Die Verrückten

Was Krebse zu Verrückten macht

Medium: DVD
Dauer: 60 Min.
Original: Schweizerdeutsch/Deutsch
Produktion: 2007
Bildformat: 4:3
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Die Verrückten

Gespenstisch gleitet ein Taucher im Infrarotlicht durch die Nacht auf den Grund eines Schweizer Sees. Ein Verrückter? Nein, seine Mission hat einen ganz besonderen Zweck: Er filmt die nachtaktiven Krebse, von denen es hier nur so wimmelt. Mit sperrigen Bewegungen suchen die verrückten Gestalten zwischen den Steinen nach Essbarem. Einigen wird ihre Gefrässigkeit zum Verhängnis. Verführt vom Geruch der Köderfische landen sie zu Hunderten in den Reusen eines Krebsfängers.

Verrückt, dass ein solcher Fang heute in der Schweiz eine Seltenheit ist. Viele Gewässer sind mit der Krebspest verseucht. Diese Pilzkrankheit, die den einheimischen Krebsen zusetzt, gab es hier ursprünglich nicht. Sie wird durch fremde Arten in unseren Gewässern verbreitet, die als Delikatesse eingeführt und legal oder illegal in die Natur ausgesetzt wurden. Auch bei den Kleinkrebsen gibt es einen Fremdling, der den einheimischen Arten zu schaffen macht: den Höckerflohkrebs. Als blinder Passagier am Rumpf von Schiffen oder in der Ausrüstung von Tauchern hat auch er den Weg in die Gewässer der Schweiz gefunden. Verrückt, wie er sich explosionsartig ausbreitet und überall dort, wo er einmal Fuss fasst, in Kürze den einheimischen Bachflohkrebs verdrängt - ein Beispiel, was dabei herauskommt, wenn der Mensch in der Natur mitmischt.

Verrückte Krebsbilder auch von den Weihnachtsinseln im Indischen Ozean. Dort leben riesige rote Landkrabben im Wald. Sie fressen das Laub, das von den Bäumen fällt. Wenn es ihnen zu warm wird, verziehen sie sich in eine Höhle. Nur ein Mal im Jahr machen sich die roten Gesellen zur Paarung auf den langen Marsch ans Meer: Wenn 60 Millionen Krabben gleichzeitig aus ihren Löchern kommen, kann das ganz schön gruselig werden. Man findet Krebse auch an anderen verrückten Orten. Zum Beispiel in den Salinen des Mittelmeers, wo das Wasser in den Verdunstungsbecken entlang der Küste so salzhaltig ist, dass man dort kaum Lebewesen erwarten würde. Doch es gibt sie, die Verrückten: zentimetergrosse Planktonkrebschen der Gattung Artemia. Sie haben etwas Feenartiges, wenn sie wie kleine Federchen durch das Wasser schweben. Sie fressen die Algen und ermöglichen es anderen Tieren, in diesen Salzseen zu überleben. Tausende und Abertausende rosafarbene Flamingos ernähren sich hauptsächlich von diesen Salinenkrebschen, die sie mit ihrem besonders ausgestatteten Schnabel aus dem Wasser sieben.

Der Verrückteste unter den Verrückten ist aber der Wurzelkrebs. Als junge Larve schwimmt er frei im Meer umher und sucht sich eine Krabbe als Wirt. Dort gibt der Parasit seine eigene Körpergestalt auf und durchwuchert die Krabbe mit feinen Fäden wie ein dichtes Wurzelwerk. So entzieht er der Krabbe Nahrung und sorgt dafür, dass sie sich nicht mehr fortpflanzen kann. Statt ihre eigenen Eier trägt sie die Gelege des Parasiten am Bauch und wird wie ein Roboter durch den Wurzelkrebs gesteuert. «NETZ Natur» taucht mit Spezialkameras in die verrückten Wunderwelten der Krebse ein und erzählt, warum sie zu den wichtigsten Tieren der Erde gehören.