf wie lange der Patient die Maske trägt.

Für Schoch überwiegen die Vorteile. Patienten werden aufgeklärt und müssen ihr Einverständnis geben für eine Überwachung mit Telemonitoring. Daten aus dem System gehen keine an die Krankenkassen. «Bisher konnten wir kein erhöhtes Interesse der Versicherungen feststellen», so Schoch. Und wenn doch einmal die Versicherungen Interesse zeigen, dann würden sie nur eine globale ärztliche Einschätzung zu einem Patienten geben – auf keinen Fall aber die Daten aus dem Telemonitoring.

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