Die Wurzeln der Gewalt – Manuel Eisner, Kriminologe

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Wieso nur schlagen sich junge Männer gegenseitig die Köpfe ein? Was ist falsch gelaufen, dass jemand kriminell wird? Nützen Strafen? Und wenn nicht: Wie kann Gewalt verhindert werden? In Manuel Eisners Forschungsarbeit dreht sich alles um Gewalt.

Der Zürcher Historiker und Soziologe gilt europaweit als Fachmann für Gewaltprävention. Er ist Privatdozent an der Universität Zürich und lehrt zudem soziologische Kriminologie an der englischen Universität Cambridge. «Ich therapiere aber keine gewalttätigen Jugendlichen», relativiert Manuel Eisner seine Tätigkeit sofort.

Sein bisher grösstes Forschungsprojekt hat Eisner 2003 zusammen mit der Stadt Zürich ins Leben gerufen, das sogenannte Zürcher Projekt zur sozialen Entwicklung. In dieser Langzeitstudie begleiten die Forscher 1300 Primarschüler über rund ein Jahrzehnt hinweg - vielleicht auch länger. «Die Kinder, die wir beobachten, sind nun elf Jahre alt», erklärt Manuel Eisner. «Bis sie 18 sind, werden im Schnitt etwa zehn Prozent davon straffällig, bis ins Alter von 20 laut Statistik rund ein Viertel.»

In der nächsten Interviewrunde interessieren deshalb die Entscheidungsprozesse bei den Elfjährigen. Wie gross sind die Einflüsse der Eltern oder der Geschwister, etwa bei der Entscheidung zuzuschlagen, statt einen Konflikt verbal zu lösen? Wie stark hängen solche Handlungen vom Beifall der Kollegen ab? Oder können sie von Autoritätspersonen verhindert werden? Den gewalttätigen Anfängen erzieherisch etwas entgegenzusetzen ist laut Manuel Eisner kein Ding der Unmöglichkeit. Prävention beginne jedoch bereits im Kleinkindalter oder noch vorher, im Bauch der Mutter, sagt der Sozialwissenschaftler.