Akte Grüninger (TV-Premiere)

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Polizeihauptmann Paul Grüninger hilft im zweiten Weltkrieg Juden, über die Schweizer Grenze zu flüchten. Der Polizeiinspektor Frei ermittelt gegen ihn. Drama nach einer wahren Schweizer Geschichte, von Regisseur Alain Gsponer ergreifend inszeniert. Schweizer Film 2014.

Februar 1939: Obwohl die Schweizer Grenze seit rund einem halben Jahr für Flüchtlinge geschlossen ist, gelangen weiterhin Hunderte von Menschen ohne gültiges Visum ins Land, namentlich im Grenzgebiet zu Deutschland und dem von Hitler «heimgeholten» Österreich. Zur Abklärung der Hintergründe dieser offensichtlich illegalen Einreisen leitet der Chef der Eidgenössischen Fremdenpolizei, Heinrich Rothmund (Robert Hunger-Bühler), eine Untersuchung ein.

Polizeiinspektor Robert Frei (Max Simonischek), ein junger, ehrgeiziger und autoritätsgläubiger Beamter, wird in den Kanton St. Gallen beordert. Dort kommt er im Rheintal einem Hilfssystem auf die Spur, das von breiten Teilen der Bevölkerung getragen und vom St. Galler Kantonspolizei-Kommandanten Paul Grüninger (Stefan Kurt) nicht nur stillschweigend geduldet, sondern aktiv unterstützt wird. Im Laufe der Ermittlungen erhärtet sich Freis Verdacht. Grüninger lässt Flüchtlinge ohne gültige Visa herein. Indem er zahllose Registrierungen vor den 19. August 1938 – den Tag des Grenzschliessungserlasses - datiert, legalisiert er viele Emigranten als anerkannte Flüchtlinge. Der Polizeikommandant streitet gegenüber Frei auch gar nicht ab, dass er laufend gegen das Gesetz verstösst. Aber er tue dies aus reiner Menschlichkeit; er könne schlicht nicht anders. Frei ist irritiert.
Grüningers moralische Standfestigkeit und der Anblick der hilfesuchenden Flüchtlinge lassen auch bei ihm Zweifel an der bundesrätlichen Entscheidung aufkommen. Soll er seinen Vorgesetzten wahrheitsgemäss berichten? Oder Paul Grüninger decken?

Zusatzinformation zum realen Paul Grüninger:
Nach seiner Amtsenthebung und fristlosen Entlassung (1939), erst recht nach seiner Verurteilung wegen Amtspflichtverletzung und Urkundenfälschung (1940), geriet Paul Grüninger in der Schweiz beruflich wie sozial ins Abseits. Bis zu seinem Tod 1972 lebte er mit seiner Familie in ärmlichen Verhältnissen, schlug sich als Handelsvertreter und Aushilfslehrer durch. Erst mehr als vierzig Jahre später (1993), nach mehreren vergeblichen Anläufen und als Reaktion auf eine internationale Kampagne, wurde Paul Grüninger postum anfänglich politisch, zwei Jahre später durch einen Freispruch des Bezirksgerichts St. Gallen auch juristisch rehabilitiert. Der Grosse Rat von St. Gallen beschloss 1998 die Entrichtung einer finanziellen Wiedergutmachung an die Familie Grüninger, welche daraus die Paul Grüninger Stiftung gründete. Wenigstens die hohe Wertschätzung Israels durfte Grüninger noch erleben: Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hatte ihn bereits 1971 in die Liste der «Gerechten unter den Völkern» aufgenommen. Im August 2014 hat nun auch die Kantonspolizei St. Gallen Paul Grüninger rehabilitiert.