Propagandagrüsse aus Moskau

Seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine führt Putins Russland einen Propagandafeldzug gegen den Westen. Zu den Mitteln gehören Diffamierungen, Gerüchte und gezielte Falschmeldungen auf Social-Media-Kanälen. Florian Inhauser diskutiert mit den SRF-Korrespondenten Strategien und Gegenmassnahmen.

Wie im legendären James-Bond-Thriller «Liebesgrüsse aus Moskau» («From Russia With Love» mit Sean Connery) riecht es auch in dieser aktuellen Auseinandersetzung zwischen Ost und West nach Agententätigkeit im Dunkeln oder zumindest im Trüben. Die Agenten sind allerdings abgelöst worden von Trollen - von «Personen, die im Internet in Diskussionsforen, andere Personen oder Gruppen absichtlich provozieren» (Wikipedia). Und gekämpft wird nicht mehr um eine Dechiffriermaschine sondern um die Deutungshoheit in aktuellen Konflikten in Europa (Ukraine) und im Nahen Osten (Syrien). Die Schauplätze in diesem Propagandakrieg sind Fernsehen, Youtube, Facebook, Twitter und Online-Kommentare.

Bisheriger Tiefpunkt ist der «Fall Lisa» in der deutschen Hauptstadt Berlin: die 13-jährige Deutsch-Russin Lisa F. hatte eine Entführung und Vergewaltigung durch südländisch aussehende Männer vorgetäuscht, da sie offenbar Angst hatte, nach Hause zu gehen und deshalb bei einem Bekannten übernachtete. So berichteten es deutsche Medien aufgrund der Erkenntnisse von Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft. Russische Medienkanäle dagegen warfen den Untersuchungsbehörden Vertuschung vor und wurden dabei unterstützt vom russischen Aussenminister Lawrov. In diversen Städten fanden Protestkundgebungen statt. Teilnehmer waren vor allem Russland-Deutsche sowie Aktivisten von rechtsextremen Gruppierungen wie NPD und Pegida. Die Demonstranten behaupteten weiterhin unbeirrt, Lisa sei stundenlang von Flüchtlingen vergewaltigt worden. Eine Lüge.

In den sozialen Medien werden die aus Russland gesteuerten Meldungen teils begierig aufgenommen und weiterverbreitet. Sie bedienen Ressentiments gegen die Europäische Union, gegen Migranten, Flüchtlinge, Homosexuelle und den liberalen, europäischen Lebensstil.

Florian Inhauser diskutiert in #SRFglobal mit den Korrespondenten in Moskau, Berlin und Brüssel:

  • Was ist die Motivation Russlands bei der Propaganda gegen den Westen?
  • Wer sind die politischen Nutzniesser?
  • Und ist der Westen selber wirklich frei von Propaganda?

Im Studio begrüsst Florian Inhauser zudem den russischen Journalisten Konstantin Goldenzweig. Er arbeitete jahrelang für den russischen TV-Sender NTV, bevor ihm nach der Übernahme des Senders durch Gazprom der politische Druck zu gross, die journalistischen Freiräume zu klein geworden sind. Seit 2015 ist er Deutschland-Korrespondent des kleinen, unabhängigen russischen Senders RTVi.

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