Was uns aufrecht hält, kann uns auch quälen

Die Faszien, der weiche Teil des Bindegewebes, wurden von der Medizin lange unterschätzt. Mittlerweile interessieren sich aber immer mehr Forscher für sie, denn verletzte oder vernachlässigte Faszien könnten ein wichtiger Grund für unspezifische Rückenschmerzen sein.

Drückfigur in gespanntem und entspanntem Zustand: Stramm stehend und formlos in sich zusammengesunken. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schlaff statt straff: Die Wackelgiraffe zeigt anschaulich, was passieren würde, wenn wir keine Faszien mehr hätten. drahkrub

Kennen Sie die kleinen Spielzeugfiguren, die in sich zusammenfallen, wenn man auf einen Knopf unten drückt? Hätten wir keine Faszien, würde mit uns dasselbe passieren. Oder ein anderes Beispiel: Nähme man alle Muskeln, Knochen, Organe, Haut und Haar weg – liesse man also nur den Faszienapparat des Körpers übrig –, würde man noch immer unsere ganze Gestalt und sogar das Geschlecht erkennen können.

Faszien sind überall in unserem Körper, halten Muskeln und Organe, schützen sie, verbinden sie mit den Knochen. Die Medizin hat das Bindegewebe lange unterschätzt und nur auf seine Haltefunktion reduziert. Dabei kann es noch weit mehr: Die Faszien sorgen für unsere Beweglichkeit und für unser Wohlbefinden, sofern sie gesund und geschmeidig sind!

Sind die Faszien verletzt, verkrampft, über- oder unterbelastet, verhärten sie, und wir haben Schmerzen. Seit einigen Jahren geht man auch davon aus, dass sie sogar der Grund für unspezifische Rückenschmerzen sein könnten. Von Schmerzen ohne klaren Grund sind immerhin 80 Prozent aller Rückenschmerz-Patienten betroffen.

Bewiesen ist vieles noch nicht, das Interesse an den Faszien ist in den letzten Jahren aber extrem stark angestiegen. Sicher sind mit dem Wissen über die Faszien nicht alle medizinischen Fragen gelöst. Sie sind, wie Fachleute betonen, nur ein Mosaikstein in der Schmerztherapie – aber ein wichtiger.

Tipps für geschmeidige und elastische Faszien

  • Therapieformen wie Yoga, Osteopathie, Akupunktur und Massagen: Werden die Faszien gestreckt und massiert, bleiben sie elastisch.
  • Selbstmassage mit den Händen, punktuell mit einem Tennisball oder flächig mit Geräten wie Schaumstoffrollen (Foamrolls): Zum Beispiel nach dem Training als Regeneration oder vor dem Training oder Wettkampf als Teil des Aufwärmens.
  • Schwunggymnastik aus den früheren Zeiten: Armschwingen, (Seil-)Springen und Wippen aktiviert die Faszien.

Faszientraining kann von jedermann in den Alltag eingebaut werden. Bei akuten Verletzungen, Zerrungen oder nach einer Operation sollte man allerdings besser davon absehen. Bei Leiden wie Osteoporose oder einem Bandscheibenvorfall sollte zur Sicherheit der Arzt konsultiert werden.