«Die Medien berichten zu negativ über die Schweizer Fankultur»

Berichte über Ausschreitungen und Beschädigungen bei und um Schweizer Fussball-Matches sind keine Seltenheit. Wir haben mit einem Fan, der die Fankurve bestens kennt über die Schweizer Fankultur gesprochen. Diese habe mehr zu bieten, als schlechte Schlagzeilen.

Habe viel mehr zu bieten als Schlägereien und Sachbeschädigungen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Fankultur: Habe viel mehr zu bieten als Schlägereien und Sachbeschädigungen. Keystone

Was reizt dich an Fussball-Spiele zu gehen?

Anonymer Fan: «Ich habe eine Saisonkarte und gehe regelmässig an Heimspiele. An Auswärts-Matches war ich früher oft, heute nur noch an solchen mit Derby-Charakter. Und auch an ausgewählte internationale Spiele gehe ich ab und zu.»

«  Fussballspiele leben vom Wechselspiel zwischen rivalisierenden Fans. »

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Fanarbeit in der Schweiz

Fanarbeit in der Schweiz

Christian Wandeler steht als Fanarbeiter zwischen den Fronten. Mehr dazu hier.

Fan: «Der Sport wurde mir in die Wiege gelegt. Ich war bereits als Kind mit meinem Vater im Stadion. Heute spiele ich selber und habe viele Freunde kennengelernt. Es ist toll als Gruppe von Kollegen an die Spiele zu gehen. Die Faszination Fussball und die Fankultur gefällt mir einfach im Allgemeinen.»

Was ist für dich Fankultur?

Fan: «Es ist eine Tradition. Ich finde die ganzen Choreografien toll, die man machen kann. Man kann dem Club so eine Art Symbol geben. Der Zusammenhalt unter den Fans ist extrem gross. Und auch das Rivalisieren mit gegnerischen Fans gefällt mir. Das muss überhaupt nicht negativ gemeint sein. Fussball-Spiele leben halt auch von diesem Wechselspiel zwischen Fangruppen. Ich finde, dass die Medien ein zu düsteres Bild zeichnen.»

«  In einer Seitenstrasse standen plötzlich die gegnerischen Fans. Man konnte nicht mehr links und rechts schauen und schon hats gekesselt. »

Das klingt ja schön und gut, aber die Fankultur hat durchaus auch negative Seiten, oder?

Fan: «Es gibt zum Teil schon Schlägereien oder das Dinge geworfen werden. Das ist aber immer abhängig von der Stimmung und der Situation. Klar, man kann Puff haben, wenn man will. Aber prinzipiell ist es so, dass Gewalt nicht gesucht wird, sondern eine Eskalation auch immer einen Grund hat, sei es nun die Polizei oder gegnerische Fans.»

Hast du schon einmal eine kassiert?

Fan: «Ja, als ich einmal bei einem Fan-Marsch mitgegangen bin, standen plötzlich in einer Seitenstrasse die gegnerischen Fans. Da konnte man nicht einmal mehr links und rechts schauen und schon hats gekesselt.»

Trotzdem siehst du dich nicht als Ultra bzw. Hooligan?

Fan: «Nein. Und da muss man sowieso aufpassen: Ultras sind die Fans in der Kurve, Hooligans sind die, die sich explizit verabreden um sich zu prügeln. Hooligans halten aber auch ihren Ehrenkodex ein und helfen einander nach dem Kampf wieder auf die Beine. Bei den Ultras, wenn es eine Meute von mehreren hundert Leuten ist, kann es dann leider schon mal zu Sachbeschädigungen oder Verletzungen bei Unbeteiligten kommen.»

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Bild: Keystone

Was hälst du von Pyro-Fackeln, die ja auch immer wieder Thema sind?

Fan: «Ich finde sie toll, wenn sie kontrolliert abgebrannt werden und damit ein Tor oder ein Sieg zelebriert wird. Damit kann man einen super Beitrag zur Stimmung im Stadion leisten. Wenn sie missbraucht werden, um Gewalt auszuüben oder wenn Drittpersonen damit verletzt werden bin ich strikt dagegen.»

Du siehst die Schweizer Fankultur trotz allem als etwas sehr Positives. Warum hat sie einen so schlechten Ruf?

Fan: «Ich glaube es ist ein Medienproblem. Sie tragen vieles zu diesem schlechten Ruf bei, weil sie vielfach nur über die Ausschreitungen und die Gewalt berichten und nicht über das Positive.»