November war die Saison der schönen Bundesratsreisli. Unser Bundesrat bummelte diesen Monat in der Weltgeschichte herum. Guy Parmelin war in Washington wegen des Zolldeals, Ignazio Cassis in Berlin wegen des EU-Vertrags, Beat Jans in Ägypten wegen des Migrationsabkommens und Martin Pfister im Migros-Restaurant in Bümpliz wegen der Cremeschnitte.
Wir kämpfen quasi in der Schlacht am Chlorgarten.
Aber die exotischste Reise machte unser Umweltminister, Albert Rösti. Er reiste an den Klimagipfel in Belém in Brasilien. Und zwar mit dem «Palast der Lüfte», dem Bundesratsjet. Jetzt regen sich alle darüber auf, dass der Umweltminister mit dem Flugzeug an den Klimagipfel flog. Rösti wäre gerne mit seiner Karre nach Brasilien gefahren. Das habt ihr nun davon, dass man keine Autobahnen mehr bauen darf!
Selbstfahrendes Postauto
Die PostAuto AG packt ihr Weihnachtsgeschenk früh aus: das erste selbstfahrende Postauto. Ein Bus ohne Chauffeur – was kommt als Nächstes? Ein Postauto ohne Passagiere.
Postautochauffeurinnen und -chauffeure beschäftigt vor allem eine Frage: «Was, wenn einer ins Auto kotzt?» Richtig, das sind Fragen, die wichtig sind: Wer löffelt diese Suppe aus?
«Chicken à la Alpamare»
Der grosse Aufreger im November ist der Zolldeal mit den USA. Aber alle reden nur über Chlorhühner. Die neue Volksangst heisst «Pollochlorophobia». Und wir kämpfen jetzt quasi in der Schlacht am Chlorgarten. Dabei läuft es für die Schweiz gar nicht so schlecht: von 39 % Zöllen runter auf 15 %, Guy Parmelin strahlt wie ein Poulet. Gleichzeitig verpflichtet sich die Schweiz jährlich 1500 Tonnen US-Poulet einzuführen – chlorbehandelt, also «Chicken à la Alpamare».
Das Problem ist weniger das Hühnchen als die Schweizer, die in Washington Goldbarren und Rolex-Uhren apportieren wie Hunde. Parmelin nennt sie «Team Switzerland». Das erste «Team Switzerland», das nicht Goldmedaillen gewinnen, sondern Gold verteilen will. Der Zolldeal wirkt wie UV-Licht: Er zeigt, wo der Dreck sitzt. Oder direkter gesagt: Der Bundesrat steckt der US-Regierung so tief im Hintern, dass er vor lauter Chlorhuhn die Demokratie nicht mehr sieht.
Ueli Maurer fantasiert mit über eine neue Schweiz
Die Schweiz ist ein Flickwerk – Sprachen, Topografien, Chipssorten. Trotzdem haben wir zusammen den Plausch. Nur Ex-Bundesrat Ueli Maurer sieht das anders.
In Olivier Kesslers Podcast fantasiert er über eine neue Eidgenossenschaft. Kessler spricht von einem Neustart: «Erneut ein einig Volk von Brüdern.» Klingt nicht nach Innovation, sondern eher nach Inzest. Kessler schwärmt weiter von einer «Insel der Freiheit». Maurer findet die Idee «faszinierend» und sagt: «Ich wäre der Erste, der sich an die Spitze stellt. Aber es bräuchte fast eine Revolution.» Hui. Eine Revolution. Urkantone zusammenfassen und ein kleiner Mann an der Spitze. Man sieht schon das Bild vor sich: Ueli Bonaparte. Kessler als sein JD Vance, Kommunikation über Teletext und die Landeshymne: «Dü-da-do»?
Good News zum Abschluss?
Für Feinschmeckerinnen ist der November ein Duftfest. Überall riecht es nach Zimt und Spekulatius – ausser in der Schweiz. Hier muss es nach Aromat riechen. Ein Chipshersteller lanciert tatsächlich Aromat-Chips. Zürich dreht durch: Über 200 Personen stehen für den Release Schlange. Jetzt fehlt nur noch die Winteredition «Neocitran».