Biber haben Freunde

Weshalb ein Nager den Menschen so sympathisch ist

Medium: DVD
Dauer: 50 Min.
Original: Schweizerdeutsch/Deutsch
Untertitel: Untertitel für Hörbehinderte
Produktion: 2013
Bildformat: 16:9
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Biber haben Freunde

Es wird langsam Abend, die Sonne streift die letzten Baumwipfel, die sich im ruhigen Wasser spiegeln. Weiter hinten ruft ein Schwarzspecht, und gut versteckt am Biberteich sitzt Ueli Iff. Er wartet. Er achtet auf die Fische im glasklaren Wasser unter dem Biberbau und hält Ausschau nach kleinen Wellen an der Wasseroberfläche. Es ist Zeit für die Biber, aus ihrem Bau zu kommen. «Tiere zu beobachten heisst Geduld haben und vor allem warten», sagt Ueli Iff. Er geniesse diese Zeit, bevor die Biber auftauchen, die Spannung, was an diesem Abend wohl geschehen wird. Dann plötzlich und ohne jegliche Ankündigung taucht ein Biber auf. Er hält die Nase hoch, dreht eine kleine Runde und schaut sich um. Dann steuert er zielstrebig auf einen kleinen Strand am Ufer zu. Er klettert aus dem Wasser und beginnt sich das Fell einzufetten. Es ist ein stattliches Tier, und jetzt wird auch klar: Der Biber ist eine Sie. Die Zitzen zwischen den Vorderbeinen verraten, dass diese Biberdame Junge hat. Am nächsten Morgen bei sich zu Hause hält Ueli Iff die Szene in seinem Skizzenbuch fest. «Ich habe auch schon versucht zu fotografieren, doch da muss ich mich viel zu stark auf die Technik konzentrieren», erklärt er. Ueli Iff beobachtet lieber ganz in Ruhe, prägt sich alles ein und bringt es dann später zu Papier.

Ueli Iff ist einer von vielen Menschen in der Schweiz, die sich intensiv mit den Bibern beschäftigen - so auch Vincent Chabloz, der einen ganzen Film über eine Biberfamilie am Neuenburgersee gedreht hat. Er hat die Tiere zwei Sommer lang begleitet und mit viel Geduld an sich gewöhnt. So gelangen ihm seltene Aufnahmen der spielenden Jungen vor dem Bau. Durch das lange Beobachten kannte er bald die Schwimmrouten der Biber und konnte sie so auch unter Wasser filmen. Dort zeigen die Tiere, die an Land eher plump wirken, plötzlich eine überraschende Eleganz. Biber bei Tageslicht filmen, das geht nur im Sommer, wenn die Tage genügend lang sind - und auch nur dort, wo die Vegetation den Einblick in ihren Lebensraum erlaubt. Im Winter verlassen die nachtaktiven Tiere ihren Bau erst bei Dunkelheit. Dafür sieht man ihre Spuren im Winter umso deutlicher.

«Als wir vor 20 Jahren diese Spuren am Ufer bei Brugg entdeckten, dachten wir zuerst, Jugendliche hätten die Bäume mit Schnitzmessern bearbeitet», erinnert sich Fredi Schären. Er war damals als Schreiner tätig und lüftete bald das Geheimnis um die gefällten und entrindeten Bäume. Seither haben es ihm die Biber angetan. Man kennt ihn als den Bibervater oder Biberfredi. Er kümmert sich um den Schutz der Biber in der Region, macht Führungen und setzt sich für die Akzeptanz in der Bevölkerung ein.

Bei einem Tier, das seinen Lebensraum so stark beeinflusst wie der Biber, kann die Stimmung rasch kippen, und ein willkommener Rückkehrer wird plötzlich politisch zum Schädling degradiert. In der Sendung vom Mai 2013 hat sich «NETZ NATUR» den Konflikten zwischen Menschen und Bibern gewidmet. In einer zweiten Sendung zeigt «NETZ NATUR» nun die Wichtigkeit dieser Tiere für ihre Umwelt und die Faszination, die das Schaffen der Biber auf viele Menschen in der Schweiz ausübt. Für sie sind die von Bibern gestalteten Naturräume eine Bereicherung in der vom Menschen bis in die letzten Winkel ausgenützten Landschaft des Mittellandes.

Doch wie sähe es aus, wenn man den Bibern in der Schweiz freien Lauf liesse? Diesen Blick in eine mögliche Zukunft erlaubt eine Reise in den Nordosten Polens. Nach der beinahe vollständigen Ausrottung haben sich dort die Bestände durch Schutz und Wiederansiedlungen viel rascher als hierzulande erholt; in manchen Regionen ist heute jeder noch so kleine Bach von Bibern besiedelt. So ist ein eindrückliches Netz von Feuchtgebieten entstanden, das sich über Wald und Landschaft erstreckt und einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen einen Lebensraum bietet.