Spiel ohne Grenzen

Warum Tiere und Menschen spielen

Medium: DVD
Dauer: 50 Min.
Original: Schweizerdeutsch/Deutsch
Produktion: 2008
Bildformat: 16:9
Spiel ohne Grenzen

Ein kleiner Hund lässt sich auf die Vorderpfoten nieder, den Hintern in die Höhe gestreckt, und wedelt mit dem Schwanz. Ein Gämskitz hüpft vor seinem Kameraden auf und ab und stupst ihn mit dem Kopf in die Flanke. Beide wollen nur das eine: Spielen. Der kleine Hund bellt und rennt auf seinen Bruder los. Die beiden überschlagen sich, knurren, beissen und jaulen, doch nicht vor Schmerz, sondern aus purer Freude. Auch bei den Gämskitzen geht es wild zu und her. Sie rennen quer durch hohes Gestrüpp und über Felsen, machen Bocksprünge und drehen sich im Kreis. Dass sie riesen Spass haben, wagt keiner zu bezweifeln. Und doch kann so ein Spiel im steilen Gelände auch gefährlich sein. Schnell einmal kommt ein Stein ins Rollen, und es geschieht nicht selten, dass ein allzu übermütiges Kitz abstürzt oder von einem Feind erbeutet wird, weil es nicht aufpasste.

Spielen ist lustig und macht Spass. Das hat die Natur so eingerichtet, denn beim Spiel wird im Hirn eine grosse Menge an Glückshormonen frei. Es kann aber auch gefährlich sein und braucht viel Energie. Das wirft die Frage auf, was denn das Spielen nützt. Denn auch wenn der Mensch sich im Umgang mit seinen Kräften Luxus leisten kann - in der Natur hat Verschwendung keinen Platz. In erster Linie dient das Spiel dem Erlernen von Fähigkeiten wie Jagd, Flucht oder Kampf. Es ist aber auch für die Entwicklung des Gehirns im jugendlichen Alter unentbehrlich. Und es dient äusserst komplexen Verhaltensweisen wie dem Sozialverhalten in der Gruppe. Im Spiel lernen die Jungtiere ihre Grenzen kennen, indem sie zum Beispiel ihre Mutter so lange ärgern, bis es «knallt».

«NETZ NATUR» geht dem Sinn und Zweck des Spiels auf den Grund. Warum spielen einzelne Tiere und andere nicht? Säugetiere spielen und einige Vögel. Es gibt auch Berichte von spielenden Schildkröten oder Waranen. Doch bei anderen grossen Tiergruppen, zum Beispiel den Insekten, kann spielerisches Verhalten nicht beobachtet werden. Fliegen sind geschickte Flugakrobaten und Hornissen leben in einem staatenähnlichen System mit Königin, Arbeitern und Soldaten. Trotz dieser weit entwickelten Eigenschaften scheint für sie das Spiel nicht von Bedeutung zu sein. Und wer hätte gedacht, dass ein Tier, das mit Schnecken und Muscheln verwandt ist spielen würde? Der Octopus ist verspielt und entwickelt erstaunliche Fähigkeiten, wenn es darum geht, an Futter zu kommen und ohne schützenden Panzer im Meer zu überleben.

Spiel verbindet auch über die Artengrenze hinaus. Über den Aquarienrand spritzt der Octopus seinen Wärter an, wenn dieser gerade nicht hinschaut. Auch Hund und Esel, Fuchs und Marder verstehen sich über das Spiel. Und für Menschenkinder sind junge Hunde, Katzen oder Ziegen wunderbare Spielgefährten. Ein Grossteil der heutigen Haustiere ist wohl auch so entstanden. Jäger haben die Jungen erlegter Wildtiere von der Jagd mitgebracht - als Spielkameraden für die Kinder im Lager. Tiere, die für die Domestikation geeignet waren, haben sich den Menschen angepasst und sich in den Siedlungen fortgepflanzt. Hunde, Esel, Pferde und Ziegen, sie alle leben im Rudel oder in der Herde. Dies erfordert soziale Fähigkeiten - eine Voraussetzung, wenn der Mensch diese Tiere zähmen und bei sich halten wollte.

Wer mit Tieren arbeitet, nutzt oft die Lust am Spiel: Hunde werden beim Training für bestimmte Aufgaben oft über das Spiel motiviert: Denn auch wenn die Arbeit eines Drogen- oder Lawinenhundes noch so ernst ist und es um Leben oder Tod geht, verdanken Opfer, die von einem Hund gefunden werden, letztlich ihr Überleben der natürlichen Spielfreude des Hundes.