Apfelallergie – Alte Sorten sind verträglicher

Was Obst-Fans das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt, können Allergiker nur mit Wehmut betrachten: Für sie wird die Lust auf Äpfel schnell zum Frust. Doch der Genuss muss ihnen nicht zwingend verwehrt bleiben.

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Apfelallergie

5:21 min, aus Puls vom 27.10.2014

Die Apfelallergie ist eine klassische Kreuzallergie: 70 Prozent aller Birkenallergiker beispielsweise vertragen auch Äpfel nicht und reagieren mit Juckreiz und Brennen in Mund und Gaumen. Nur selten sind die Symptome gravierender. Der Grund für die Kreuzallergie: Das Birken-Hauptallergen ist strukturell verwandt mit dem von Äpfeln.

Offenbar ist es gekoppelt an den Polyphenolgehalt von Äpfeln. Denn die Sorten mit einem hohen Gehalt des Pflanzenstoffs sind für Allergiker besser bekömmlich.

Das sind vor allem die alten Apfelsorten, bei denen noch nicht darauf geachtet wurde, ob sie schnell braun werden oder nicht. Weil man diesen natürlichen Alterungsprozess vermeiden will, hat man in jüngeren Kreuzungen besonders darauf geachtet, dass das Obst immer möglichst frisch aussieht und demzufolge wenig Polyphenol enthält – sehr zum Leidwesen von Allergikern.

Ausgebremstes Allergen

Den Zusammenhang zwischen Polyphenolen und Allergenen stellte eine Forschungsarbeit her: Für sie verglich der Autor die Polyphenolgehalte ausgewählter Apfelsorten mit den Ergebnissen mit einer statistischen Erhebung zur Verträglichkeit verschiedener Apfelsorten für Allergiker.

Es zeigten sich Parallelen: Beispielsweise erschien es so, als hemme ein hoher Polyphenolgehalt das Hauptallergen des Apfels, das dann keine Symptome mehr auslöst.

Zwei Auszüge der Erhebung:

Für Allergiker weniger geeignete Apfelsorten

Apfelsorte

Meldung von Allergikern

(verträglich/unverträglich)
Gesamt-Polyphenolgehalt
in mg/kg Frischgewicht
Jahr
der Entdeckung
Breaburn5/305591952
Elstar9/30?1972
Gala1/19?1960
Golden Delicious2/395831890
Granny Smith0/332741868
Jonagold3/314581968

Für Allergiker geeignete Apfelsorten

Apfelsorte

Meldung von Allergikern

(Verträglich/unverträglich)
Gesamt-Polyphenolgehalt
in mg/kg Frischgewicht
Jahr
der Entdeckung
Adamsapfel5/11057Ca. 1826
Alkmene40/4?1930
Berlepsch33/2?1952
Berner
Rosenapfel
7/0?1870
Champagner
Renette
6/12631799
Goldparmäne41/714651510
Gravensteiner23/6?1795
Kaiser
Wilhelm
13/25481841
Ontario12/0?1820
Prinz
Albrecht von Preussen
26/0?1865
Roter
Boskoop
27/614291860
Roter
Eiserapfel
2/013161545
Santana26/5?1998
Schöner
aus Boskoop
22/37541856
Usterapfel6/0?1760
Weisser
Winterglockenapfel
14/04751865

Offen bleibt, ob und welchen Effekt die Lagerung auf den Polyphenolgehalt von Äpfeln hat und ob länger gelagerte Äpfel für Allergiker besser verträglich sind als frisch geerntete. Interessierte können mit ihren Erfahrungen dabei mithelfen, neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Gute Erfahrungen haben die meisten Allergiker mit erhitzten Äpfeln und Apfelsaft gemacht: So können auch sie in der Regel das Obst symptomfrei geniessen – egal, um welche Sorte es sich handelt.

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